Entsetzen in Belgien über rassistische Morde
publiziert: Samstag, 13. Mai 2006 / 08:55 Uhr

Brüssel - Mit Entsetzen haben Bürger und Politiker in Belgien auf die tödlichen Schüsse eines rassistischen Gewalttäters in Antwerpen reagiert. «Ich bin zutiefst schockiert», sagte Premierminister Guy Verhofstadt.

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Mehrere hundert Personen nahmen am Freitagmittag an einem Schweigemarsch teil, um damit ein Zeichen gegen die blinde Gewalt zu setzen. Am Donnerstag waren ein Au-pair afrikanischer Abstammung und ein zweijähriges Mädchen getötet sowie eine 46-jährige Türkin schwer verletzt worden.

«Die Regierung verurteilt die rassistischen Morde in Antwerpen scharf», betonte Verhofstadt und rief zur Besonnenheit auf. Die Bluttat zeige, «welch schleichendes Gift Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft geworden sind», sagte der Vorsitzende der flämischen Liberalen, Bart Somers.

Das Königshaus wollte nach eigenen Angaben ein Beileidsschreiben an die Angehörigen der beiden Opfer schicken. Zudem wurden rasch Forderungen laut, die Gesetze über den Verkauf von Schusswaffen zu überprüfen.

Gezielt gegen Ausländerinnen

Ein 18-Jähriger in Springerstiefeln und schwarzem Mantel hatte sich ein Jagdgewehr mit 20 Kugeln gekauft und kurz danach kaltblütig auf drei Menschen geschossen. Aufforderungen der Polizei, die Waffe niederzulegen, kam er nicht nach. Ein Polizist streckte den Täter dann mit einem Bauchschuss nieder, allerdings ist er nicht mehr in Lebensgefahr.

Gemäss Medienberichten gab der Todesschütze zu, er habe gezielt Menschen fremder Herkunft töten wollen. Der junge Mann stammt aus einer Familie mit rechtsradikalem Hintergrund und Mitgliedern des nationalistischen Vlaams Belang.

«Dass der Täter VB-Aufkleber in der Tasche gehabt haben soll, darf nicht dazu führen, dass unsere Partei stigmatisiert wird», sagte der VB-Vorsitzende Frank Vanhecke nach Angaben der Zeitung «De Morgen».

Nationalistische Hochburg

In Antwerpen, der zweitgrössten Stadt Belgiens, leben zahlreiche Einwanderer aus der Türkei, Afrika und Asien. Die Stadt gilt gleichzeitig als Hochburg des Vlaams Belang.

Die belgische Presse äusserte sich derweil besorgt über den zunehmenden Rassismus. Am Mittwoch war in Antwerpen die Leiche eines jungen Marokkaners gefunden worden, der nach einem Streit in einer Diskothek verschwunden war. In Brügge wurde am vergangenen Wochenende ein dunkelhäutiger Franzose von Skinheads überfallen und schwer verletzt.

(bert/sda)

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