Emir von Katar als erster Staatschef zu Besuch im Gazastreifen
publiziert: Dienstag, 23. Okt 2012 / 22:29 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 23. Okt 2012 / 22:57 Uhr
Scheich Hamid bin Khalifa Al-Thani.
Scheich Hamid bin Khalifa Al-Thani.

Gaza - Der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, hat als erstes Staatsoberhaupt seit der Machtergreifung der radikal-islamischen Hamas vor fünf Jahren den Gazastreifen besucht.

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Hamas-Führer Ismail Hanija begrüsste den Gast aus dem reichen Golfstaat bei seiner Ankunft am Grenzübergang Rafah nach Ägypten; beide schritten feierlich über einen roten Teppich. Der Emir, der mit seiner Ehefrau Scheicha Mosa und einer Delegation kam, weihte bei seinem mehrstündigen Aufenthalt katarische Hilfsprojekte ein.

Der Besuch des Emirs sei ein «historisches Ereignis» und andere arabische Staatschefs sollten seinem Beispiel folgen, sagte Hanija: «Mit diesem Besuch erklären wir die politische und wirtschaftliche Blockade des Gazastreifens für gebrochen und besiegt.»

Der Emir habe sich verpflichtet, 400 Millionen Dollar in das palästinensische Gebiet zu investieren. In Chan Junis im südlichen Gazastreifen legte der Gast den Grundstein für eine Wohnanlage, die nach ihm benannt werden soll. Aus den Lautsprechern der Moscheen wurden die Menschen aufgerufen, die Strassen zu säumen.

Kritik aus dem Westjordanland

Bei den gemässigten Kräften um Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland stiess der Besuch auf Kritik. Eine Vertiefung der Spaltung zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland sei «sehr gefährlich», warnte PLO-Sekretär Jasser Abed Rabbo.

Die Hamas hatte die Fatah von Abbas im Juni 2007 in einem Bruderkrieg im Gazastreifen entmachtet. Versöhnungsbemühungen kamen über Absichtsbekundungen nicht hinaus.

Der Emir äusserte die Hoffnung auf eine innerpalästinensische Versöhnung: «Warum setzen die Palästinenser sich nicht heute zusammen, beenden ihre Spaltung und vereinigen sich?»

Hamas international isoliert

Die radikalislamische Hamas ist international weitgehend isoliert, weil sie den Staat Israel nicht anerkennt. Kurz vor der Ankunft des Emirs war ein israelischer Soldat bei einem Anschlag am Grenzzaun schwer verletzt worden. Ob Israel trotz des Besuchs militärisch auf den Anschlag reagieren würde, war unklar.

Die Beziehungen zwischen Israel und Katar gelten als intakt. In Israel wird die Visite als Bestätigung des wachsenden Einflusses der Muslimbruderschaft, der Dachbewegung der Hamas, seit dem Beginn der Aufstände im vergangenen Jahr gesehen.

Dadurch haben islamistische Gruppen in der gesamten Region an Bedeutung gewonnen. Katar war dabei ein wichtiger Verbündeter von Rebellen- und Oppositionsbewegungen.

(fest/sda)

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