«Er hat mir mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen»
publiziert: Donnerstag, 1. Apr 2010 / 11:49 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 1. Apr 2010 / 14:50 Uhr
Auch Nonnen misshandelten Heimkinder systematisch. (Symbolbild)
Auch Nonnen misshandelten Heimkinder systematisch. (Symbolbild)

Der Augsburger Bischof Walter Mixa soll Heimkinder körperlich gezüchtigt haben. Immer mehr Opfer melden sich und bestätigen, die von der «Süddeutschen Zeitung» erhobenen Vorwürfe. Aber auch Schwestern sollen Pädagogik mit dem Holzpantoffel betrieben haben.

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So bestätigt Jutta Stadler aus Pfaffenhofen, die in der «Süddeutschen Zeitung» vom Mittwoch veröffentlichten Beschuldigungen und schreibt in einer eidesstattlichen Versicherung: «Er hat mir mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen.» Der SZ liegen damit sechs eidesstattliche Erklärungen vor, in denen berichtet wird, dass Walter Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer (1975 bis 1996) Heimkinder in Schrobenhausen geschlagen habe.

Stadler war von 1968 bis 1977 im Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef in Schrobenhausen. Die 47-Jährige will mit vollem Namen genannt zu werden, «damit ich dieses Thema endlich abschliessen kann», schreibt die SZ.

Autoputzen für den Pfarrer

Sie berichtet davon, dass Mixa als damaliger Stadtpfarrer «öfters sein Auto» zum Kinderheim gebracht habe. «Dieses musste dann von jeweils vier Kindern stundenlang geputzt werden», schreibt sie. Ehemalige Kinder berichten von Ohrfeigen, Fausthieben und Schlägen auf das Gesäss mit Stock oder Teppichklopfer. Alle Vorfälle sollen sich in den siebziger und achtziger Jahren abgespielt haben, damit wären sie heute verjährt.

Auch brutale Übergriffe zweier Klosterschwestern, die damals als Erzieherinnen tätig waren, werden von Stadler bestätigt. «Ich hatte am ganzen Körper blaue Flecken», sagt sie. Als sie einmal ihr Essen nicht aufessen wollte, habe ihr eine Schwester die heisse Suppe «über den Kopf gegossen».

Laut einer weiteren Frau, die in dem Kinderheim als Erzieherin tätig war, ihren Namen aber nicht veröffentlichen will, soll noch im Jahre 2005 ein Kind von einer Schwester geschlagen worden sein. Sollte dies zutreffen, wäre das der erste Fall von körperlicher Gewalt in dem Heim, der noch nicht verjährt ist.

Erzieherinnen noch im Dienst

Die Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde ging am Mittwoch den Vorwürfen in Schrobenhausen nach. Der aktuelle Heimleiter Herbert Reim bestätigte gegenüber der SZ, dass die zwei von den ehemaligen Heimkindern schwer belasteten Schwestern bis heute im Kinderheim als Erzieherinnen tätig seien. Sie sollen die Kinder mit Holzpantoffeln, Holzbesen und Kleiderbügeln geschlagen haben. «Wir gehen diesen Vorwürfen nach», sagte Heimleiter Reim, er kündigt für diesen Donnerstag eine Presseerklärung an.

Der Orden der Mallersdorfer Schwestern war bis 1990 für die pädagogische Leitung des Kinderheimes zuständig, danach ging die Verantwortung in weltliche Hände über. «Sollte ein Kind geschlagen worden sein, tut uns das sehr leid», sagt Schwester Godehard, die Generalrätin des Ordens in Mallersdorf. «Schlagen gehört nicht zu unserem pädagogischen Konzept, wir wollen die Berichte offen aufarbeiten», beteuert sie. Sie betont, dass die zwei beschuldigten Schwestern eine pädagogische Ausbildung hätten - und dass sowohl der Heimleiter als auch Kinder darum gebeten hätten, dass die Schwestern ihre Tätigkeit im Heim fortsetzen dürften.

Bistum weist Vorwürfe zurück

Das Bistum Augsburg weist indes die Anschuldigungen weiterhin von sich, bezeichnet sie als «Versuch der Diffamierung» und behält sich rechtliche Schritte vor. Es unterstellt den Opfern eine falsche eidesstattliche Erklärung, mit dem Hinweis, dass diese mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden kann. «Kein Problem», sagt Hildegard Sedlmair, 48, die nach eigenen Angaben mehrmals von Mixa geschlagen wurde, «ich sage Herrn Mixa vor Gericht gerne ins Gesicht, was er mir angetan hat», so die SZ abschliessend.

(tri/news.ch)

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Man ermutige alle, die Übergriffe erlitten hätten, sich bei den Opferberatungsstellen oder den diözesanen Ansprechstellen zu melden und Anzeige zu erstatten.
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