Erstes Urteil im Heros-Skandal
publiziert: Dienstag, 13. Feb 2007 / 17:11 Uhr

Mönchengladbach - Ein Jahr nach der spektakulären Pleite der deutschen Geldtransportgruppe Heros ist eine ehemalige Geldzählerin zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht in Mönchengladbach sprach die 39-Jährige der Erpressung, Unterschlagung und Beihilfe zur Unterschlagung schuldig.

Die Angeklagte gab an, dass ihr 700 000 Euro aus dem Tresor gestohlen wurden.
Die Angeklagte gab an, dass ihr 700 000 Euro aus dem Tresor gestohlen wurden.
Die einstige Mitarbeiterin der Tochterfirma Nordcash hatte nach Überzeugung des Gerichts «ausgesprochen skrupellos» mehr als drei Millionen Euro (rund 4,87 Millionen Franken) aus dem Unternehmen abgezweigt. Sie selbst hatte eingeräumt, 2,8 Mio. Euro mitgenommen zu haben.

Der Vorsitzende Richter äusserte aber den Verdacht, dass die ehemalige Kindergärtnerin noch «mindestens 350 000 Euro, vermutlich aber noch viel mehr» vor dem Insolvenzverwalter auf Konten in der Schweiz verborgen hält. Die Aussagen der Angeklagten verwarf das Gericht in wesentlichen Teilen als unglaubwürdig. Mit dem Urteil entsprach das Gericht der Strafforderung der Anklage.

Die Angestellte war den Machenschaften ihrer Chefs auf die Schliche gekommen und hatte die Millionen für ihr Schweigen kassiert.

Ein dummer Fehler unterlief der Frau allerdings, als in ihr Anwesen eingebrochen wurde: Bei der Polizei gab sie an, dass ihr 700 000 Euro aus dem Tresor gestohlen wurden. Damit rief sie das Finanzamt auf den Plan. Der Fall hatte den Skandal um Heros ausgelöst, der schliesslich mit der Pleite der Unternehmensgruppe im Februar 2006 endete.

Ex-Heros-Chef Karl-Heinz Weis und drei weitere Manager müssen sich derzeit in Hildesheim vor Gericht verantworten. Sie sind wegen gewerbsmässiger Untreue, Bankrott und Insolvenzverschleppung angeklagt und sollen bis zu 1000 Firmen um insgesamt 270 Mio. Euro geschädigt haben.

(smw/sda)

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