Endlich Wandel?
publiziert: Freitag, 11. Nov 2011 / 15:00 Uhr
Bewahrer morscher Strukturen: Silvio Berlusconi
Bewahrer morscher Strukturen: Silvio Berlusconi

Auch wenn man es fast nicht zu hoffen wagt, aber es sieht so aus, als würden einige der lausigsten Politiker Europas bald weg von der Bildfläche sein. Oder ist dies nur ein Rückzug auf Zeit?

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Papandreou ist weg und Berlusconi hat seinen Abgang angekündet. Der «Erbe» und der «Cavaliere» machen - wie es aussieht, den Abgang, die Vertreter des korrupten alten Regimes sollen von Technokraten und Spezialisten übergangsmässig Ersetzt werden, bevor nach Neuwahlen eine neue Generation von Politikern in Italien und Griechenland das Ruder übernimmt.

Doch kann sich wirklich was ändern? Reicht es, die Köpfe auszuwechseln, oder sind die Probleme tiefer liegend? Ja und nein.

Berlusconi hat mit seiner Dominanz der italienischen Politik über Jahre hinweg bewiesen, dass eine Person mit den Mitteln ein genügend grosses und korruptes System aufzubauen, durchaus Dinge verändern kann. Nicht zum Guten hin, zwar, aber doch verändern. Abgeordnete wurden mit Posten und Geld beeinflusst, Gesetze auf den Regierungschef massgeschneidert, Bilanzen verfälscht, die Justiz blockiert und das Land - wie es aussieht - in den Ruin getrieben. Und das über mehrere Legislaturperioden hinweg.

Doch schon diese Aufzählung zeigt: Berlusconi mochte zwar die Richtung vorgegeben haben, aber er brauchte Helfer, gewissenlose Politschranzen, die ihm nachhechelten, korrupte Amtsträger und vor allem ein Volk, dass in ihm immer noch das geringste Übel sah und so ihn immer wieder wählte.

Dass sich Berlusconi nach dem Niedergang der Democrazia Cristiana (DC) und deren Paten Giulio Andreotti auf den Trümmern jener Rechtspartei etablieren konnte, zeigt eindrücklich, dass selbst der Kollaps von Machtstrukturen nicht unbedingt etwas besseres nachkommen lässt. Doch woran liegt dies?

Hier streiten sich Philosophen, Politikwissenschaftler und Kulturanthropologen darüber, aber vermutlich ist das Beharrungsvermögen von auch nur halbwegs funktionierenden Strukturen ausschlaggebend, dass, je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr alles gleich bleibt.

So blieben nach dem Abgang der DC viele der Strukturen bestehen, befanden sich aber durch den drohenden Wandel in Gefahr. Berlusconi war für viele der Garant, dass der Lauf der Dinge nicht unterbrochen, oder gar umgekrempelt würde. Es war so eine Fortsetzung der Un-Rechtssicherheit gewährleistet.

Auch für die kleinen Bürger änderte sich so nur wenig. Und mit dem fleissigen Kulissenschieben ihres Premiers wurde auch der Blick auf die dräuende Katastrophe immer wieder verstellt und auch die EU so zum Narren gehalten. Irgendwie wussten das auch alle und das gefiel den Italienern vermutlich sogar. Doch wie schon Abraham Lincoln sagte: «You can't fool everybody, all the time».

Die Schuldenkrise hat die Spielregeln drastisch verändert und mit der anstehenden Kontrolle von aussen realisieren auf einmal auch bisherige Anhänger Berlusconis, dass es nicht reicht, strahlend zu lächeln und «bella figura» zu machen. Denn wer erst mal entmündigt ist, hat nichts mehr zu grinsen und muss - wohl oder übel an die Arbeit gehen und endlich den eigenen Schweinestall aufräumen, wenn er wieder Herr im eigenen Haus sein will.

Ja, was momentan abläuft ist grausam und ist zum Teil auch auf dem Mist der Banken gewachsen. Doch vieles ist eben auch dank jener Strukturen gediehen, die sich in diesen Ländern nach dem zweiten Weltkrieg gebildet haben, Strukturen die mindestens so undemokratisch und undurchsichtig waren, wie es nun der EU vorgeworfen wird.

Die momentane Krise ist eine grosse Gefahr für die Weltwirtschaft. Aber sie ist - wie viele schmerzhaften Ereignisse - auch eine Chance zum Wandel, eine Gelegenheit, die schädlichen Strukturen aufzubrechen und zu ersetzen. Deshalb wird es wichtig sein, dass jene, die sich nun aus der Politik verabschieden, um die Übergangsregierungen die «Drecksarbeit» machen zu lassen, auch nachher nicht mehr in die Regierungen kommen werden. Denn sonst wird uns eine Wiederholung des Dramas erwarten und all das Leiden, all die Mühe, einen Wandel zu erzielen wird nutzlos gewesen sein.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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So sehe ich das weitgend auch!
Und doch hoffe ich noch immer, dass es gut heraus kommt.
Es kann doch nicht sein, dass 10% der reichsten Deutschen über ca. 50 Billionen Euro verfügen, die Staatsschulden der Deutschen jedoch nur 1.8 Billionen Euro betragen , 2000 Griechen über annähernd doppelt so viel Euro ins Ausland geschafft haben, wie ihr Staatsdefizit beträgt. Das muss zur Umverteilung von oben nach unten, oder, wie es die obergescheite Kubra sieht, zur Währungsreform führen, was ja das gleiche bedeutet.
Daher die Hoffnung auf die Politiker. Die Merkel nähert sich ja bereits den Grünen und den Sozialdemokraten an, ein untrügliches Zeichen für Veränderung. Der Berluscconi ist weg. Die Griechen haben einen Banker an der Spitze der regierung. Die Banken flüchten in Sachwerte wie Gold oder Immobilien und vergeben Hypokredite, wie seit langem nicht mehr. Das alles weisst auf Veränderungen hin.
Was mich jedoch am meisten überrascht und auch zu denken gibt ist die Tatsache, dass führende Okonomen der Welt sich plötzlich für Marx interesssieren und die beiden Adrenalingesteuerten hier im Forum meinen, dass ich allein schon deswegen, dass ich das beobachte, eine Linke sei. Nun gut, viel Beobachtungsgabe habe ich denen beiden noch nie zugetraut.
Ich beobachte lediglich und ziehe meine Schlüsse daraus. Mir ist ist es nämlich völlig egal, wer Recht hat, die Haupsache ist doch, dass wir diese Scheisskrise endlich in den Griff bekommen, und das genau haben die Linken zusammen mit den ganz Grossen des Marktes eben eher durchschaut als diese ewigen Meckerer, die so gar nichts mitbekommen und die Sch*** lediglich immer weiter umrühren.
Der Grund dafür ist natürlich einleuchtend, diese Neoscheinliberalen, wir Kubra oder auch der Midas haben sich grundlegend geirrt, der Markt regelt nämlich gar nichts, schon gar nicht sich selbst, er zerstört sich ohne scharfe Regeln.
Eine Weltansicht ändern zu müssen, verlangt eben Kraft. und Einsicht in die Dinge.
Ohne Regeln und Gesetze geht überhaupt nichts, und genau dies haben die führenden Leute der Finanzwelt erkannt und durchschaut. Männer wie Soros, Buffet, Roubini, Schirrmacher und, und, und.., sehen im Staat die Kraft, die die Regeln aufstellt, welche die Wirtschaft zum Funktionieren braucht.
Dass jetzt ein paar Dummkpöpfe die Schuld dem Sozialstaat oder den Faulen in die Schuhe schieben wollen, ist reine Ablenkung vom eigen Versagen oder ein Versuch, andere für dumm zu verkaufen. Die Krise kommt vom ungeregelten Makrt, wie jeder einigermassen informierte Mensch bereits eingesehen hat!.
Zumindest der Soros, ein ungarischer Jude, der vor dem braunen Gesindel nach Amerika flüchtete, sollte doch der guten Kubra zu denken geben. Die findet doch alles Jüdische so ungheuer gut und richtig, also, lesen Sie dessen Interview im Stern von letzter Woche, Sie habens doch so mit den Links und Artikeln von anderen!
Ja, Jason Bond aus Strengelbach, ...
... so weit bin ich mit meinen Überlegungen auch schon gekommen. WIR, ich und meinesgleichen, die können heute noch leben. Eine Familie mit zwei bis vier Kindern, die kommt zusehends mehr in Bedrängnis mit dem was sie haben, besitzen und auch mit dem Geld, das monatlich durch die Arbeit des/der ErnährerIn hereinkommen sollte ...

Ich lese es aus Ihren Zeilen, JasonBond, dass auch Sie glauben, dass es so nicht weitergehen kann, wenn zum Beispiel schon "einfache" VerkäuferInnen im Detailhandel sich beklagen über die überfordernden Arbeitsbedingungen, die sie einfach erdulden müssen, ansonsten müssten sie eine neue/andere Arbeitsstelle suchen, die es nur bis kurz nach der Lehre oder dem Studiengang gibt und dann wird es immer schwieriger einen geeigneten Job zu finden ... Aber auch in anderen Branchen sieht es nicht anders aus - zum Teil sogar noch drängender!

Anders gesagt: Die wohlhabende Bevölkerungsschicht, die wird immer reicher und kann sich immer mehr leisten - auch Freizeit! - und die nicht wohlhabende und arbeitende Bevölkerung wird jahre lang um Lohnerhöhung beschissen, aber dafür mit immer mehr und höheren Leistungen und Abgaben bedrängt!

Das sind - im Absatz oben - nur Kurzformulierungen, die wohl die Mehrheit der Lohnabhängigen Bevölkerung bestätigen kann.

Irgendwann haben wir es leid, dass wir von wenigen Leuten .... weiterhin am Gängelband ge-baumelt zu werden.

Dann wird es auch in der Schweiz sehr viel unruhiger werden, als bisher, denke ich!
Leider keine Chance auf Wandel
Die momentane Krise ist eine grosse Gefahr für die Weltwirtschaft? Sicher.
Aber die findigen Banken und deren Schergen die fast alle wichtigen Regierungen gekapert haben, werden wieder einen Weg finden nach dieser Krise so weiter zu machen wie zuvor.

Die viel grössere Gefahr in dieser Krise besteht darin, dass die Demokratie abgeschafft wird und zwar stetig und mit Bestimmtheit.

In ein paar Jahren wird die totale Wirtschaftsdiktatur (so nenne ich das einfach mal bis ein offizieller Begriff etabliert ist) Fakt sein, unumkehrbar gemacht von Merkozy und anderen Übeltätern, für die das bestimmende Volk nur noch eine Belastung darstellt.

In 2020 werden wir vielleicht alle bescheidener leben müssen, ausser den Oberen Reichen natürlich, die immer noch immer reicher werden.
Gleichzeitig wird uns eine Scheindemokratie vorgegaukelt werden, die es uns ermöglicht nicht vollends zu verzweifeln.

Man kann es drehen und wenden wie man will. Der Aufstand von "Arm" zu Reich wird kommen. Ich werde wohl noch erleben, wie Regierungsgebäude oder Hochfinanztempel vom wütenden Mob gestürmt werden und die Polizei oder Militär Schussbefehl erhält.
Und ja, ich spreche von Europäischen Länder, den sogenannten westlichen zivilisierten Demokratien.
.
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