Smileywelten
Emoticons verändern menschliches Denken
publiziert: Dienstag, 11. Feb 2014 / 09:37 Uhr
Auch bei der Kommunikation via Handy spielen Emoticons bei vielen eine grosse Rolle. (Symbolbild)
Auch bei der Kommunikation via Handy spielen Emoticons bei vielen eine grosse Rolle. (Symbolbild)

Adelaide/Wien - Emoticons wie das Smiley sind eine neue Sprache, die Auswirkungen auf die menschliche Gehirnaktivität hat, besagt eine neue Erhebung der australischen Flinders University.

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Der Gebrauch der Strichgesichter löst eine Reaktion in jenem Teil des Gehirns aus, der eigentlich für die Erkennung von realen Gesichtern reserviert ist.

Laut Studienleiter Owen Churches achten Personen mehr auf die Gesichter anderer, als auf irgendetwas Anderes. Wenn sie Bilder eines Gesichtes betrachten, erkennen sie die Position des Mundes relativ zu jener der Nase und der Augen. Das wiederum löst eine Reaktion in einem speziellen Teil des Gehirns aus. Liegt das Gesicht auf der Seite, so werden andere spezifische Gehirnaktivitäten gemessen.

Reihenfolge wichtig

Im Zuge der Untersuchung zeigten Churches und seine Mitarbeiter 20 Studienteilnehmern Bilder mit echten Gesichtern, Emoticons und eine Anreihung bedeutungsloser Zeichen. Gleichzeitig wurden mittels Elektrophysiologie die Muster der Gehirnströme gemessen.

Während Gesichtsspezifische Gehirnaktivität sowohl bei Bildern aufgerichteter als auch auf der Seite liegender Gesichter erfasst wurden, konnten die gleichen Muster bei Emoticons nur gemessen werden, wenn diese auf der Seite lagen. Dabei musste jedoch auch die Anreihung der Zeichen stimmen. War das Smiley umgedreht konnten jene Regionen im Gehirn, die für die Gesichtserkennung zuständig sind, das Bild nicht als Gesicht erkennen.

«Es gibt keine angeborene neurale Reaktion zu Emoticons. Vor 1982 gab es einfach keinen Grund, dass :-) die Hirnregionen zuständig für die Gesichtserkennung aktiviert, aber heute haben wir gelernt, dass diese Zeichen ein Gesicht repräsentieren. Das ist eine vollkommen kulturell-erzeugte neurale Reaktion. Es ist grossartig», berichtet Churches über die im Social Neuroscience veröffentlichten Ergebnisse.

Witz oder kein Witz

Inwieweit das Erfassen von Gefühlen anderer angeboren ist, konnte bis heute nicht belegt werden. «Ob Babys wirklich sofort Emotionen erkennen können, wissen wir leider nicht, aber sie reagieren direkt nach der Geburt auf Gesichter. Deshalb wird vermutet, dass sie auf die Hell/Dunkel-Anordnung, also die Schatten von Nase und Mund, ansprechen, was angeboren sein könnte», erklärt Helmut Leder von der Fakultät für Psychologie der Universität Wien im Gespräch mit pressetext.

Das erste Smiley stammt aus der Feder des Werbegrafiers Harvey Ball, der es 1963 für eine Versicherung entwarf. Offiziell eingeführt wurde das Strichgesicht 1982 vom Wissenschaftler Scott E. Fahlmann, der nach einigen Debatten und Missverständnissen :-) als Zeichen für einen Witz vorschlug und :-( falls es keiner war.

(bg/pte)

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