Tests bergen Druck auf Eltern
Embryountersuchung für Befürworter ein Gebot der Menschlichkeit
publiziert: Montag, 18. Apr 2016 / 09:48 Uhr / aktualisiert: Montag, 18. Apr 2016 / 10:42 Uhr
Bei den Untersuchungen werde zwischen lebenswertem und nicht lebenswertem Leben unterschieden. (Symbolbild)
Bei den Untersuchungen werde zwischen lebenswertem und nicht lebenswertem Leben unterschieden. (Symbolbild)

Bern - Die Befürworter der Präimplantationsdiagnostik werben für die Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes, über die am 5. Juni abgestimmt wird. Nur mit dieser sei eine optimale Behandlung für Paare mit Kinderwunsch möglich, argumentieren sie.

4 Meldungen im Zusammenhang
Insbesondere die Mütter könnten damit vor seelischen und körperlichen Belastungen geschützt werden, heisst es in den schriftlichen Unterlagen des Komitees «Nochmals Ja zu einer fortschrittlichen Fortpflanzungsmedizin». In diesem sind alle Bundeshausfraktionen mit Ausnahme der Grünen vertreten.

Der Name des Komitees verweist auf die erste Abstimmung zur Präimplantationsdiagnostik (PID): Am 14. Juni 2015 sagten Volk und Stände Ja zu einer Verfassungsänderung, welche die medizinischen Voraussetzung für die Untersuchung von Embryos im Reagenzglas schafft. Nun geht es um die Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes, mit der das geltende PID-Verbot aufgehoben werden soll.

Schwangerschaft auf Probe

Heute dürfen die Untersuchungen erst während der Schwangerschaft durchgeführt werden. Die Paare müssen dann entscheiden, ob sie die Schwangerschaft abbrechen. Das führe zu «Schwangerschaften auf Probe» und zu einer neuen künstlichen Befruchtung, argumentieren die Befürworter der Gesetzesänderung. Ihrer Ansicht nach ist das eine unnötige Belastung. Den Paaren die optimale Behandlung zu versagen, sei «unmenschlich», heisst es in der Medienmitteilung.

Umstritten ist allerdings nicht nur die Aufhebung des Verbots. Die Debatte drehte sich von Anfang an auch um die Frage, welche Tests erlaubt sein sollen. Der Bundesrat schlug ursprünglich eine zurückhaltende Regelung vor: Er wollte die PID nur jenen Paaren erlauben, die Träger schwerer Erbkrankheiten sind. Mit der Untersuchung vor der Einpflanzung in den Mutterleib kann ein Embryo ausgewählt werden, der nicht von der Erbkrankheit betroffen ist.

Das Parlament ging jedoch weiter: Die PID soll allen Paaren offen stehen, die ohne künstliche Befruchtung keine Kinder bekommen können. Bei diesen Paaren können die Embryonen auf bestimmte genetische Eigenschaften hin untersucht werden, etwa auf Chromosomenanomalien, zu welchen auch das Down-Syndrom (Trisomie 21) gehört. Davon könnten rund 6000 Paare pro Jahr profitieren. In der Version des Bundesrats wären es 50 bis 100 gewesen.

Moralische Grenzen

Nach Ansicht der Gegner ist die Medizin damit auf einem gefährlichen Weg. Mit den Untersuchungen werde zwischen lebenswertem und nicht lebenswertem Leben unterschieden, was nichts anderes sei als Eugenik, kritisieren sie. Mit der Zulassung der PID werde der Druck auf die Eltern zunehmen, solche Tests durchzuführen.

Die Befürworter der Gesetzesänderung argumentieren mit dem so genannten PID-Tourismus. Zunehmend wichen betroffene Paare in Länder aus, in welchen die Untersuchungen erlaubt seien. Dort würden sie aber oft nicht optimal behandelt, was zu Komplikationen führen könne. Ihrer Meinung nach hat das Parlament mit der Gesetzesänderung «strikte moralische und ethische Grenzen» eingehalten. So bleibe es etwa nach wie vor verboten, Embryos nach Augen- oder Haarfarbe auszuwählen.

(cam/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Embryonen im 2- und 4-Zellen-Stadium.
Bern - Das Stimmvolk hat die ... mehr lesen
Präimplantationsdiagnostik: Kontroverses Thema.
Bern - Im Reagenzglas gezeugte Embryos sollen künftig auf Chromosomenstörungen untersucht werden dürfen, bevor sie in den Mutterleib eingepflanzt werden. Darauf haben sich die ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Zwischen Bodensee und Säntis ist eine Landesausstellung geplant.
Zwischen Bodensee und Säntis ist eine Landesausstellung geplant.
Abstimmung am 5. Juni  Bern - Neben den fünf eidgenössischen Abstimmungsfragen entscheiden am 5. Juni die Stimmberechtigten über zahlreiche kantonale Vorlagen. In den Kantonen St. Gallen und Thurgau wird über das Schicksal der Expo2027 befunden. mehr lesen 
Laut Umfrage  Zürich - Die Zustimmung für die Pro-Service-public-Initiative schmilzt laut einer Umfrage. Doch die ... mehr lesen  
Mehr Bürger als noch im April lehnen die Pro-Service-public-Initiative ab.
Etschmayer Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von bürgerlicher Seite her solle laut einem Geheimplan daher ein volksnaher Alternativvorschlag vor den Wahlen als Killer-Argument gegen die Initiative publik gemacht werden. Dass dieser noch nicht öffentlich ist, liegt mal wieder am Geld. mehr lesen  
Migration, Asyl und Flüchtlinge galten bei der Wählerschaft als wichtigstes Problem. (Symbolbild)
Wahlen 2015  Bern/Lausanne - Die SVP hat ihr gutes Resultat bei den Wahlen 2015 einer soliden Wählerbasis und der ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 8°C 11°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Basel 7°C 12°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
St. Gallen 4°C 7°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Bern 5°C 10°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Nebel
Luzern 8°C 10°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Nebel
Genf 6°C 11°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Lugano 14°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten