Tatort «Darknet»
Ermittlern gelingt Schlag gegen Internet-Kriminelle
publiziert: Montag, 29. Feb 2016 / 12:31 Uhr / aktualisiert: Montag, 29. Feb 2016 / 17:38 Uhr
bei einer Razzia konnten sechs Personen festgenommen werden.
bei einer Razzia konnten sechs Personen festgenommen werden.

Wiesbaden/Bern - Deutsche Sicherheitsbehörden haben zusammen mit Ermittlern in sechs weiteren europäischen Ländern - darunter der Schweiz - ein Netzwerk krimineller Internet-Handelsplattformen zerschlagen. Bei einer grossen Razzia wurden neun Personen festgenommen.

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Die Aktion habe sich gegen mutmassliche Betreiber und Nutzer so genannter Darknet-Foren gerichtet, über die unter anderem Waffen, Drogen, gefälschte Ausweise, Kreditkarten- und Bankdaten und illegale Dienstleistungen wie das Hacken von Computern angeboten worden seien, erklärten die federführenden Ermittler der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft und des Bundeskriminalamts (BKA) am Montag.

Am vergangenen Dienstag und Mittwoch wurden in einer grossangelegten Aktion insgesamt 69 Wohnungen und Firmenräume in Deutschland und anderen Staaten durchsucht und neun dringend Tatverdächtige festgenommen. Die Ermittlungen wurden in der Schweiz, in Bosnien-Herzegowina, Frankreich, den Niederlanden, in Litauen und Russland geführt.

Keine Festnahmen in der Schweiz

Acht der neun Festnahmen gab es in Deutschland. Mutmasslicher Hauptbetreiber von insgesamt drei Foren ist jedoch ein 27-jähriger bosnischer Staatsangehöriger, der in Bosnien-Herzegowina festgenommen wurde. Er soll für die Server- und Domainverwaltung sowie Anonymisierung von drei Foren verantwortlich gewesen sein.

Die Fahnder stellten zahlreiche Drogen, Computer, Speichermedien, Waffen und Bargeld sicher. Die Beamten beschlagnahmten zudem Computer-Server in Frankreich, Litauen, Russland und den Niederlanden. Über diese Geräte wurden die kriminellen Internet-Marktplätze betrieben.

In der Schweiz kam es zu keinen Festnahmen, wie der Frankfurter Oberstaatsanwalt Alexander Badle am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda bestätigte. Die Eidgenossenschaft habe in den Ermittlungen eine koordinierende Rolle gespielt, sagte Sabine Zeilinger, Sprecherin des Bundesamtes für Polizei (fedpol), der sda.

Anonymer Marktplatz

Über sogenannte Darknets ("Dunkle Netze") können Internetnutzer auf verschlüsselte Weise sowie anonym miteinander in Kontakt treten. Dreh- und Angelpunkt sind Betreiber von geschlossenen Foren, die den Austausch zwischen interessierten Nutzern zielgerichtet organisieren.

Die Netze dienen häufig auch als Treuhänder für Geschäfte zwischen diesen. Sie überweisen den Kaufpreis erst, wenn der Käufer den Erhalt der Ware meldet. Bezahlt wird meist mit der digitalen Währung Bitcoins.

Genutzt werden die Darknets vor allem von Kriminellen. Diese setzen dabei Werkzeuge zur Verschleierung ihrer Datenspuren an, die auch von Menschen verwendet werden, die viel Wert auf ihre Privatsphäre legen oder in einem repressiven politischen System leben.

Die Abwicklung krimineller Schwarzmarkt-Geschäfte über Darknet-Handelsplätze ist ein von Sicherheitsbehörden seit längerem verfolgter Trend. Das Phänomen machte erstmals Schlagzeilen, als 2013 in den USA der Betreiber des virtuellen Umschlagplatzes "Silk Road" verhaftet wurde.

Das Leipziger Landgericht verurteilte 2015 einen 20-Jährigen zu sieben Jahren Haft, weil er 914 Kilogramm Drogen im Internet verkauft hatte. Dazu nutzte er auch Darknet-Foren.

(fest/sda)

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