Voll funktionsfähig
Erstmals Vagina aus körpereigenen Zellen verpflanzt
publiziert: Samstag, 12. Apr 2014 / 13:26 Uhr
Die Verwendung von Zellen der Vulva soll bisherige Probleme lösen.
Die Verwendung von Zellen der Vulva soll bisherige Probleme lösen.

Winston-Salem - Vaginen, die im Labor aus den Zellen der Empfängerinnen hergestellt wurden, haben Forscher der Wake Forest School of Medicine erstmals erfolgreich transplantiert.

4 Meldungen im Zusammenhang
Der Eingriff wurde an vier Frauen durchgeführt, die aufgrund einer seltenen Krankheit ohne Scheiden auf die Welt gekommen waren. Die Patientinnen waren zum Zeitpunkt des Eingriffes Teenager. Heute verfügen sie über normal funktionierende Sexualorgane.

MRKH-Fehlbildung im Fokus

Laut dem leitenden Wissenschaftler Anthony Atala verfügten die Frauen nach der Operation über ein normales Begehren, Erregung, Befriedigung und Orgasmusfähigkeit. Die Forschungsergebnisse wurden erst vier bis acht Jahre nach dem Eingriff in The Lancet veröffentlicht, als sicher war, dass es auch langfristig zu keinen Komplikationen gekommen ist.

Alle vier Patientinnen litten unter einer schweren Form des Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKH). Davon ist eine von 5000 Frauen betroffen. Auch der Uterus ist nicht normal entwickelt, die Vulva jedoch ausgebildet. Die Frauen konnten vor der Behandlung keinen Geschlechtsverkehr mit einer Penetration oder eine Menstruation haben. Auch eine grosse psychische Belastung ist charakteristisch.

Zellen aus der Vulva genutzt

Aufbauend auf früheren Erkenntnissen, entfernten die Mediziner einen kleinen Teil der Vulva und stellten daraus Zellen im Labor her. Nach rund vier Wochen waren ausreichend Zellen vorhanden, um sie Schicht für Schicht auf einem abbaubaren Gerüst aufzubringen. Die Herausforderung bestand laut Atala darin, die Zellen so weit reifen zu lassen, dass sie nach der Implantation in den Körper andere Zellen erreichen, die dann Nerven und Blutgefässe ausbilden.

In Zusammenarbeit mit dem Hospital Infantil de México Federico Gómez wurde mit Hilfe von MRI-Scans die passende Form und Grösse der Gerüste für jede Patientin berechnet. Nachdem die Zellen diese Gerüste besiedelt hatten, schufen die Chirurgen im Körper der Frauen Raum und implantierten die Vaginen. Sie wurden in Position gebracht und oben mit dem Uterus verbunden.

Sechs Wochen lang stellte ein Stent sicher, dass die Struktur die richtige Form behielt. Das Gerüst bestand aus einer Kollagenmatrix, die in den Monaten nach dem Eingriff vom Körper abgebaut wurde. In diesem Zeitraum reiften die implantierten Zellen zu normalem Vaginagewebe heran. Die Vagina war nach sechs Monaten voll entwickelt. Die Frauen konnten menstruieren und Geschlechtsverkehr haben.

Verfahren löst bisherige Probleme

Atala hofft einem New-Scientist-Bericht zufolge, dass dieses Verfahren in Zukunft auch bei schweren körperlichen Schädigungen durch einen Unfall oder eine Krebserkrankung eingesetzt werden kann. Derzeit lassen sich Vaginen chirurgisch mit Hilfe von Gewebe aus dem Darm oder der Haut herstellen. Bei diesen Verfahren sind allerdings schwere Komplikationen möglich.

Transplantate aus Haut verfügen jedoch über keine Feuchtigkeit. Die Folge können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Verdickungen sein, die zu einem Schliessen der Vagina führen. Zellen aus dem Darm geben ständig Schleim ab. Das führt zu hygienischen Problemen und einem unangenehmen Geruch. Die Verwendung von Zellen der Vulva der Patientinnen löst diese Probleme.

Zwei der vier Patientinnen verfügen über eine funktionsfähige Gebärmutter. Die grosse Frage ist laut Atala, ob sie auch Kinder haben können. Bis jetzt versuchte keine der Frauen, schwanger zu werden. Sie haben jedoch einen Eisprung. Daher sieht der Wissenschaftler keinen Grund zur Annahme, dass ein Kinderwunsch nicht erfüllbar sein sollte.

(bert/pte)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
London - Das University College London hat damit begonnen, menschliche ... mehr lesen
Spinnennetze als Vorbild - Strom von Zellen in Kombination mit Polymer. (Symbolbild)
Herzklappen sollen bald mit körpereigenen Zellen in 3D «gedruckt» werden.
Melbourne - Schon jetzt entstehen ... mehr lesen
Washington - Ein US-Patient hat ... mehr lesen
US-Patient erhält umfangreichste Gesichtstransplantation weltweit.
Bodyforming mittels Stammzellen ist jetzt möglich.
Wien In der ästhetischen Medizin ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Einschulung.
Einschulung.
Publinews    Wenn man von optimaler Begleitung von Schulkindern spricht, denken wohl die wenigsten Menschen an einen Schulthek. Der Inbegriff der Begleitung liegt immer noch im Mutter- oder Vaterbegriff begraben. mehr lesen  
Der Sehsinn gilt als wichtigster Sinn des Menschen. Rund 90 Prozent aller Umwelteindrücke hängen von den Augen ab. Trotzdem steigt die Anzahl an ... mehr lesen  
Wie man die Zukunft sieht...
Auch das ist Digital Health: Trainingsspiele für ältere Menschen (ZHAW-Forschungsprojekt «WeTakeCare»)
ZHAW - Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften  Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen belegt die Schweiz im internationalen Vergleich ... mehr lesen  
Publinews Der Fachbegriff im Bereich der Medizin für eine Bindehautentzündung lautet Konjunktivitis. Diese entsteht selten durch eine Infektion. In den meisten Fällen ist sie eine allergische Reaktion auf unterschiedliche Substanzen. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 4°C 6°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Basel 3°C 9°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
St. Gallen 2°C 6°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Bern 2°C 7°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Luzern 2°C 8°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt wechselnd bewölkt
Genf 3°C 8°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Lugano 4°C 8°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten