Enttäuschung und Hoffnung auf die zweite Chance
publiziert: Montag, 6. Aug 2012 / 23:43 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 7. Aug 2012 / 00:06 Uhr
Enttäuscht: Werner Muff.
Enttäuscht: Werner Muff.

Statt einer Medaille blieb nur «Leder». Die Schweizer Springreiter richteten den Blick nach der verständlichen Enttäuschung über Platz 4 aber rasch wieder nach vorne.

2 Meldungen im Zusammenhang
Die Enttäuschung hätte man Werner Muff nicht deutlicher ansehen können. Er passierte mit leerem Blick und fast fertig gerauchter Zigarette die «Mixed Zone» zum zweiten Mal auf dem Weg zum Fernsehinterview. Der Profireiter aus Seuzach, der schon am Sonntag im ersten Umgang einen Abwurf zu beklagen hatte, konnte sich nicht steigern. Im Gegenteil: Drei Abwürfe im zweiten Teil des Parcours sorgten dafür, dass er auch seinen Platz im Team für den Einzelfinal vom Mittwoch verliert. Die Quotenregel, wonach nur drei Reiter pro Nation mitmachen dürfen, wurde ihm zum Verhängnis.

Muff hatte keine wirkliche Erklärung für sein Scheitern: «Ich hatte gut begonnen und mich auch auf dem Abreitplatz gut gefühlt. Der Anfang war auch gut, dann kamen aber die drei Abwürfe. Es ist brutal. Ich habe dreimal die Stange berührt und sie ist dreimal runter gefallen.»

Estermann doch verwundbar

Ebenfalls nicht optimal verlief der Wettkampf für die Schweizer «Lebensversicherung der letzten Wochen». Paul Estermann, der zuletzt in Rom, Rotterdam, Aachen und im ersten Umgang am Sonntag sieben Nullfehlerritte in Nationenpreisen aneinander gereiht hatte, leistete sich zwei Fehler. Das Ende seiner «Unverwundbarkeit» traf ihn nicht überraschend: «Ich wusste, dass irgendwann wieder eine Stange runterfallen würde. Schade, dass dies heute an einem solch wichtigen Wettkampf passiert ist.»

Allzu viel falsch gemacht hatten der Stilist aus Hildisrieden und seine 10-jährige Irländer-Stute Castlefield Eclipse nicht. Der Reiter war aber selbstkritisch: «Milly (Kosename für das Pferd, Red.) ist wieder sehr gut gesprungen. Wir sind ideal in die Dreierkombination reingekommen. Ich wollte Milly unterstützen und bin etwas zu fest mit dem Oberkörper vorgerückt. Beim zweiten Abwurf war es klar mein Fehler, da war die Distanz zu gross.»

Im Gegensatz zu Muff werden Estermann, Steve Guerdat und Pius Schwizer am Mittwoch im Einzelfinal um Edelmetall kämpfen. Der Jurassier verpasste es, seine Kollegen mit einem Blankoritt perfekt zu lancieren, als Nino des Buissonnets die drittletzte Stange durch eine hauchdünne Berührung abwarf. Guerdat war frustriert: «Ich weiss nicht, was an diesem Oxer passiert ist. Ich habe mich auf Nino noch nie so gut gefühlt wie in diesen zwei Tagen. Jetzt habe ich zweimal je eine Stange leicht berührt und zweimal fiel sie runter.»

Schwizer und Pferd gut in Form

Falls er noch den letzten Rest in den Griff bekommt, kann mit ihm morgen im Greenwich Park sicher wieder gerechnet werden. Die grössten Schweizer Hoffnungen dürften aber aufgrund der letzten Tage auf Pius Schwizer ruhen, der mit Carlina gestern den zweiten aufeinanderfolgenden Nuller realisierte. Die Weltnummer 3 aus Oensingen war dennoch enttäuscht: «Dritter zu werden, wäre schöner gewesen, Zweiter noch schöner und Erster noch viel schöner. Es gibt bei Olympischen Spielen keinen undankbareren Platz als den vierten.»

Nachdem Schwizer am Samstag nur hauchdünn am Ausscheiden aus der Einzelkonkurrenz vorbeigeschrammt war, hat er sich massiv gesteigert. Er glaubt nicht, dass dies damit zu tun hat, dass er bei Carlina nach dem Starttag das «Gebiss» wechselte. «Sie war am Samstag einfach übermotiviert. Das Mundstück wechsle ich bei ihr seit Jahren regelmässig und zwar immer dann, wenn es länger im Mund ist und sie sich daran gewöhnt.»

Jetzt, mit justiertem Gebiss und in Topform, könnte Carlina ihren Reiter am Mittwoch quasi beschenken. Schwizer feiert am Montag nach Ende der Spiele seinen 50. Geburtstag und ein schöneres Geschenk als Edelmetall gäbe es wohl kaum. Die Ausgangslage stimmt jedenfalls: «Ich habe ein sehr sicheres Gefühl. Wir sind gut in Form und zählen auf jeden Fall zu den Favoriten. Es liegt nun an mir, mich selber zu beschenken.»

Ein allfälliges externes Geschenk möchte Schwizer nicht zum zweiten Mal. Er hatte ja wie Guerdat nachträglich Bronze für die Olympischen Spiele 2008 erhalten, nachdem Norwegen disqualifiziert worden war. Völlig aus der Luft gegriffen sind Gedanken an eine Duplizität der Ereignisse nicht, nachdem Abdullah Sharbatly, Schlussreiter der Bronze-Nation, erst in diesem Jahr eine Dopingsperre absass. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte seine Olympia-Teilnahme erst im Mai ermöglicht, als er die Sperre von acht auf zwei Monate reduziert wurde. Schwizer verneint aber, dass solche Gedanken auch nur in seinem Hinterkopf herumschwirren könnten: «Die drei Teams haben ihre Medaillen verdient. Ich hoffe, dass es nicht wieder einen Dopingfall und einen Krieg der Anwälte gibt.»

(fest/Si)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Olympische Sommerspiele Steve Guerdat gewinnt dank zwei Nullfehlerritten im Olympia-Final der Springreiter im Londoner Greenwich Park die Gold-Medaille. mehr lesen
Der 30-jährige Westschweizer mit Wohnsitz in Herrliberg ZH zeigte mit Franzosen-Wallach Nino des Buissonnets zwei souveräne Ritte ohne Makel.
Pius Schwizer auf Carlina IV.
Olympische Sommerspiele Der Medaillentraum der Schweizer Springreit-Equipe ist knapp geplatzt. Steve Guerdat, Paul Estermann, Werner Muff und Pius ... mehr lesen
Bei einer Zustimmung im Juli würden die Änderung schon für die Spiele 2016 in Rio gelten. (Symbolbild)
Bei einer Zustimmung im Juli würden die ...
Sportler sollen für Produkte ihrer Sponsoren werben dürfen  Die strenge Werbereglementierung für Olympia-Athleten während der Spiele soll gelockert werden. Das IOC- Exekutivkomitee schlug bei seiner Sitzung in Rio vor, dass die Sportler künftig für Produkte ihrer Sponsoren werben dürfen, allerdings ohne direkt Bezug auf die Olympischen Spiele zu nehmen. 
Olympischen Sommerspiele 2024  Eine mögliche Bewerbung von Paris für die Olympischen Sommerspiele 2024 erfährt starken Rückhalt aus der Bevölkerung.  
Paris war bei der letzten Bewerbung für die Olympischen Spiele 2012 knapp der Londoner Kandidatur unterlegen.
Olympia 2024: USA gehen mit Boston ins Rennen Die USA wollen mit der Stadt Boston Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2024 werden. Zuletzt hatten die ...
Olympia 2024 in Boston?
Titel Forum Teaser
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
FR SA SO MO DI MI
Zürich -3°C 3°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, Schneefall bedeckt, Schneefall bedeckt, Schneefall bedeckt, Schneefall bedeckt, Schneefall
Basel -5°C 5°C leicht bewölkt bedeckt, Schneefall bedeckt, Schneefall bedeckt, Schneefall bedeckt, Schneefall bedeckt, Schneefall
St.Gallen -2°C 6°C sonnig und wolkenlos bedeckt, wenig Schneefall bedeckt, wenig Schneefall bedeckt, wenig Schneefall bedeckt, wenig Schneefall bedeckt, wenig Schneefall
Bern -4°C 8°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
Luzern -3°C 8°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
Genf -2°C 8°C leicht bewölkt bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
Lugano 2°C 11°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten