Schiffsunglück
Erste Leichen aus südkoreanischer Unglücksfähre geborgen
publiziert: Sonntag, 20. Apr 2014 / 10:05 Uhr
Es war das erste Mal, dass Taucher in den Passagierbereich der gekenterten Fähre vordringen konnten.
Es war das erste Mal, dass Taucher in den Passagierbereich der gekenterten Fähre vordringen konnten.

Jindo - Eine halbe Woche nach dem Fährunglück vor der südkoreanischen Küste haben Rettungstaucher erstmals Leichen aus dem Innern des gesunkenen Schiffs geborgen. Insgesamt seien 17 Tote aus dem Wrack gezogen worden, teilte die Küstenwache am Sonntag mit.

7 Meldungen im Zusammenhang
Damit stieg die Zahl der geborgenen Todesopfer auf 50. Noch vermisst wurden 252 Menschen, die meisten von ihnen Schüler. Sie waren mit ihren Lehrern unterwegs auf einem Ausflug zu einer Ferieninsel gewesen. Für die Vermissten besteht nach Auskunft der Einsatzleitung kaum noch Hoffnung. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass sie in dem Wrack ertrunken sind.

Es war das erste Mal, dass die Taucher in den Passagierbereich der gekenterten Fähre vordringen konnten. Zuvor hatten sie wegen der starken Strömung und schlechter Sicht in dem trüben Wasser nur die Frachträume erreicht.

Sie schlugen am Samstag kurz vor Mitternacht Ortszeit ein Fenster des Wracks ein und zogen die ersten drei Leichen aus einem Kabinendeck. Die Taucher konnten mehrere Taue fixieren, die ihnen bei der Orientierung im Schiffsinneren halfen.

Die Bergung dürfte dadurch nun schneller vorankommen, sagte ein Vertreter der Küstenwache auf einer Pressekonferenz im Rettungszentrum der Hafenstadt Jindo. Erst wenn die Leichen geborgen seien, werde versucht, die Fähre mit Kränen zu heben.

Die «Sewol» war am Mittwoch mit 476 Menschen an Bord - darunter 339 Schüler und Lehrer - in Seenot geraten und gesunken. 174 Menschen wurden gerettet. Am Samstag kam nach Marineangaben zudem ein Matrose ums Leben, der sich auf einem Suchboot befand.

Unglücksursache unklar

Warum die Fähre verunglückte, ist bislang unklar. Der 69-jährige Kapitän und zwei weitere Besatzungsmitglieder wurden festgenommen. Die Ermittler untersuchen, ob ein Versagen der Besatzung vorlag oder das Schiff falsch beladen war.

Bei ruhigem Wetter war es nach einer Wende stark in Schlagseite geraten. Es dauerte dann noch zwei Stunden, bis die Fähre kenterte. Trotz der Gefahrenlage wurden die Passagiere angewiesen, in ihren Kabinen zu bleiben.

Der Kapitän hat nach eigener Darstellung aus Sicherheitsgründen mit der Anweisung der Evakuierung gezögert. Er habe befürchtet, dass die starke Strömung vor allem die Jugendlichen hätte wegspülen können. Zeugen hatten allerdings berichtet, er habe als einer der ersten das sinkende Schiff verlassen.

Kapitän nicht auf Kommandobrücke

Zum Zeitpunkt des Kenterns war der Kapitän nicht auf der Kommandobrücke. Am Steuer des 20 Jahre alten Schiffes befand sich die ebenfalls festgenommene dritte Offizierin, die erstmals durch die Gewässer fuhr.

Die Untersuchungshaft sollte auf bis zu 30 Tage ausgeweitet werden. «Wir versuchen herauszufinden, ob es weitere Pflichtverletzungen gab», sagte Staatsanwalt Yang Joong Jin.

Verzweiflung und Wut

Unter den in Jindo ausharrenden Angehörigen der Vermissten wuchsen Verzweiflung und Wut. Das langsame Tempo der Bergung und die häufig wechselnden Informationen zehrten an ihren Nerven.

Es kam sogar zu einem Zusammenstoss mit der Polizei. Als etwa 100 Angehörige die Ferieninsel über eine Brücke verlassen wollten, um in der Hauptstadt Seoul zu protestieren, wurden sie von Polizisten zur Umkehr gezwungen.

(asu/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Jindo - Taucher bergen aus dem ... mehr lesen
Die «Sewol» vor dem Untergang.
Jindo/Seoul - Mörderisch habe sich die Besatzung der untergegangenen Fähre «Sewol» verhalten - meint Südkoreas Staatspräsidentin. Doch auch an Land machten die Verantwortlichen Fehler. Wie gross das Chaos war, zeigt der letzte Funkspruch vor der Katastrophe. mehr lesen 
Jindo - Nach dem Unglück der südkoreanischen Fähre «Sewol» gibt es kaum noch Hoffnung, Überlebende zu finden. Aus dem Schiffsrumpf seien keine Geräusche zu hören, erklärte die Küstenwache am Samstag vor Journalisten. Taucher sahen demnach in einer Kabine drei Leichen. mehr lesen 
Seoul - Der Kapitän der südkoreanischen Unglücksfähre «Sewol» ist offenbar verhaftet worden. Gegen Lee Joon Seok werde unter anderem wegen Vernachlässigung seiner Dienstpflicht und Verstosses gegen Seerecht ermittelt, meldete die Nachrichtenagentur Yonhap. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Seoul - Vor der südkoreanischen Küste ist eine Fähre mit mehr als 450 Menschen an Bord gesunken. Fieberhaft suchte ein Grossaufgebot an Rettungskräften nach fast 300 Vermissten. Die ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Francesco Schettino: Weil er das Schiff verliess, wurde er als  «Käptain Feigling» verspottet.
Francesco Schettino: Weil er das Schiff ...
Schiffsunglück  Florenz - Kapitän Francesco Schettino ist mehr als vier Jahre nach der Havarie der «Costa Concordia» auch in zweiter Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Das Berufungsgericht in Florenz bestätigte damit das Urteil aus erster Instanz. mehr lesen 
Heute Nachmittag ist es auf der Autobahn A14 in Ebikon zu einem Unfall zwischen einem Lastwagen und einem Auto gekommen. Der Lastwagen durchbrach anschliessend die Leitplanke und fuhr ... mehr lesen
Durch den Unfall entstanden an den Fahrzeugen, an der Strasseneinrichtung und am Radargerät ein Sachschaden von über 100'000 Franken.
Die Wege mancher Autofahrer sind unergründlich.
Am Dienstag, 31. Mai 2016, kurz vor 08.30 Uhr, ereignete sich im Bereich der Unterführung Rothausstrasse in Muttenz BL eine Frontalkollision zwischen zwei ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • paparazzaphotography aus Muttenz 1
    Foto Sanatorio Liebes news.ch Team, es ist für mich eine Ehre dass sie mein Foto des ... Di, 03.01.17 22:12
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Motor hinten oder vorne war dem Tram in Basel völlig egal! Ob ein Auto über- oder untersteuert, ist nicht von der Lage des Motors ... Mi, 01.06.16 10:54
  • Mashiach aus Basel 57
    Wo bleibt das gute Beispiel? Anstatt sichere, ÜBERSTEUERNDE Heckmotorwagen zu fahren, fahren sie ... Mo, 30.05.16 11:56
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Zugang "Das sunnitische Saudi-Arabien, das auch im Jemen-Konflikt verstrickt ... So, 29.05.16 22:06
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Pink Phanter-Bande? Am 25. 7. 2013 hat eine Befreiung von Pink Panther-Mitglied Milan ... So, 29.05.16 15:38
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    ja, weshalb sollte man solches tun? Ist doch krank, Gott zu beschimpfen! Das hat etwas, ... So, 29.05.16 12:12
  • Gargamel aus Galmiz 10
    Warum sollte man überhaupt den Glauben an Gott beschimpfen oder verspotteten? Wie krank ... So, 29.05.16 10:11
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wir sind ja alle so anders als diese "Flüchtlinge". Warum sind auch nicht alle so edel, wie ... Sa, 28.05.16 20:25
Unglücksfälle Zorn über Tötung von Gorilla in US-Zoo Cincinnati - Die Tötung eines Gorillas im Zoo der ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 19°C 35°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 21°C 37°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 20°C 33°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Bern 19°C 34°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 20°C 35°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Genf 19°C 33°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 24°C 33°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten