Erstmals eine Schach-WM in der Schweiz
publiziert: Donnerstag, 23. Sep 2004 / 00:03 Uhr

Ab kommenden Samstag spielen in Brissago im Tessin der russische Titelverteidiger Wladimir Kramnik und der Ungar Peter Leko um den WM-Titel im klassischen Sinn. In der Schweiz fanden bisher nur einzelne Partien um die K.o-WM des Verbandes statt.

In Brissago geht es nicht nur um die Ehre, sondern auch um viel Geld.
In Brissago geht es nicht nur um die Ehre, sondern auch um viel Geld.
Der Match zwischen Kramnik und Leko im Centro Dannemann führt über maximal 14 Partien; die letzte stünde am 18. Oktober im Programm. Dem 29-jährigen Russen würde ein 7:7 reichen, um auf dem Thron zu bleiben. Kramnik liegt in der Weltrangliste hinter seinem Landsmann Garri Kasparow und dem Inder Viswanathan Anand auf Platz 3. Er ist gegen den vier Jahre jüngeren Leko (Nummer 5 der Welt) leicht zu favorisieren, auch wenn der Ungar für ihn statistisch gesehen der schwierigste Gegner ist.

In Brissago geht es nicht nur um die Ehre, sondern auch um viel Geld. Die Preissumme beträgt eine Million Schweizer Franken, wobei der Sieger 60 Prozent erhält. Bei einem Unentschieden wird der Betrag geteilt. Experten erwarten einen Match mit vielen Remis; die beiden Kontrahenten pflegen einen pragmatischen Stil, um die Gefahr einer Niederlage zu minimieren. Auch beim letzten Aufeinandertreffen vor der WM spielten sie Ende Juli in Dortmund zweimal unentschieden. Kramnik war es zu Beginn des Jahres auf dem Weg zum Turniersieg in Linares (Sp) gelungen, Leko in der zweiten Partie zu bezwingen, und dies erst noch mit den schwarzen Steinen. Der letzte Sieg des Ungarn über den Russen datiert aus dem Jahre 1998 in Tilburg (Ho).

Kramnik wurde im Herbst 2000 in London mit dem überraschenden Sieg gegen Kasparow der 14. und jüngste Weltmeister in der 118-jährigen Geschichte der Titelkämpfe. Der Russe ist zuversichtlich, den Titel im Tessin erfolgreich zu verteidigen: "Ich weiss zwar noch nicht, wie ich Leko schlagen soll. Aber ich weiss auch nicht, wie er mich schlagen will." Mit der Verpflichtung seines Landsmanns Peter Swidler für sein Sekundantenteam landete Kramnik bereits vor der WM einen kleinen Erfolg, denn Leko weist gegen Swidler alles andere als eine gute Bilanz aus.

Leko, der schon mit 14 Jahren Grossmeister wurde, sicherte sich vor zwei Jahren im Kandidatenturnier in Dortmund das Recht, Kramnik herauszufordern. Im Final setzte er sich gegen den Bulgaren Veselin Topalov 2,5:1,5 durch. Mit dem WM-Duell gegen Kramnik geht für ihn ein Kindheitstraum in Erfüllung: "Seit ich 12 Jahre alt war, will ich Weltmeister werden", sagte Leko. "Ich werde Kramnik überraschen, um dieses grosse Ziel zu erreichen. Ganz Ungarn steht hinter mir. Sie können sich nicht vorstellen, was dort los ist, wenn ich gewinne."

Das Duell in Brissago wird als klassische WM bezeichnet, weil es noch eine K.o.-WM des Weltschachbundes FIDE gibt. Warum ist dies so? 1993 brach der damalige Titelhalter Garri Kasparow mit der FIDE und führte die Qualifikations- und WM-Wettkämpfe selber durch -- wie jetzt auch Kramnik. Die FIDE lancierte daraufhin ein eigenes WM-Turnier mit massiv kürzerer Bedenkzeit (Weltmeister ist der Usbeke Rustam Kasimdschanow). Dieses nimmt jedoch keinen grossen Stellenwert ein, weil die absoluten Topspieler meistens fehlen. Um die unbefriedigende Situation zweier Titelkämpfe zu beenden, ist eine Zusammenführung zum Wohle des Schachsports geplant.

Programm

Samstag, 25. September: 1. Partie. -- 26. September: 2. Partie. -- 28. September: 3. Partie. -- 30. September: 4. Partie. -- 2. Oktober: 5. Partie. -- Sonntag, 3. Oktober: 6. Partie. -- 5. Oktober: 7. Partie. -- 7. Oktober: 8. Partie. -- 9. Oktober: evtl. 9. Partie.

Sonntag, 10. Oktober: evtl. 10. Partie. -- 12. Oktober: evtl. 11. Partie. -- 14. Oktober: evtl. 12. Partie. -- 16. Oktober: evtl. 13. Partie.

Montag, 18. Oktober: evtl. 14. Partie. -- Beginn jeweils um 15.00 Uhr.

(bert/Si)

 
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