Korruption
Ex-Minister und Bankbesitzer in Bosnien verhaftet
publiziert: Samstag, 5. Aug 2000 / 19:55 Uhr

Belgrad/Sarajevo - Sondereinheiten der bosnischen Polizei haben am späten Freitagabend in Sarajevo einen Miteigentümer der dubiosen Privatbank BH-Banka, den früheren bosnischen Innenminister Alija Delimustafic, festgenommen.

Das Innenministerium des Kantons Sarajevo nannte keine Gründe für die Festnahme, wie die jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug am Samstag meldete. Die Festnahme Delimustafics verlief nach Angaben aus UNO-Kreisen ohne Probleme. Die Zeitung «Oslobodjenje» meldete, bei der Aktion sei auch ein UNO-Polizist anwesend gewesen.

Die BH-Banka gilt als ein Schlüsselinstitut in der Affäre um unterschlagene internationale Hilfsgelder in Milliardenhöhe. Über die Bank hatte auch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) Zahlungen für den Wiederaufbau in Bosnien abgewickelt.

Ein Sprecher des internationalen Bosnien-Beauftragten Wolfgang Petritsch, Chris Bird, nannte Delimustafics Festnahme ein positives Zeichen. «Es ist schön zu sehen, dass die Justiz gegen Korruption und Betrug in Bosnien-Herzegowina vorgeht», sagte Bird.

Delimustafic ist zusammen mit seinem Bruder ein Hauptaktionär der Bank. Der ehemalige Gemüsehändler und Polizist war 1990 zum Innenminister ernannt worden. Zu Beginn des Bosnien-Kriegs (1992- 1995) war er Aussenhandelsminister, kehrte aber danach der Politik den Rücken.
Bereits 1993 wurde er verdächtigt, die Schmuggelmafia in Sarajevo zu kontrollieren. Nach Berichten der Lokalpresse soll er noch immer Chef der lokalen Finanzmafia sein.

(ba/news.ch)

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