Assad verspricht Verfassungs-Abstimmung
«Es gibt keinen Schiessbefehl»
publiziert: Dienstag, 10. Jan 2012 / 10:02 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 10. Jan 2012 / 16:13 Uhr
Bashar al-Assad, Präsident von Syrien
Bashar al-Assad, Präsident von Syrien

Damaskus - Syriens Präsident Baschar al-Assad sieht sich als Opfer einer Verschwörung und denkt nicht an Rücktritt. Das machte er am Dienstag deutlich, als er sich erstmals seit sieben Monaten in einer Rede an seine Landsleute wandte.

8 Meldungen im Zusammenhang
Er geniesse noch immer die Unterstützung seines Volkes, sagte Assad in seiner Rede an der Universität in der Hauptstadt Damaskus. Für die andauernde Gewalt im Land machte er eine «ausländische Verschwörung» und Terroristen verantwortlich.

«Unsere Priorität ist jetzt, die Sicherheit wiederherzustellen, die wir seit Jahrzehnten geniessen konnten», sagte Assad. Dies könne nur erreicht werden, «wenn wir die Terroristen mit eiserner Hand schlagen». Der Machthaber gab sich siegesgewiss: Der Sieg sei nah, sagte er.

Referendum angekündigt

Assad kritisierte auch die Arabische Liga, deren Beobachtermission derzeit die Umsetzung eines von ihr vermittelten Friedensplans untersucht. Wie sollten Länder, die selbst immense Probleme hätten, Syrien Demokratie lehren, fragte er. «Es ist, als ob Dir ein Arzt mit einer Zigarette in der Hand sagt, Du sollst nicht rauchen.» Die Beobachter der Arabischen Liga ins Land zu holen, sei im Übrigen seine Idee gewesen.

Zugleich versprach Assad in seiner Rede erneut Reformen. Für März kündigte er ein Referendum über eine neue Verfassung an. Sie soll die bisherige ablösen, die eine dominante Rolle von Assads Baath-Partei festschreibt.

Opposition enttäuscht

Regimegegner verurteilten Assads Rede scharf. Ein Aktivist warf Assad vor, die Augen vor den tatsächlichen Verhältnissen zu verschliessen. «Baschar ist komplett von der Realität entrückt, als ob er über ein anderes Land als Syrien sprechen würde.»

Der Vorsitzende des von der Opposition gewählten Syrischen Nationalrates, Burhan Ghalioun, sagte in Istanbul, die Rede von Assad lasse Schlimmes befürchten.

«Das Ziel dieser Rede war es, vor der Arabischen Liga eine Rechtfertigung dafür zu finden, dass das Regime die Armee nicht abzieht und nicht mit den Beobachtern der Liga zusammenarbeitet», sagte er.

Beobachter angegriffen

Eine Gruppe von Beobachtern der Arabischen Liga wurde unterdessen in der Stadt Latakia im Norden Syriens von regimetreuen Schabiha-Milizen angegriffen, wie die amtliche kuwaitische Nachrichtenagentur KUNA berichtete. Zwei kuwaitische Beobachter seien dabei leicht verletzt worden.

Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete unter Berufung auf Aktivisten, Milizionäre hätten in Latakia auf ein Auto der Beobachtermission geschossen. Der Vorfall habe sich am Montagabend ereignet.

Die Arabische Liga selbst vermeldete, bei einem Angriff von Regierungsgegnern seien am Montag in der Hafenstadt Latakia elf ihrer Beobachter leicht verletzt worden. Die Liga warf der syrischen Führung vor, die Beobachter nicht ausreichend zu schützen.

Blutvergiessen geht weiter

Bei Demonstrationen töteten syrische Sicherheitskräfte nach Angaben eines Aktivisten am Dienstag mindestens acht Menschen. Am Montag waren nach Angaben der Organisatoren der Massenproteste 32 Menschen getötet worden.

Seit dem Beginn des Aufstands gegen das Regime im März sind nach UNO-Angaben mehr als 5000 Menschen ums Leben gekommen. Am (heutigen) Dienstag will der Sicherheitsrat der UNO erneut über die Lage in Syrien beraten.

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Istanbul - Der syrische Übergangsrat ... mehr lesen
Wie treu sind Assads Truppen?
Aufruf an die syrischen Soldaten zum Überlaufen.
Kairo - Die Gefechte zwischen den ... mehr lesen
Kairo - Die Arabische Liga hat am ... mehr lesen
 
Nebelspalter Baschar al-Assad sieht noch immer ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Syrische Sicherheitskräfte gehen unvermindert gewaltsam gegen Oppositionelle vor.
Kairo/Damaskus - Die Arabische Liga will trotz der Gewalt in Syrien ihre Beobachtermission fortsetzen. Die Zusammenarbeit mit der UNO soll fortgesetzt werden, allerdings ohne ... mehr lesen
New York - Syriens Regime will ... mehr lesen
Die Unruhen
und Gewaltausbrüche in der islamischen Welt zeigen unmissverständlich auf das Israel und die USA nach wie vor auf der richtigen Seite stehen. Um das zu verschleiern und auszublenden nützt noch nicht mal mehr der ärgste Israel/USA-Hass der europäischen rot-grünen Träumer etwas. Nach dem Zerfall des Ostblockes und nun auch noch das Zusammenfallen islamischer Staaten dürfte bei den europäischen rot-grünen Träumer erhebliche Zweifel aufkommen lassen am bisherigen verhalten. Allerdings nur wenn sie lernbereit sind. Und da sind doch nach wie vor erhebliche Zweifel angebracht.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen 
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. Versuche von oppositionellen syrischen Kräften, die am Freitag begonnene ... mehr lesen 1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
Erster Weltkrieg  Hamburg - Zum 100. Jahrestag der Skagerrak-Schlacht haben Deutschland und Grossbritannien am Dienstag gemeinsam der tausenden Toten des grössten Seegefechts der Geschichte gedacht. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 5°C 15°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 5°C 16°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 4°C 13°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 4°C 15°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 7°C 16°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Genf 9°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 14°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten