Erneut anonyme Vorwürfe an Berner Kantonspolizei
publiziert: Freitag, 16. Sep 2005 / 18:40 Uhr / aktualisiert: Freitag, 16. Sep 2005 / 19:26 Uhr

Bern - Zum zweiten Mal seit 2003 sieht sich die Berner Kantonspolizei mit anonymen Vorwürfen über interne Missstände konfrontiert. Sie weist die Vorwürfe zurück.

Polizeidirektorin Dora Andres geht von einem Racheakt eines entlassenen Mitarbeiters aus.
Polizeidirektorin Dora Andres geht von einem Racheakt eines entlassenen Mitarbeiters aus.
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Am Montag hatte das Berner Verwaltungsgericht die Entlassung eines 41-jährigen Kantonspolizisten für rechtens erklärt. Er hatte im März 2004 einen unbescholtenen polnischen Landwirtschafts-Praktikanten mit einem vorbestraften Asylbewerber verwechselt und den Mann grundlos heftig ins Gesicht geschlagen.

Racheakt?

Kurz nach dem Urteil wurde das Polizeikommando von der «SonntagsZeitung» mit sieben Vorkomnissen im Korps zwischen 2001 und 2005 konfrontiert. Um nach 2003 einem weiterem Imageschaden vorzubeugen, orientierte Kommandant Kurt Niederhauser noch vor Erscheinen des Artikels die Öffentlichkeit.

Er liess keine Zweifel offen, dass er den Zeitpunkt der Vorwürfe nicht für Zufall hält. Über den Termin hinaus gebe es Hinweise, die auf Insiderkenntnisse und eine Amtsgeheimnisverletzung hindeuteten. Polizeidirektorin Dora Andres sagte auf Anfrage, sie gehe «von einem Racheakt des entlassenen Mitarbeiters» aus.

Niederhauser sagte, dass in jedem Fall die notwendigen Massnahmen ergriffen und allfällig Sanktionen getroffen worden seien. Den Vorwurf, die Polizei habe die Angelegenheiten nicht korrekt und rechtens behandelt, weise er entschieden zurück.

Drei Strafverfahren

In drei Fällen wurde nach seinen Worten die Justiz eingeschaltet: Im Mai 2004 wurde ein Mitarbeiter in die Kriminalabteilung befördert, kurz nachdem ruchbar geworden war, dass er illegale Drogen konsumiert haben könnte. Um eine Vorverurteilung zu vermeiden, sei der Mann trotzdem befördert worden. Im November 2003 sei er mittels Strafmandat verurteilt und kurz darauf entlassen worden.

Die Justiz eingeschaltet wurde auch im Juli 2004 nach dem Verschwinden von 60 Gramm Hanfblüten aus Kapo-Büros in Bern. Die Untersuchung wurde im Auftrag des Untersuchungsrichters von der Stadtpolizei Bern durchgeführt und später ergebnislos eingestellt.

Noch hängig ist laut Niederhauser ein Strafverfahren gegen einen Polizisten, der einem Bekannten offenbar jeweils per SMS Zeit und Ort der nächsten Radarkontrollen meldete. Die übrigen Fälle wurden in intern erledigt.

(bert/sda)

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