Es ist Zeit für Anpassungsmassnahmen
publiziert: Donnerstag, 20. Jan 2011 / 09:00 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 20. Jan 2011 / 10:34 Uhr
Rolf Kappel ist Wirtschaftswissenschaftler und Professor für Probleme der Entwicklungsländer an der ETH Zürich.
Rolf Kappel ist Wirtschaftswissenschaftler und Professor für Probleme der Entwicklungsländer an der ETH Zürich.

Etwa 1.4 Milliarden Menschen in Entwicklungsländern leben in extremer Armut. Obwohl die Armen nur wenige Prozent aller globalen Treibhausgase verursachen, weisen sie gegenüber Klimaänderungen die höchste Verwundbarkeit auf. Deshalb sind in Regionen mit hoher Armut Anpassungsstrategien von besonderer Bedeutung, welche die klimainduzierten Schäden vermindern können.

In Cancun wurde beschlossen, für Anpassungsmassnahmen in Entwicklungsländern zusätzliche internationale Mittel bereit zu stellen. Dies ist ein wichtiges politisches Signal und ein Schritt in die richtige Richtung.

Die grundlegende Schwierigkeit besteht jedoch darin, dass die betreffenden Länder aufgrund unsicherer Klima- und Wirkungsvorhersagen nicht genau wissen können, woran sie sich anpassen sollen. Eine interessante Lösung bieten sogenannte «Low Regret»-Strategien. Gemeint sind damit Massnahmenbündel, die unabhängig von den tatsächlich eintretenden Klimaänderungen und Auswirkungen einen Nettonutzen aufweisen. Am Beispiel der Landwirtschaft Sub-Sahara Afrikas möchte ich den Kerngedanken einer solchen Strategie kurz veranschaulichen.

Schwierige Lebensbedingungen

Die afrikanische Landwirtschaft produziert im internationalen Vergleich sehr niedrige Hektarerträge. Ursachen dafür sind,unter anderem die hohe Abhängigkeit vom traditionellen Regenfeldbau, stark fluktuierende Niederschläge und immer wiederkehrende Dürreperioden sowie die Anwendung archaischer Anbautechniken. Niedrige Arbeits- und Kapitalproduktivitäten in der gesamten Wirtschaft, defizitäre Infrastruktursysteme sowie schwache Gesundheits- und Bildungssysteme tragen ebenfalls dazu bei, dass besonders in den ländlichen Regionen viele Menschen extrem arm sind. Wenn, wie befürchtet, wegen des Klimawandels die Durchschnittstemperaturen steigen und Extremwetterereignisse häufiger auftreten, werden die Lebensbedingungen für die Menschen möglicherweise noch schwieriger.

Low-Regret-Massnahmen: Nutzen übersteigt Kosten sowieso

Vor diesem Hintergrund darf man erwarten, dass Anpassungsmassnahmen, die die ländlichen Einkommen erhöhen sowie die Ertragskraft und klimatische Robustheit der Landwirtschaft stärken, einen doppelten positiven Effekt haben: Sie werden negative Auswirkungen des Klimawandels mindern und die Armut reduzieren. Sollten die Klimawirkungen nicht im befürchteten Ausmass eintreten, würde der armutsreduzierende Nutzen der Anpassung deren Kosten dennoch übersteigen.

Die denkbaren Massnahmen einer «Low-Regret-Strategie» sind äusserst vielfältig. Sie reichen, um nur einige Beispiele zu nennen, von der Etablierung effizienter Bewässerungsmethoden und Anbautechniken über die Verwendung und Weiterentwicklung temperaturresistenter Getreidesorten und Tierarten bis zur beschleunigten Industrialisierung und dem Ausbau privater und öffentlicher Dienstleistungen.

Verwundbarkeitsanalysen systematisch durchführen

In Entwicklungsländern sollten für alle Lebensbereiche, die vom Klimawandel tangiert werden können, systematische Verwundbarkeitsanalysen durchgeführt und «Low Regret»-Anpassungsvorschläge entwickelt werden – insbesondere mit Blick auf die Armen. Die Ungewissheit über das Ausmass des Klimawandels und seine Folgen gebietet dies ebenso wie die Gewissheit, dass geeignete Anpassungsmassnahmen in der Regel dazu beitragen werden, die Armut zu vermindern.

(Prof. Rolf Kappel/ETH-Zukunftsblog)

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