Buschehr - Nach mehr als 30-jähriger Bauzeit hat der Iran mit russischer Hilfe sein erstes Atomkraftwerk in Betrieb genommen. Techniker aus beiden Staaten begannen der iranischen Atomenergiebehörde zufolge am Samstag, die Anlage in Buschehr mit Brennstäben zu bestücken.

Russland hatte erreicht, dass das Atomkraftwerk ausgenommen ist von den Sanktionen, die der UNO-Sicherheitsrat wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms verhängt hat.
Die ersten Brennstäbe wurden den Angaben zufolge im Beisein des Chefs der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, und des Leiters der russischen Atombehörde Rosatom, Sergej Kirijenko, in den Reaktor gebracht.
Die Arbeit unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) soll in etwa zwei Wochen abgeschlossen sein. Innerhalb von zwei Monaten soll der Reaktor dann 50 Prozent seiner Leistungskraft von 1000 Megawatt erreichen, Ende Oktober könnte das Kraftwerk an das Stromnetz angeschlossen werden.
Dank an Russland
Salehi sprach in Buschehr von einem «historischen Tag». Die Eröffnung des Atomkraftwerks symbolisiere die Entschlossenheit des Irans, sein «friedliches Atomprogramm» ungeachtet des Widerstands der westlichen Staaten fortzuführen. Jedoch wolle der Iran den Bau weiterer Atomanlagen «nicht überstürzen».
Der Chef der Atombehörde und iranische Vizepräsident dankte Russland für die Unterstützung bei der Fertigstellung des Atomkraftwerks, dessen Bau der deutsche Siemens-Konzern noch vor der Iranischen Revolution im Jahr 1979 begonnen hatte.
Nachdem die Arbeiten im Zuge des Iran-Irak-Krieges 1980 eingestellt worden waren, einigten sich Moskau und Teheran 1994 auf eine Wiederaufnahme des Projektes.
«Internationaler Charakter» der Anlage
Kirijenko betonte bei der offiziellen Eröffnung das iranische Recht auf eine friedliche Nutzung der Atomenergie. Ausserdem hob er den «internationalen Charakter» der Anlage hervor, die unter der Kontrolle der IAEA in Wien stehe und an der «mehr als zehn Länder» mitgewirkt hätten.
Nach Aussage von Diplomaten stellt der Reaktor kaum ein Risiko für die Weitergabe atomwaffenfähigen Materials dar. Es gebe auch keine Verbindung zum geheimen Anreicherungsprogramm, das in anderen Atomanlagen des Irans betrieben wird und als Bedrohung gilt.
Israel kritisierte die Inbetriebnahme des ersten iranischen Atomkraftwerks scharf. Es sei völlig inakzeptabel, dass ein Land, das so offenkundig internationale Vereinbarungen verletzte, in den Genuss der Atomenergie kommen solle, sagte ein Sprecher des israelischen Aussenministeriums.
(fkl/sda)
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