Erste Schiiten-Versammlung in Irak seit Jahrzehnten
publiziert: Montag, 21. Apr 2003 / 10:42 Uhr / aktualisiert: Montag, 21. Apr 2003 / 11:30 Uhr

Kerbela - Was sich dieser Tage in Kerbela ereignet, wäre noch vor wenigen Wochen undenkbar gewesen: Tausende von Menschen pilgern seit Tagen zum grössten irakischen Schiiten-Treffen aus allen Himmelsrichtungen in die heilige Stadt.

Die Moschee in Kerbela.
Die Moschee in Kerbela.
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Nur 80 Kilometer südlich von der Hauptstadt Bagdad entfernt, werden bis zu zehn Millionen Anhänger der Glaubensgemeinschaft erwartet, die Saddam Hussein, selbst Sunnit, stets ein Dorn im Auge war.

Am Dienstag und Mittwoch wollen die Schiiten in Kerbela dem Märtyrer Hussein, dem Enkel des Propheten Mohammed, die Ehre erweisen. Das Treffen ist zugleich von politischer Bedeutung, denn erstmals seit Jahrzehnten können die Schiiten in aller Öffentlichkeit Stärke und Zusammenhalt demonstrieren.

Kein Verbot mehr

Rund 65 Prozent der Iraker hängen der schiitischen Glaubensrichtung an. Aber unter der Herrschaft Saddam Husseins waren ihnen grosse Versammlungen und Prozessionen auf offener Strasse untersagt. Polizisten in Zivil wachten über die Achtung der Verbote. Mit der Entmachtung Saddam Husseins ist das Versteckspiel vorbei. Von überall her ziehen Menschen zu Fuss in Richtung Kerbela, der heiligen Schiiten-Stadt zwischen Palmenhainen nahe dem Fluss Euphrat. Unterwegs bieten Anwohner den Pilgern Wasser und Schlafplätze. Im Schatten von Palmen wurden sogar improvisierte Moscheen aufgebaut. Schon aus mehreren Kilometern Entfernung können die Pilger am Horizont die Kuppeln der Mausoleen von Abbas, dem Onkel des Propheten, und Hussein erkennen.

Herzlicher Empfang

Wo sich vor rund zwei Wochen noch US-Soldaten und irakische Fedajin-Milizen heftige Strassenkämpfe lieferten, stehen nun überquellende Töpfe mit Reis und Lamm bereit für hungrige Pilger. Die Einwohner von Kerbela empfangen sie mit herzlicher Gastfreundschaft und versorgen sie mit Essen und Trinken. Sogar Badewannen mit kostbarem Trinkwasser stehen für die Fremden bereit. Pilger, die bereits in Kerbela sind, rufen vor Husseins Grabstätte: "Für dich geb ich alles". Ihr Bekenntnis schlägt schnell in eine politische Kundgebung um: Die Schiiten fordern, von der Hausa regiert zu werden, der wichtigsten Gruppe irakischer Schiitenführer in Nadschaf. Andere nutzen das Pilgertreffen für Geschäfte: Die einheimischen Händler, deren Haupteinnahmequelle schon immer die Pilgerfahrten waren, versprechen sich von dem Treffen Rekordumsätze. Am Strassenrand werden Zigaretten und Teigtaschen feilgeboten.

Politisches Zeichen setzen

Anlass für die Pilgerreise ist der 40. Tag nach dem Tod Husseins, der 680 bei der Schlacht gegen die Omejaden getötet wurde. Und in diesem Jahr hat die Oberste Versammlung der Islamischen Revolution in Irak (Sciri), die in Iran ansässige Schiiten-Gruppe, ihre Anhänger aufgerufen, möglichst zahlreich zu erscheinen. Es gehe darum, eine Regierung einzufordern, die "Freiheit, Unabhängigkeit und Gerechtigkeit für alle Iraker unter der Herrschaft des Islam" garantiere.

(Catherine Hours/afp)

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