Ex-Blaukreuz-Leiter wegen Schändung verurteilt
publiziert: Freitag, 16. Aug 2002 / 19:54 Uhr

Zürich - Wegen mehrfacher Schändung und Ausnützen einer Notlage muss der Ex-Geschäftsleiter des Blauen Kreuzes Zürich zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das Zürcher Obergericht folgte dem Bundesgericht, das eine Strafsenkung verlangt hatte.

Zusätzlich zur unbedingten Gefängnisstrafe wurde der Mann dazu verpflichtet, dem alkoholabhängigen Opfer ein Schmerzensgeld von 25 000 Franken zu bezahlen. In früheren Verhandlungen hatte das Zürcher Obergericht ihn mit vier Jahren Zuchthaus noch wesentlich härter bestraft und von mehrfacher Vergewaltigung und sexueller Nötigung gesprochen.

Auf Geheiss des Bundesgerichts kam es in diesen Punkten nun zu Freisprüchen. Die Beziehung zwischen Täter und Opfer lasse nicht zwingend auf einen psychischen Druck im Hinblick auf eine Vergewaltigung schliessen. Zu physischer Gewalt sei es ohnehin nicht gekommen, zitierte das Obergericht im am Freitag publizierten Urteil das Bundesgericht.

Der Ex-Geschäftsleiter und Therapeut hatte Mitte 90er Jahre wiederholt eine alkoholkranke, rund 20 jahre jüngere Frau in ihrer Wohnung aufgesucht und zum Geschlechtsverkehr aufgefordert. Er sagte ihr jeweils, dass es sich um eine Therapie handle und er ihr zeigen wolle, wie schön dies sei.

Laut Anklage kam es fünf Mal zu ungeschütztem Geschlechstverkehr. Auch im Büro des Blauen Kreuzes hielt sich der Mann nicht zurück und missbrauchte die betrunkene und praktisch bewusstlose Frau sexuell.

Nach der von ihr eingereichten Strafanzeige musste der Angeklagte 1996 von seinem Führungsposten zurücktreten. In den Prozessen stritt er den Sachverhalt zwar nie ab, versuchte ihn aber damit zu rechtfertigen, dass die Frau ihn zu den Übergriffen verführt hätte.

(ba/sda)

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