Europa baut bei den Erneuerbaren eine führende Rolle auf
publiziert: Mittwoch, 16. Sep 2015 / 13:21 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 16. Sep 2015 / 14:20 Uhr

Dänemark, Spanien und Portugal gelten als Pioniere der erneuerbaren Energie. Sie speisen heute weit mehr Sonnen- und Windenergie in ihre Stromnetze ein als jemals erwartet und zeigen so, dass eine Energiewende unabhängig von der geografischen Lage möglich ist. Europa hat künftig die Chance, seine Vorreiterrolle weiter auszubauen.

Warum kooperiert ein risikofreudiger Silicon-Valley-Unternehmer wie Elon Musk, Chef des Elektromobil- und Batterieherstellers Tesla, mit der kaum bekannten deutschen Ökostromfirma Lichtblick? Kurz gesagt: Es sind gute Geschäftsaussichten in den «neuen» Energiemärkten des alten Kontinents. Auch der amerikanische Prestige-Verband für Elektrotechnik IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) blickt durchaus bewundernd nach Europa: «Lessons Learned along Europe's Road to Renewables» heisst ein unlängst auf IEEE Spectrum erschienener Bericht. Dieser beleuchtet den raschen Wechsel auf Erneuerbare in einigen europäischen Ländern. Die Spitzenreiter sind Portugal, Dänemark und Spanien mit 63, 60 und 40 Prozent Anteil erneuerbarer Energie an der produzierten Strommenge 2014, gefolgt von Deutschland mit einem Anteil von knapp 30 Prozent. Die beiden Beispiele sind für mich zwei von vielen Hinweisen, dass Europa bei den Stromnetzen für erneuerbare Energie eine führende Stellung entwickelt.

Versuch und Irrtum

Die Motive für den Umstieg auf Erneuerbare waren in den genannten Ländern ganz verschieden - wie auch die politischen Rahmenbedingungen. Ihnen gemeinsam war jedoch ein fehlender Masterplan der Netzbetreiber. Mehr noch: Diese bezweifelten anfangs sogar, dass hohe Anteile fluktuierender Energie im Netz machbar wären. In Dänemark sahen die Netzbetreiber eine momentane Leistung von 500 MW als Kapazitätsgrenze, inzwischen sind es fünfmal mehr. In Spanien nannte man 12 Prozent des Landesbedarfs als Leistungs-Grenze, heute sind 60 Prozent realisiert. Versuch, Mut zum Irrtum und gezielte Korrektur sind die Mittel, die zu diesen schnellen und überraschend positiven Ergebnissen führten. Für ein so ausserordentlich komplexes System wie das europäische Stromnetz ist das wahrscheinlich die einzig zielführende Methode. Schliesslich entstand so auch das herkömmliche Netz.
Doch Dänemark, Spanien und Portugal sind mit ihrem Engagement für erneuerbare Energien nicht allein. Im globalen Vergleich befinden sich einige europäische Länder weit oben auf der Rangliste: Deutschland, Italien, Belgien, Griechenland und Tschechien belegen 2014 bei der Photovoltaik-Produktion pro Kopf die ersten Plätze. Bei der Windenergie sind es Dänemark, Schweden, Spanien, Portugal und Irland.

Forschen und entwickeln auf breiter Front

Diese Pionierleistungen unter realen technischen und kommerziellen Bedingungen sind eine Art «Grosslabor» für die Energietechnik, in dem sich neue Ansätze auf Herz und Nieren prüfen lassen. Tatsächlich haben die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Europa deutlich zugenommen: Einschlägige Erfindungen rangieren in der Europäischen Patentstatistik 2014 gleich nach der Medizin an zweiter Stelle und noch vor der Informationstechnologie. Und mit acht Prozent pro Jahr wachsen sie am schnellsten. Der Bericht «Innovation durch Forschung / Erneuerbare Energien und Energieeffizienz» des deutschen Wirtschaftsministeriums zeigt die enorme Bandbreite dieser Forschungsaktivitäten, die nicht von einer wissenschaftlichen Disziplin, sondern von praktischen Bedürfnissen getrieben werden. Die Palette reicht von Produktions- über Speicher-Technologien und Leitungstechnik bis hin zu neuen Konzepten im Netzbetrieb. Dazu laufen etliche Pilotprojekte.
Die eingangs erwähnte Firma Lichtblick zum Beispiel betreibt eine als «Schwarm-Dirigent» bezeichnete IT-Plattform, die lokale Stromerzeuger und Speicher vernetzt und sie an die Energiemärkte anbindet. Die neue Partnerin Tesla bringt nun ihre Akkus ins Spiel, die es Privaten und Firmen erlauben sollen, überschüssigen Solar- oder Windstrom zu speichern und bei Bedarf wieder abzugeben. Die beiden Firmen wollen so hunderttausende kleine Stromerzeuger und Speicher zu einem virtuellen Kraftwerk verbinden, das Schwankungen im Stromnetz ausgleichen kann.

Europa ist auf dem richtigen Weg

Die Erfahrungen in Dänemark, Spanien und Portugal zeigen, dass die Zuverlässigkeit der Netze mit höherem Anteil erneuerbarer Energie zugenommen hat. Auch wirtschaftlich deutet vieles auf einen Erfolg hin. Analysen der Wirtschaftsprüferin PwC zeigen, dass sich die Pionierländer gesamtwirtschaftlich besser entwickeln als vergleichbare Länder ohne Investitionen in Erneuerbare. Zwar gibt es immer noch Zweifler, die die auftretenden Probleme nicht als Teil der Entwicklungsmethode und deshalb als Chance sehen. Die involvierten Experten halten jedoch 100 Prozent Erneuerbare bereits mit der heute vorhandenen Technologie für realisierbar (wie entsprechende Studien in verschiedenen Ländern zeigen, zum Beispiel für Deutschland) - und zwar weitgehend unabhängig von der geographischen Lage. Das ist eine grosse Chance für Europa, eine führende Rolle bei dieser weitgehend alternativlosen Zukunftstechnik einzunehmen. Wir sollten sie wahrnehmen!

(Klaus Ragaller/ETH-Zukunftsblog)

.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Mit Biogas betriebene Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) können fluktuierenden Solarstrom kompensieren und Gebäude beheizen.
Mit Biogas betriebene ...
Eine zentrale Herausforderung der Energiewende ist es, die schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen auszugleichen. Eine Machbarkeitsstudie zeigt nun für drei Schweizer Kantone auf, wie ein Verbund von Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen kurzfristige Engpässe überbrücken und Gebäude mit Strom und Wärme versorgen kann. mehr lesen 
Vor rund hundert Jahren begann die Industrialisierung der Landwirtschaft - heute erleben wir den Beginn ihrer Digitalisierung. Damit die Big-Data-Welle den Bauer ... mehr lesen  
Vor rund hundert Jahren begann die Industrialisierung der Landwirtschaft - heute erleben wir den Beginn ihrer Digitalisierung.
Wie werden Wasserkraftwerke wieder rentabel?
Die Schweizer Wasserkraft darbt. Die Ursache dafür sind letztlich Verzerrungen im europäischen Strommarkt. Nun diskutiert die Politik Subventionen für die ... mehr lesen  
Climate change has been communicated as a global concern affecting all of mankind; but this message doesn't seem to be getting through. If indeed the human brain responds better to experience ... mehr lesen
Climate change has been communicated as a global concern affecting all of mankind; but this message doesn't seem to be getting through.

Fakten und Meinungen zu Nachhaltigkeit

Der Zukunftsblog der ETH Zürich nimmt aktuelle Themen der Nachhaltigkeit auf. Er bietet eine Informations- und Meinungsplattform, auf der sich Expertinnen und Experten der ETH zu den Themenschwerpunkten Klimawandel, Energie, Zukunftsstädte, Welternährung und Natürliche Ressourcen äussern. Prominente Gäste aus Forschung, Politik und Gesellschaft tragen mit eigenen Beiträgen zur Diskussion bei.

Lesen Sie weitere Beiträge und diskutieren Sie mit auf: www.ethz.ch/zukunftsblog

.
Green Investment news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 13°C 24°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Basel 14°C 25°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 12°C 21°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
Bern 12°C 23°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Luzern 14°C 23°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Genf 14°C 23°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 16°C 20°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten