Entführte Madeleine: Eltern versuchen alles
publiziert: Mittwoch, 30. Mai 2007 / 09:24 Uhr

London - Vom Prinzen bis zum Papst: Auf der Suche nach ihrer verschwundenen Tochter haben Madeleines Eltern buchstäblich Gott und die Welt eingeschaltet. Prinz Charles, Camilla, Tony Blair und sein Nachfolger Gordon Brown sowie David Beckham halfen bereits bei der Fahndung.

Die Präsenz der Bilder sollte nun langsam reduziert werden.
Die Präsenz der Bilder sollte nun langsam reduziert werden.
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Mit dem Treffen der Eltern des Kindes, Gerry und Kate McCann, mit Papst Benedikt XVI. erreicht der Fall seinen bisherigen Höhepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung. Danach wollen sie zu einer Europareise aufbrechen. Mit den Medien als Verbündeten wollen sie ihre kleine Tochter wiederfinden.

Medienpräsenz als Risiko

Jahr für Jahr verschwinden tausende Kinder. Doch selten nimmt die ganze Welt teil an diesen Dramen. Die extreme Medienpräsenz ist nach Einschätzung von Kriminologen jedoch auch ein Risiko für die vierjährige Madeleine, falls sie noch am Leben ist.

Die Welt kann zuschauen, welchen Albtraum Madeleines Eltern durchleiden, seit ihre Tochter am 3. Mai aus einer Ferienanlage in Praia da Luz in Portugal entführt wurde, während die McCanns beim Abendessen waren.

Ein attraktives Ärzteehepaar, das sich gut artikulieren kann und Bilder eines kleinen Mädchens, das mit seinen runden Augen Herzen zerreisst - das ist die perfekte Mischung für die Medien. «Selten hat ein Fall für so viel Aufsehen gesorgt», sagt Paul Tuohy vom Wohltätigkeitsverein National Missing Persons Helpline.

Stellungnahmen vor der Kamera

Die 38 Jahre alten Eltern rücken auch deshalb so stark in den Vordergrund, weil die portugiesische Polizei fast keine Details zu dem Fall bekanntgibt. Bis auf die Beschreibung eines Verdächtigen gab es bisher noch keine nennenswerten Berichte.

Dafür liest Gerry McCann regelmässig Stellungnahmen vor laufenden Kameras vor. Seine Frau steht abgemagert und mit eingefallenem Gesicht neben ihm und klammert sich an ein Plüschtier von Madeleine.

Die Familie der McCanns in England trug mit Ketten-E-Mails, Gottesdiensten, Besuchen im britischen Unterhaus und Interviews zu dem Massengefühl bei. «Die Familie weiss, wie wichtig es ist, die Medien zu nutzen, um Madeleine wiederzufinden», sagt David Hodson von der International Family Law Group, die die McCanns berät.

Die massive Aufmerksamkeit ist jedoch auch ein Risiko. «Man ist das bewusst eingegangen. Doch durch die extreme Öffentlichkeit könnten die Entführer unter Druck geraten, das ist jedem klar», sagt Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen in Deutschland.

Aufmerksamkeit sollte sich legen

Das könne negative Konsequenzen für das Kind haben. Andererseits bestehe so die Chance, dass sich Zeugen melden, die sich sonst nicht an das Gesicht des Kindes erinnert hätten, sagt Pfeiffer.

Pfeiffer ist davon überzeugt, dass die Präsenz der Bilder langsam reduziert werden muss: «Die dauernden Fotos sind nicht hilfreich. Es ist wichtig, dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit jetzt legt.» Denn nur dann würden die Entführer - falls Madeleine noch lebt - das Risiko eingehen, sich mit ihr zu zeigen.

(Von Annette Reuther, dpa/sda)

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