Erfundene Sachbücher bringen die Buchverlage in Schwierigkeiten
publiziert: Mittwoch, 9. Jul 2003 / 10:08 Uhr

Hamburg - Mit dem umstrittenen Titel Todeszone ist innerhalb weniger Wochen nach Mitten in Afrika schon das zweite Buch in die Geschäfte gekommen, an dessen Wahrheitsgehalt gezweifelt wird. Eine schwierige Situation für die Buchverlage.

Ulla Ackermann hatte nie als Reporterin in Afrika gearbeitet.
Ulla Ackermann hatte nie als Reporterin in Afrika gearbeitet.
Der Autor beschreibt in Todeszone angebliche Sabotageakte eines Elitekommandos Ost in der DDR im Auftrag des Bundesnachrichtendienstes. BND, Historiker und Zeitzeugen sind sich einig: Vieles davon ist frei erfunden.

Erst Ende Juni musste der Verlag Hoffmann und Campe das Buch Mitten in Afrika vom Markt nehmen: Die Biografie der Autorin über ihr Leben als Reporterin in Afrika war ebenfalls grösstenteils erfunden.

Immer öfter gerieten Verlage in eine Zwickmühle, erklärt die Geschäftsführerin des Verlegerausschusses im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Edith Karos.

Wer Erfolg mit einem Buch haben wolle, müsse es frühzeitig ankündigen. Kommen dann Zweifel an der Authentizität, ist es nicht so einfach, das Buch-Projekt auf blossen Verdacht hin zu stoppen, denn es wurde ja bereits investiert, erklärt Karos.

Gutachter werden in der Branche nicht bei jedem Sachbuch zu Rate gezogen, meist verlassen sich die Verlage auf die Kompetenz ihrer Lektoren und auf die Seriosität ihrer Autoren.

Wenn aber eine These besonderes Aufsehen erregen könnte, wird diese scharf überprüft, sagt Martin Spieles, Sprecher des Verlages S. Fischer.

Todeszone wurde von einem angeblichen ehemaligen Bundeswehroffizier mit dem Pseudonym Thomas Sanders geschrieben. Über die wahre Identität des Autors wird spekuliert.

Die Autorin von Mitten in Afrika, Ulla Ackermann, zeigte sich dagegen offener: Wochenlang tingelte sie durch Talkshows.

Die Autorin habe ihre Legende perfekt gestrickt, sagt Rainer Moritz, Verlagsleiter von Ackermanns Verlag Hoffmann und Campe. Bei Anfragen nach Beweisen habe sie immer plausible Gründe genannt, warum sie diese nicht liefern könne.

(bsk/sda)

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