Detailkritik an Energiestrategie
Energiestrategie 2050 gefällt im Detail nicht
publiziert: Freitag, 28. Sep 2012 / 20:31 Uhr

Bern - Für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 erntet der Bundesrat generell wenig Applaus - für die Details erntet er viele Buhrufe. Vertreter der Wirtschaft befürchten negative Auswirkungen für Unternehmen. Umweltschützern und linken Parteien gehen die Massennahmen zu wenig weit.

Für eine intelligente, umwelt- und menschengerechte Energiepolitik
7 Meldungen im Zusammenhang
Greenpeace, SP, Grüne, die Schweizerische Energie-Stiftung (SES), die Allianz «Nein zu neuen AKW» und andere fordern konkrete Abschaltdaten für die bestehenden Atomkraftwerke. Befristete Laufzeiten würden klare Verhältnisse und Planungssicherheit für Investoren in Anlagen für erneuerbare Energien schaffen. «Der Atomausstieg muss terminiert und gesetzlich verbindlich festgehalten werden.»

Für den WWF kommen die Meilensteine der Landesregierung zu spät. «Der Bundesrat zaudert. Für eine richtige Energiewende muss er sein Tempo verdoppeln», sagte WWF-Geschäftsführer Thomas Vellacott. Deutlich werde das Zaudern beim Solarstrom. Die Landesregierung unterschätze die Zubau-Potenziale.

Frage der Versorgungssicherheit

Vom Gegenteil sind die Unternehmen der Science Industries überzeugt: Der Bundesrat überschätze das zusätzliche Potenzial für Strom aus erneuerbaren Energien und das Sparpotenzial, teilten sie mit. Sie befürchten mittelfristig Versorgungsunsicherheiten und wegen höherer Strompreise einen Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Ausland.

Zusätzlich lasse der Bundesrat die Frage unbeantwortet, wie nach dem Wegfall der kompletten Stromproduktion aus Atomenergie eine ausreichende Energieversorgung gewährleistet werden solle, teilte der Wirtschaftsdachverband economiesuisse mit.

Für den Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) seien die Ziele des Bundesrats ambitiös, aber «realistisch, wenn alle mitmachen», erklärte Mediensprecherin Dorothea Tiefenauer. Entscheidend dafür seien beschleunigte Bewilligungsverfahren für neue Anlagen. Den Plänen, Stromversorgern Sparvorgaben zu machen, begegnet der VSE skeptisch, denn der Nutzen sei fraglich. Effizienzsteigerungen sollten den Unternehmen überlassen werden.

«Blankoscheck»

Kritik wird auch seitens der Landschaftsschützer laut. Indem der Bund die Interessen der erneuerbaren Energien gleich oder höher gewichte als die Interessen der Natur und des Landschaftsschutzes, nehme der Bund eine vorgezogene Interessenabwägung vor. «Das ist ein Blankoscheck», sagte der Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz, Raimund Rodewald.

Unter den Parteien kommt vor allem von rechts der Mitte Kritik. Die SVP kritisiert, die Pläne des Bundesrats seien illusorisch und basierten auf unrealistischen Zahlen. Mit den geplanten Massnahmen könne nur rund die Hälfte der Energieziele erreicht werden. Die SVP lehnt die gesamte Energiestrategie 2050 ab und fordert, dass sich der Bundesrat an «klaren und realisierbaren Konzepten» orientiere.

Auch die FDP ist überzeugt, dass der Bundesrat seine gesteckten Ziele «nie erreichen wird». Der Vorschlag der Regierung tauge nicht zum Umbau der Energieversorgung der Schweiz. Die FDP fordert liberale Rezepte, eine eigenständige Stromversorgung und eine sichere Stromnetz-Infrastruktur.

Auch für die Grünliberalen sind die konkreten Massnahmen einer begrüssenswerten Strategie «noch zu stark auf staatliche Förderung und zu wenig auf Lenkung ausgerichtet». Sie fordern eine rasche und umfassende ökologische Steuerreform.

Kein fixes Datum

Die Vertagung der Steuerreform stösst rechts wie links auf Opposition. Das Projekt müsse ohne Verzug realisiert werden, fordern die Grünen. Die geplanten Massnahmen reichten nicht, um aus der Atomenergie auszusteigen. Wegen der zu langsamen Energiewende laufe die Schweiz Gefahr, Gaskraftwerke bauen zu müssen oder «dreckigen» Strom zu importieren.

(knob/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Umweltorganisationen schauen dem Bundesrat bei der Umsetzung der Energiewende auf die Finger. Mit einem neu ... mehr lesen
Greenpeace und andere Umweltorganisationen werden zum «moralischen Zeigefinger» bei der Energiewende.
Viele «grüne» Ziele seien in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagte Regula Rytz (r.) in ihrer Präsidiumsrede.
Grenchen SO - Die Delegiertenversammlung der Grünen Partei in Grenchen SO stand im Zeichen einer nachhaltigen Raumplanung. Die ... mehr lesen 1
Zürich - Die beiden Industrieverbände Swissmem und Scienceindustries lehnen die «Energiestrategie 2050» des Bundes ... mehr lesen 1
Die Verbände bezweifeln eine lückenlose Strom-Versorgungssicherheit nach der Abschaltung. (Symbolbild)
Aarau - In der Schweiz müssen die Stromnetze, die erneuerbaren Energien und ... mehr lesen
Die Leitungen müssen mit dem Verteilernetz abgestimmt werden.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Die Energiepolitik des Bundes muss gemäss Bundesrätin Leuthard etappenweise realisiert werden.
Regensdorf ZH - Bundesrätin Doris Leuthard hat am Samstag an einer Veranstaltung in Regensdorf die Kritik an ihrem ... mehr lesen
Bern - Die Umweltorganisation WWF will den Bau des Gaskraftwerks in Cornaux NE verhindern. Das Projekt des Westschweizer Energiekonzerns Groupe E widerspreche den Klimazielen der Schweiz. Zudem sei nicht klar, wie der CO2-Ausstoss kompensiert werde. mehr lesen 
Professionelle Beratungsdienstleistungen in den Bereichen Windkraft, Photovoltaik und Biogas.
Für eine intelligente, umwelt- und menschengerechte Energiepolitik
Die Folgen der Frankenstärke sollen eingedämmt werden.
Die Folgen der Frankenstärke sollen ...
CVP, FDP und SVP einigen sich  Bern - Die drei Parteien CVP, FDP und SVP haben sich auf einen Massnahmenkatalog zur Stärkung des Standorts Schweiz geeinigt. Damit sollen die Folgen des starken Frankens eingedämmt und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert werden. 2
Die KOF sieht einen Lichtblick in der Schweizer Industrie.
KOF sieht Lichtblick für Schweiz Zürich - Angesichts der jüngsten leichten Franken-Abschwächung sieht die KOF nicht mehr ganz so schwarz für die Schweizer Wirtschaft wie ...
Alpiq-Chefin fordert Beitrag zur Unterstützung der Wasserkraft  Bern - Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin fordert einen «Wasser-Rappen» für die Unterstützung der Wasserkraft in der Schweiz. Eine ...
Die Förderung der Wasserkraft über den Wasserrappen könnte Teil sein der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) oder der vom Bundesrat vorgeschlagenen Lenkungsabgabe.
Türkischer Geschäftsmann erhebt Millionenklage gegen die Schweiz Sydney - Eine drohende Millionenklage gegen die Schweiz, ein neuer ...
«NZZ am Sonntag»: Nun ist offenbar klar, wer die Schweiz in einem bisher geheim gehaltenen Verfahren auf eine hohe Millionensumme verklagen will.
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1277
    Tut mir leid Schäfchen! Sie haben ja Recht, ich habe mich zu sehr auf Ihr Niveau herabgelassen. ... gestern 19:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1277
    So, so Schäfchen Sie würden sich erschiessen, wenn sie einem Aprilscherz aufgessen ... gestern 17:52
  • keinschaf aus Wladiwostok 2683
    Noch ein... ...Aprilscherz? Die BDP ist sowieso bald Geschichte. gestern 10:58
  • keinschaf aus Wladiwostok 2683
    Pubertäres Gebrabbel Wie alt sind Sie eigentlich? gestern 10:49
  • keinschaf aus Wladiwostok 2683
    Wie man sieht... ...macht die Verdummung des Volkes vor allem in Frauenfeld ... gestern 10:43
  • Kassandra aus Frauenfeld 1277
    Wie man sieht, macht die Verdummung des Volkes rasche Fortschritte, es braucht gar ... gestern 10:35
  • Kassandra aus Frauenfeld 1277
    Ich bin der festen Überzeugung dass das Schäfchen eine kleine Nachhilfestunde nötig hat, darum hier ... gestern 10:30
  • LinusLuchs aus Basel 75
    Und in Neuenburg wird die Helmpflicht für Mopedfahrer aufgehoben. Gilbert Gress hat ... gestern 09:33
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
DO FR SA SO MO DI
Zürich -0°C 2°C bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
Basel 0°C 3°C bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
St.Gallen 1°C 5°C bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Bern 4°C 7°C bedeckt, Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Luzern 4°C 7°C bedeckt, Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Genf 3°C 9°C bewölkt, Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Lugano 8°C 17°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten