Es geht um Furcht und Hass
publiziert: Montag, 14. Mai 2012 / 13:04 Uhr
Würden ungleichbehandlung nicht begreifen: Obama-Töchter mit Vater beim Buch-Shopping.
Würden ungleichbehandlung nicht begreifen: Obama-Töchter mit Vater beim Buch-Shopping.

Letzte Woche hat der US-Präsident Barack Obama zur allgemeinen Überraschung bekannt gegeben, dass er seinen abwartenden Standpunkt aufgebe und für das Erlauben der gleichgeschlechtlichen Ehe sei. Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten.

6 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Familiengeschichte von Mitt Romney
Wikipedia über das verworrene Romney-Familiengestrüpp
wikipedia.org

Zimbawe Mail zu Obamas Aussagen
Der Angriff von Mugabe und Konsorten auf Obama und seine Aussagen (Englisch)
thezimbawemail.com

Beinahe schon satirisch war jene von Bristol Palin, der Tochter der Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, die ja auch regelmässig mit ihrem Intellekt auf... äh, abfällt. Obama hatte in seinem Interview ausgeführt, dass ihm seine Töchter Sasha und Malia die Augen geöffnet hätten, da diese Freunde hätten, die von gleichgeschlechtlichen Paaren erzogen würden, die Mädchen diesen Zustand als völlig normal betrachteten und dass sie es nicht begreifen würden, warum man diese Leute anders behandeln sollte als «normale» Eltern.

Bristol Palin musste darauf scheinbar folgendes sagen (weil sie offensichtlich einfach nicht ihre Klappe halten kann): «Es ist ja schön, wenn man den Ideen seiner Kinder zuhört. Aber manchmal müssen Papas einfach Papas sein. Es wäre hilfreich gewesen, hätte er Malia und Sasha erklärt, dass die Eltern ihrer Freunde sicher wunderbare Menschen seien, dies aber kein Grund sei, die seit tausenden Jahren währenden Gedanken über die Ehe zu ändern. Oder das - egal wie glücklich ihre Freunde auch sein mögen - wir wissen, dass Kinder besser in einem Vater/Mutter Haushalt aufwachsen. Idealerweise helfen Väter den Kindern ihre Sicht auf die Welt zu formen.»

Um die wahre Ironie zu erfassen, ist es hilfreich zu wissen, dass Bristol Palin die Tochter einer ultrareligiösen Mutter ist, Teenager-Keuschheit propagiert und mit 18 Jahren selbst einen ausserehelichen Sohn auf die Welt gebracht hat, den sie nun alleine erzieht, da sie in einem konstanten rechtlichen Streit mit dem Vater des Kindes steht. Ja ... das ist sicher viel besser, als jenes Modell, dass diese bigotte Heuchlerin so lauthals bekämpft.

Doch die Palins (auch deren Mutter) sind nur kleine Lichter in der US-Politik, selbst wenn ihre Aussage genau den Quatsch reflektiert, der nun von rechts auf Obama abgefeuert wird. Mitt Romney, der mormonische Präsidentschaftskandidat der Republikaner betonte bei einer Rede an der evangelikalen «Liberty University» in Lynchburg, dass die Ehe zwischen «einem Mann und einer Frau» geschlossen werde. Entzückend, dies von einem Mann zu hören, unter dessen Vorfahren - logischerweise, denn dies war ein Merkmal der Mormonen - diverse Bigamisten zu finden sind, die aus diesem Grund sogar nach Mexiko geflüchtet waren.

Und dann sind da natürlich noch (wie auch bei uns, wenn es wieder um dieses Thema geht), die ganzen anderen Bigottisten und Heuchler, die von der «heiligen Institution» reden vom «Kindswohl» und all den anderen Dingen, die ihnen herzlich egal sind, wenn sie sie nicht als Knüppel gegen Menschen mit einem «anderen» Leben benutzen können. Und wenn diese Argumente nicht reichen, kommt immer noch der Gag mit der «Eingetragenen Partnerschaft» und warum diese denn nicht reiche.

Vielleicht, weil dies diskriminierend ist? Man mache nur mal die Gegenprobe und sage, dass Katholiken (oder welche Religion sie auch einsetzen wollen) an Universitäten keine Doktortitel mehr bekämen, sondern nur noch «eingetragene Studienabschlüsse». Wäre das diskriminierend? Den Argumentation betreffend der «eingetragenen Partnerschaft» nach, nicht. Denn es ist das Gleiche, einfach mit anderem Namen. Also, lasst uns das machen!

Die ganze Diskussion ist völlig, absolut lächerlich. Die religiöse Argumentation gehört eh auf den Müll; ansonsten müssten Christen vor Hummer-Restaurants Sturm laufen und Teenager-Kinder, die sie im Streit beschimpfen, umbringen. Die bronzezeitliche Rechtsprechung eines Nomadenstammes funktioniert schon lange nicht mehr.

Wenn wir das mal aus dem Weg haben, kommt das Vater-Mutter-Argument. In einer Zeit, in der Kinder eine etwas über 50% liegende Chance haben, nicht in einem Scheidungs-Streit als Kanonenfutter für die Mamas und Papas verheizt zu werden, wäre ein friedliches, gleichgeschlechtliches Elternhaus einem heterosexuellen Schlachtfeld gegenüber vermutlich vorzuziehen. Nicht dass der Frieden dort garantiert wäre. Aber das Geschlecht der Eltern ist nicht relevant, wenn es sich um ein sich und die Kinder liebendes Paar handelt.

Dass viele der Kommentatoren (wie vor einiger Zeit einer in der unterdessen auf FOX-News-Niveau angekommenen Weltwoche) selbst keine gleichgeschlechtlichen Paare kennen und diesen dann ähnliche Attribute (unersättliche Sexual-Lust, unsteter Lebenswandel, amoralisches Verhalten) nachsagen, welche lange Zeit dazu dienten, Beziehungen von weissen Frauen mit schwarzen Männern schlecht zu machen, zeigt, woher der Wind wohl weht: Aus dem Lager jener, die alles, was anders ist, fürchten und hassen.

Wer sich also nicht auf der Seite eines barbarischen Massenmörders wie Robert Mugabe, der Obamas Aussagen eben als die «schlimmste Form des Satanismus» bezeichnet hat, finden will, sollte allenfalls mal über die Bücher gehen und sich überlegen, was ihn/sie denn wirklich so daran stört, wenn Menschen ohne irgendwem zu schaden, glücklicher sein könnten.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
CNN-News Nachdem Amtsinhaber Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney gut fünf Monate vor der Präsidentschaftswahl in Amerika ... mehr lesen
Obama greift Romneys Wirtschaftserfahrung an.
Frau Adams ist mich sich selbst nicht im Krieg.
CNN-News «Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich nicht im Krieg mit mir selbst befinde», so die republikanische ... mehr lesen
CNN-News Barack Obama könnte seine Präsidentschaft dem historischen Triumph der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zu ... mehr lesen
In nur neun US-Bundesstaaten ist die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern legal.
Anna Wintour (62) war hocherfreut von Obamas Zusage an die homosexuelle Eheschliessung zu erfahren.
Fashion 'Vogue'-Chefin Anna Wintour sprach von Tränen im 'Vogue'-Büro, als sie erfuhren, dass der US-amerikanische Präsident die ... mehr lesen
Washington - US-Präsident Barack Obama hat sich erstmals offen für eine Legalisierung der Homoehe ausgesprochen. «Für mich ... mehr lesen
Vor vier Jahren hatte er sich noch gegen die Eheschliessung zwischen Homosexuellen ausgesprochen.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Kein Verständnis. (Symbolbild)
Raleigh - North Carolina hat als 30. US-Bundesstaat die ... mehr lesen
Furcht und Hass
B R A V O an Obama, B R A V O an die, wie immer beste Kolumne, Herr Etschmeyer. Ihr Wissen, recherchiert, und mitgeteilt. Denk-Anstösse die, so hoffe ich, aufgenommen, und aus Sturem, in Menschenwürde weisen. Hoffe ich!
Eines der Opfer - zwar erstochen, aber schon vorher dem Tode nah.
Eines der Opfer - zwar erstochen, aber schon vorher dem ...
Der französische Autor und Profi-Provokateur Michel Houellebecq meinte in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» dass der Humanismus und die Aufklärung tot seien. Im Angesicht von Islamismus und Nationalismus, die immer bestimmender werden, keine absurde Idee. Nur, wer ist der Mörder? mehr lesen 
«Prinzipientreues» SVP-Parteiprogramm verabschiedet Nottwil LU - Über 400 SVP-Delegierte haben am Samstag in Nottwil LU ...
Über 30 Tote bei Autobomben-Anschlägen im Osten Libyens Tripoli - Kurz vor neuen Friedensverhandlungen sind bei Anschlägen ...
Eigentlich kann der Autor froh sein: 2022 wird er die sommerlichen Innenstädte - wie es aussieht - weitgehend Fussballfrei geniessen können, da die Fussball-WM in diesem Jahr nicht wie üblich den Hochsommer besetzt, sondern in die Finsternis des Spätherbst verbannt wird. mehr lesen  
Die Ethik-Kommission der FIFA stellte keine Verstösse fest.
FIFA-Exekutivmitglied entlastet Das belgische FIFA-Exekutivmitglied Michel D'Hooghe ist vom Korruptionsvorwurf im Zusammenhang mit den WM-Vergaben 2018 (Russland) und 2022 ...
Typisch Schweiz Mani Matter - Ein Porträt (1973) Hach, Mani Matter! Kein anderer Liedermacher hat die Herzen ...
Shopping Serge Gainsbourg - Slogan (1969) Es war am 2. März 1991 als Serge Gainsbourg seine glasigen Glubschaugen für immer schloss. Berühmt wurde Serge Gainsbourg vor allem durch seinen von Jane Birkin ...
Es ist ein Evoque.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Das Gesetz, mit dem im Deutschen Reich die Demokratie ermordet wurde: Ermächtigungsgesetz von 1933.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
Eines der Opfer - zwar erstochen, aber schon vorher dem Tode nah.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Die «Grosse Halle des Volkes», Peking: Dort Xi's «die 4 Umfassenden» umgesetzt werden sollen.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Vorschlag an den Kolumnisten: Wenigstens in Hobbiton dürfte er von Missionaren verschont bleiben und sich nur gegen Hobbits verteidigen müssen.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
DI MI DO FR SA SO
Zürich -0°C 5°C leicht bewölkt leicht bewölkt, Schneefall leicht bewölkt, Schneefall leicht bewölkt, Schneefall leicht bewölkt, Schneefall leicht bewölkt, Schneefall
Basel -1°C 6°C leicht bewölkt leicht bewölkt, wenig Schneefall leicht bewölkt, wenig Schneefall leicht bewölkt, wenig Schneefall leicht bewölkt, wenig Schneefall leicht bewölkt, wenig Schneefall
St.Gallen 1°C 7°C leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
Bern 2°C 10°C leicht bewölkt leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
Luzern 2°C 10°C leicht bewölkt bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
Genf 1°C 11°C leicht bewölkt leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Lugano 8°C 14°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten