«Es braucht den Mut zur Pause»
publiziert: Donnerstag, 6. Sep 2007 / 00:00 Uhr

Rafael Nadal waren die physischen Schmerzen während der verlorenen Partie gegen David Ferrer regelrecht anzusehen. Der härteste Herausforderer von Roger Federer in der Weltrangliste wirkte wie ein angeknockter Boxer und war nicht in der Lage, seine Stärken auszuspielen.

Rafael Nadal war sichtbar nicht in Topform.
Rafael Nadal war sichtbar nicht in Topform.
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Dass ein Spieler nicht hundertprozentig fit ist, ist im Tennis leider nicht nur kein Ausnahmefall, sondern schon fast die Regel.

Und dies immer früher in der Saison: Auf der nordamerikanischen Tournee im Juli und August wurde speziell die Frauentour einmal mehr arg durch Absagen gebeutelt.

Dr. Walter O. Frey, Leiter des Swiss Olympic medical centers «movemed» in Zürich, äussert sich im Folgenden zur Problematik der komplexen Sportart Tennis.

Der reputierte Sportmediziner, der unter anderem auch als Olympia-Arzt tätig ist, rät den Topstars zu gezielten Turnierpausen, während denen sie regenerieren können.

Walter Frey, in der letzten Nacht hat Rafael Nadal beim US Open gegen David Ferrer verloren und war dabei physisch sichtlich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Überrascht es Sie jeweils, wenn Sie sehen, dass der Spanier oder ein anderer Spitzenprofi verletzt ist?

Walter Frey: «Nein. Eines der grossen Probleme im Profitennis ist, dass praktisch das ganze Jahr durchgespielt wird. Es gibt keine Phase, wo eine Verletzung ganz ausheilen kann und wenn man eine Blessur mitträgt, dann kommt es zwangsweise zu Über- und Fehlbelastungen an anderen Stellen.»

Nadal wirkte so, wie wenn ihn jede einzelne Körperstelle schmerzen würde. Ist dies eine Folge von solchen Über- und Fehlbelastungen?

Frey: «Ja, im Körper gibt es dann viele Baustellen, die nicht richtig ausheilen können und sich gegenseitig negativ beeinflussen. Tennis ist zudem eine Stop-and-Go-Sportart, der Körper ist viel mehr abrupten Belastungen ausgesetzt als dies beispielsweise beim Schwimmen oder Radfahren der Fall ist. Insbesondere auf dem Hartplatz stoppt man brüsk ab, die Belastung ist dort noch grösser als auf Sand oder Rasen. Diese Belastungen wirken sich dann auf den gesamten Bewegungsablauf aus. So kommt es zu manigfachen Problemen im Sinne einer über den ganzen Bewegungsapparat verteilten Kettenreaktion.»

Nadal war in letzter Zeit wiederholt verletzt und musste auch in Cincinnati aufgeben. Hat er einen Fehler bei der Planung gemacht oder begünstigt seine aufwändige Spielweise solche Verletzungen?

Frey: «Im Nachhinein ist man immer gescheiter. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn er bei einem Turnier pausiert hätte oder in New York nicht angetreten wäre. Aber man steckt in einem Teufelskreis. Jeder muss für sich selber abschätzen, wie viele Wettkämpfe er braucht, wann ein Aufbautraining nötig ist, wann er die Rumpfmuskulatur oder die Beinachse stärken muss und wann regenerative Massnahmen im Vordergrund stehen.»

Diese Zeit bleibt im Tennis oft nicht...

Frey: «Ja, der Monat am Jahresende ist zu kurz, das reicht oft nur zum Durchschnaufen. Für einen richtigen Muskelaufbau benötigt man zwei bis drei Monate. Wenn ein Jahr periodisiert ist, wie beispielsweise bei den Skifahrern, dann geht das. Sie können nach der Saison zwei Monate etwas anderes machen und dann wieder mit dem Grundlagentraining beginnen. Das geht im Tennis nicht. Deshalb würde ich auch nie davon sprechen, dass ein Athlet, wie in diesem Fall Nadal, einen Fehler bei der Planung gemacht hat. Er hat es einfach versucht und wer im Sport nichts versucht, der gewinnt auch nichts. Zudem gehören Schmerzen ja in einem gewissen Masse auch zum Spitzensport.»

Was würden Sie einem Athleten raten, wie er aus diesem Teufelskreis ausbrechen soll?

Frey: «Mut zur Pause! Eine Regenerations- oder Rehabilitationspause erfordert nämlich wirklich Mut und eine starke innere Überzeugung. Oft ist es viel einfacher, auf den Platz zu gehen und sich „durchzuseuche.n“ Der grosse Könner weiss, wann er das nächste Turnier absagt und wann sein Körper diese Pause braucht. Für mich als Sportmediziner ist das entscheidende Kriterium jeweils, ob bleibende Schäden zu befürchten sind oder ob es nur darum geht, ein weiteres Mal auf die Zähne zu beissen.»

(Interview von Marco Keller/Si)

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