Freier Willensentscheid
Erster Jugoslawe stellt sich Kriegsverbrechertribunal
publiziert: Montag, 12. Mrz 2001 / 09:25 Uhr

Belgrad - Als erster Jugoslawe hat sich am Montag ein früherer bosnischer Bürgermeister dem UNO-Kriegsverbrechertribunal gestellt. Blagoje Simic, bosnischer Serbe mit jugoslawischem Pass, sagte, er habe mit seiner Entscheidung den Druck von sich und seiner Fanmilie nehmen wollen.

An der Seite seines Anwalts betonte Simic vor seinem Flug nach Amsterdam, niemand habe ihn zu seiner Entscheidung gezwungen. Nach Angaben seines Verteidigers stellte sich Simic zunächst dem serbischen Innenministerium.

Simic war 1992 Bürgermeister von Samac. Das UNO-Tribunal in Den Haag hatte ihn 1995 wegen Verbrechen zu Beginn des Bosnien-Krieges (1992-1995) angeklagt. Simic gehörte der im Krieg regierenden Serbischen Demokratischen Partei (SDS) an, deren damaliger Vorsitzender Radovan Karadzic ebenfalls vom Hagger Tribunal angeklagt wurde.

Belgrad lehnte es bislang ab, jugoslawische Staatsbürger an das UNO-Tribunal auszuliefern, denen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden. Im Februar kündigte die Regierung in Belgrad an, alle mutmasslichen Kriegsverbrecher des Landes zu verweisen, die nicht die jugslawische Staatsbürgerschaft hätten.

Viele Mitglieder der jugoslawischen Regierung sind dagegen, dass dem vom UNO-Tribunal wegen Kriegsverbrechen angeklagten, früheren Präsidenten Slobodan Milosevic in Den Haag der Prozess gemacht wird. Sie fordern, Milosevic vor ein Gericht in Belgrad zu stellen.

(bb/sda)

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