Erster GP-Sieg für Stéphane Lambiel
publiziert: Sonntag, 5. Nov 2006 / 08:16 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 5. Nov 2006 / 10:46 Uhr

Der zweifache Eiskunstlauf-Weltmeister Stéphane Lambiel hat sich bei «Skate Canada» in der Kür vom 7. auf den 1. Platz verbessert.

Choreografisch stellte Lambiel die übrigen Läufer eindeutig in den Schatten.
Choreografisch stellte Lambiel die übrigen Läufer eindeutig in den Schatten.
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Mehr als 14 Punkte Rückstand wies Stéphane Lambiel als Siebter nach dem Kurzprogramm auf, dennoch feierte der zweifache Weltmeister bei «Skate Canada» in Victoria, British Columbia, seinen ersten Grand-Prix-Sieg.

Der zweite Schweizer, Jamal Othman, wurde Neunter.

Stolz in seinen Augen

In Lambiels Augen lag stolz, als die Schweizer Nationalhymne abgespielt wurde. Nach dem ersten Wettkampfteil mit zwei Stürzen hatte auch er nicht mehr an einen Triumph geglaubt.

Die Aufholjagd war allerdings nicht in erster Linie auf seine Stärke zurückzuführen, sondern auf die schwächelnde Konkurrenz; das Niveau in der Kür war insgesamt sehr bescheiden. Zum Vergleich: Mit dem Total von 210,70 Punkten hätte er eine Woche zuvor bei «Skate Amerika» lediglich den 4. Rang belegt.

Lambiel blieb auch in der Kür zu Antonio Vivaldis «Vier Jahreszeiten» - weil das neue Flamenco-Programm noch nicht fertig ist, hatte er nochmals auf die Musik der vergangenen Saison zurückgegriffen - unter seinen Möglichkeiten.

Der erste Axel war zwar schön, aber erneut nur zweifach, und bei beiden Vierfach-Toeloops offenbarte er Schwächen bei der Landung, wobei er beim zweiten gar stürzte.

Auch der Flip war nur doppelt. «Ich war nicht in guter Form hier», nahm der Olympia-Zweite kein Blatt vor den Mund. Trainer Peter Grütter äusserte sich in die gleiche Richtung: «Er hat das gemacht, was im Moment möglich ist.»

Choreografisch spitze

Choreografisch stellte Lambiel die übrigen Läufer jedoch eindeutig in den Schatten, was sich in den klar besten Programmkomponenten für den künstlerischen Ausdruck manifestierte.

Insgesamt totalisierte er in der Kür 146,25 Punkte, da sind 14,65 weniger als bei seiner an den Weltmeisterschaften im März in Calgary erzielten Bestleistung.

Den nach dem Kurzprogramm führenden Japaner Daisuke Takahashi, der zweimal stürzte und den Toeloop zu Beginn bereits nach einer Umdrehung öffnen musste, verwies Lambiel um 2,49 Punkte auf Rang 2.

Mit dem Sieg schuf sich der sechsfache Schweizer Meister eine optimal Ausgangslage, um sich erneut für den Grand-Prix-Final der besten sechs von Mitte Dezember in St. Petersburg zu qualifizieren. Seinen zweiten Grand Prix in dieser Saison - jeder Läufer wird zu zwei Wettkämpfen der sechsteiligen Serie eingeladen - bestreitet er in dreieinhalb Wochen im japanischen Nagano.

Desaströses Kurzprogramm

«Der erste Wettkampf ist immer schwierig», hatte Lambiel vor dem Kurzprogramm gesagt. Dass dieses allerdings dermassen holprig werden würde, hat er sich wohl in den schlimmsten Alpträumen nicht vorgestellt.

Der Tiefpunkt zur Musik der Berner Techno-Jodlerin Christine Lauterburg war ein Sturz beim Eingang in die letzte Pirouette, worauf diese gar nicht gewertet wurde. «Das ist mir noch nie passiert», erklärte Lambiel.

Die Fassungslosigkeit stand ihm danach denn auch ins Gesicht geschrieben, als er auf die Wertung der Preisrichter wartete.

Mit 64,45 Punkten blieb er um 16,15 Zähler unter seiner Bestleistung; eine tiefere Punktzahl hatte er bislang nur 2003 am «Cup of Russia» in Moskau (62,00) erzielt, als er erstmals mit dem neuen Bewertungssystem konfrontiert worden war. Im technischen Wertungsteil erhielt er zusammen mit Othman das schlechteste Total.

«Es war hart für mich, dieses Programm zu akzeptieren», blickte Lambiel zurück. Das Team und die Zuschauer hätten ihm jedoch geholfen.

Jamal Othman verbesserte sich dank der achtbesten Kür vom 11. und letzten in den 9. Schlussrang. Der 20-jährige Berner überzeugte mit sechs gewerteten Dreifach-Sprüngen und gelungenen Pirouetten, die vom Schwierigkeitsgrad her insgesamt gar höher als jene von Lambiel eingestuft wurden.

Als Belohnung erzielte er wie auch im Kurzprogramm eine persönliche Bestleistung. Für bessere Klassierungen ist Othman technisch einfach zu schwach, was auch mit seiner Grösse (1,86 m) und den zahlreichen Verletzungen zusammenhängt.

Hohes Niveau bei den Frauen

Im Gegensatz zu den Männern war das Niveau bei den Frauen sehr hoch. Den Sieg sicherte sich die Einheimische Joannie Rochette, die in der Kür vier Positionen nach vorne rückte.

Die Olympia-Fünfte war die einzige Läuferin, die mehr Punkte realisierte als die Bülacherin Sarah Meier eine Woche zuvor bei ihrem 4. Rang am GP «Skate Amerika».

Im Paarlauf gewann wie erwartet das chinesische Duo Dan Zhang/Hao Zhang, das an den Olympischen Spielen in Turin trotz eines fürchterlichen Sturzes von Dan Zhang die Silbermedaille gewonnen hat.

Resultate:
Victoria, British Columbia (Ka). Grand Prix «Skate Canada». Männer. Schlussklassement: 1. (1. in der Kür) Stéphane Lambiel (Sz) 210,70. 2. (2.) Daisuke Takahashi (Jap) 208,21. 3. (4.) Johnny Weir (USA) 198,70. 4. (3.) Shawn Sawyer (Ka) 195,17. 5. (5.). Tomas Verner (Tsch) 192,15. 6. (6.) Yannick Ponsero (Fr) 189,46. Ferner: 9. (8.) Jamal Othman (Sz) 167,22. -- Elf Läufer klassiert.

Frauen. Schlussklassement: 1. (1.) Joannie Rochette (Ka) 173,86. 2. (2.) Fumie Suguri (Jap) 168,76. 3. (4.) Kim Yu-Na (Kor) 168,48. 4. (3.) Alissa Czisny (USA) 163,69. 5. (5.) Susanna Pöykiö (Fi) 161,58. 6. (7.) Mira Leung (Ka) 150,92.

Paare. Schlussklassement: 1. (1. in der Kür) Dan Zhang/Hao Zhang (China) 190,97. 2. (2.) Rena Inoue/John Baldwin (USA) 166,32. 3. (3.) Valerie Marcoux/Craig Buntin (Ka) 166,19.

Eistanz. Stand nach dem Originaltanz: 1. Marie-France Dubreuil/Patrice Lauzon (Ka) 97,87. 2. Tessa Virtue/Scott Moir (Ka) 83,63. 3. Federica Faiella/Massimo Scali (It) 82,34.

(von Sascha Fey/Si)

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