Orientierung der Tiere
Elektrosmog stört die Zugvögel
publiziert: Mittwoch, 7. Mai 2014 / 21:17 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 7. Mai 2014 / 23:13 Uhr
Zugvögel nutzen das Magnetfeld der Erde, um den Weg zu ihren Winterquartieren und zurück zu finden.
Zugvögel nutzen das Magnetfeld der Erde, um den Weg zu ihren Winterquartieren und zurück zu finden.

Oldenburg - Selbst schwache elektromagnetische Felder können die Orientierung von Zugvögeln stören. Forscher von der deutschen Universität Oldenburg fanden in einer Studie heraus, dass das sensorische System von Rotkehlchen versagt, sobald elektromagnetische Strahlung im Mittelwellenbereich auf sie einwirkt.

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Die gewonnenen Erkenntnisse stellten den bisherigen Stand der Wissenschaft auf den Kopf: «Bisher galt, dass Elektrosmog unterhalb bestimmter Grenzwerte keine Auswirkungen auf biologische Prozesse hat», sagte der dänische Professor Henrik Mouritsen, der an der in «Nature» veröffentlichten Studie beteiligt war.

Zugvögel nutzen im Herbst und im Frühjahr das Magnetfeld der Erde, um den Weg zu ihren Winterquartieren und wieder zurück zu finden. Die Forscher fanden heraus, dass das sensorische System von gesunden Rotkehlchen komplett versagt, sobald bestimmte elektromagnetische Felder im Mittelwellenbereich auf sie einwirken.

Das sei sogar dann der Fall, wenn die Signale nur ein Tausendstel des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unbedenklich eingestuften Grenzwertes betragen. Die Störungen stammen dabei nicht von Hochspannungsmasten oder Mobilfunknetzen, sondern im Wesentlichen von Elektrogeräten und liegen im Radiowellenbereich.

Rotkehlchen in der Stadt orientierungslos

Professor Mouritsen machte seine Experimente zunächst auf dem Campus der Universität Oldenburg. Er setzte Rotkehlchen während der Zeit des Vogelzugs nachts für eine Stunde in einen trichterartigen sogenannten Orientierungskäfig.

Dabei nutzte er das spontane Verhalten der Vögel, nachts in die Richtung zu hüpfen, in die sie fliegen würden. Unter normalen Bedingungen konnten die Rotkehlchen ihren inneren Kompass nicht nutzen und waren orientierungslos. Erst als die Käfige mit speziellen Aluminiumplatten vom Elektrosmog abgeschirmt wurden, konnten die Vögel wieder navigieren.

In Natur einwandfrei

Die Wissenschaftler wiederholten den Versuch auch in ländlicher Umgebung, wo elektromagnetische Strahlung in der Regel deutlich schwächer ist als in der Stadt. Dort funktionierte der innere Kompass der Zugvögel einwandfrei.

«Natürlich sind die Auswirkungen des Elektrosmogs auf den Vogelzug somit lokal begrenzt», sagte Mouritsen. «Dennoch sollten uns diese Ergebnisse zu denken geben - sowohl was die Überlebenschancen der Zugvögel, als auch was mögliche Effekte für den Menschen angeht, die es noch zu untersuchen gilt.»

(awe/sda)

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