«Es gibt keinen besseren Präsidenten als Blatter»
publiziert: Freitag, 2. Jun 2006 / 08:22 Uhr

Seit acht Jahren ist Joseph Blatter Präsident der FIFA. Der Walliser (70) wird nächstes Jahr für eine weitere Amtszeit kandidieren. Franz Beckenbauer sagt über ihn: «Für diesen Posten gibt es keinen besseren Mann als Sepp Blatter.»

Sepp Blatter: «Ich muss dem Fussball noch viel zurückgeben.»
Sepp Blatter: «Ich muss dem Fussball noch viel zurückgeben.»
Am 9. Juni wird die WM-Endrunde 2006 in der Münchner Allianz-Arena angepfiffen. Für Joseph Blatter aber hat diese WM schon viel früher, bereits vor sechs Jahren begonnen, als Deutschland die Organisation in einer hart umstrittenen Wahl in Zürich zugesprochen wurde.

Tausende von Arbeitsstunden, Flugmeilen und Besuche in der ganzen Welt liegen dazwischen, und jetzt, wenige Tage vor dem ersten Pfiff will Blatter nur noch eines: «Ich warte mit grosser Ungeduld darauf, dass endlich Fussball gespielt wird.»

Herr Blatter, vor vier Jahren wurde vor dem WM-Beginn in Südkorea und Japan monatelang nur über Sie und Ihren Wahlkampf geschrieben. Nach der glanzvollen Wiederwahl haben Sie dann beantragt, die Wahl des Präsidenten nicht mehr unmittelbar vor einer WM, sondern im Jahr danach durchzuführen. Trotzdem wurden auch diesen Frühling wieder zahlreiche Attacken gegen Sie geritten. Wie erklären Sie sich das?

Joseph Blatter: «Es ist seit vielen Jahren zur Tradition geworden, dass alle vier Jahre über den FIFA-Präsidenten diskutiert wird. Die Leute haben sich darauf eingerichtet. 1998, als ich zum Nachfolger von João Havelange gewählt wurde, wurde hart gefightet. 2002 in Seoul noch härter und heuer stünde eigentlich die nächste Wahl an. Anscheinend haben nicht alle realisiert, dass die Wahlen erst nächstes Jahr stattfinden.»

Was sagen Sie denn zum Vorwurf, Sie hätten in jedem WM-Stadion exakt auf Höhe der Mittellinie einen Spezialplatz für sich gefordert?

«Wenn ich solche Sachen hören und lesen muss, zweifle ich manchmal an der Seriösität gewisser Journalisten. Da ich selber einst Sportjournalist war, überlege ich mir dann, ob ich nicht meinen Ausweis zurückgeben sollte.»

Es wurde auch kolportiert, dass Sie während der WM in der teuersten Suite eines Berliner Luxushotels logieren, die pro Nacht 12 000 Franken kosten soll?

«Sehen Sie, das ist einfach hirnverbrannt, wenn man solche Sachen unrecherchiert in Umlauf bringt. Aber das ist heute das Problem mit dem Internet, da kann jeder irgendwo etwas behaupten und gewisse Leute verbreiten das dankbar weiter. Es ist richtig, dass die FIFA in einem Berliner Hotel stationiert ist. Dann hat sich irgend ein Schlaumeier überlegt, dass der Präsident sicherlich im besten Zimmer untergebracht ist, hat im Hotel angerufen und sich erkundigt, wie viel denn die teuerste Suite kostet und schon steht eine solche Behauptung im Raum.»

Sie müssen sich mit der Veröffentlichung des Buches von Andrew Jennings herumschlagen, Vorwürfe wegen einer angeblichen Steuerflucht anhören, Hausdurchsuchungen durch Polizisten miterleben. Was haben diese Leute gegen Sie?

«Das frage ich mich manchmal auch. Ich nehme jede Kritik an, wenn sie fundiert ist. Zumindest die positive Arbeit, welche die FIFA leistet, sollte aber gewürdigt werden. Ich erwarte schon ein wenig Respekt gegenüber dem FIFA-Präsidenten und auch ein bisschen Ethik im Journalismus. Aber das Feuer wird an gewissen Orten regelmässig und fleissig geschürt. Und dann werde ich in einigen Stadien ausgepfiffen. Das ist nicht schön und tut schon weh.»

Und trotzdem haben Sie sich entschieden, in einem Jahr für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Weshalb tun Sie sich das noch an?

«Meine Aufgabe ist noch nicht fertig erledigt. Und ich habe mir gesagt, wenn ich gesund bin, habe ich grosse Lust, meine Arbeit fertig zu machen. Meine Ärzte haben mir kürzlich bei einem Untersuch bestätigt, dass ich gesund bin. Also stelle ich mich in einem Jahr beim Kongress in Zürich der Wiederwahl. Die Verbände würden es nicht verstehen, wenn ich aus Unlust oder wegen dünner Haut resignieren würde. Ich habe noch eine grosse Aufgabe vor mir.»

Und das wäre?

«Die WM in Südafrika in vier Jahren, die erste Endrunde auf afrikanischem Boden, ein riesiges Abenteuer. Ich darf wegen Kleinigkeiten nicht den Mut verlieren und habe in meiner Jugend gelernt, nicht aufzugeben. Der Fussball hat mir viel gegeben, und ich bin noch nicht fertig damit, es ihm zurückzugeben. 2010 nach der WM in Südafrika werde ich dann wohl sagen: Jetzt ist es soweit, jetzt kann ich gehen!»

Noch vor der WM aber wird Italien durch den Calcio-Gate erschüttert, Deutschland litt monatelang unter dem Wettskandal. Woran krankt der Fussball?

«Der Fussball wird das Opfer seiner eigenen Popularität. Überall wird in diesen Tagen und Wochen nur über die WM geredet und geschrieben. 250 Millionen Menschen nehmen aktiv am Fussball teil, mit ihren Familien und Angehörigen ist damit mindestens eine Milliarde auf der ganzen Welt direkt involviert. Da ist es leider nicht zu verhindern, dass auch andere Kreise etwas von dieser Popularität abhaben möchten. Es ist aber kaum zu glauben, für was alles die FIFA plötzlich verantwortlich sein soll. Kürzlich kam ein Schreiben, dass wir etwas gegen die wachsende Prostitution in Deutschland unternehmen sollen. Irgendwo gibt es da schon Grenzen. Wir tragen die Verantwortung im sportlichen Bereich, liefern also eigentlich die Software an, Deutschland und sein Turnier-OK ist für die Hardware zuständig.»

Was erhoffen Sie sich von dieser WM?

«Mein grösster Wunsch ist, dass die Welt während dieser vier Wochen von der ganzen Boshaftigkeit abgeschirmt wird, die überall vorhanden ist. Dass all die positiven Emotionen sich auch auf andere Bereiche ausbreiten. Der Fussball soll wie ein Katalysator wirken.»

Ab dem 9. Juni muss alles richtig funktionieren. Die Arbeit ist getan, was macht der FIFA-Präsident während der Endrunde?

«Ich werde von Berlin aus alle Teams mindestens einmal besuchen, ihre Quartiere besichtigen und natürlich möglichst viele Spiele live anschauen.»

Und welche beiden Teams werden Sie am 9. Juli vor dem Final im Berliner Olympiastadion mit Handschlag begrüssen?

«Die Sieger der beiden Halbfinals...»

(René Baumann/Si)

 
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