Ex-Präsident Aristide in Jamaika eingetroffen - Haiti verärgert
publiziert: Montag, 15. Mrz 2004 / 22:52 Uhr

Kingston/Port-au-Prince - Gut zwei Wochen nach seinem Sturz ist der frühere haitianische Präsident Jean-Bertrand Aristide nach Jamaika geflogen.

Aristide bezeichnet sich weiter als rechtmässiger Präsident Haitis.
Aristide bezeichnet sich weiter als rechtmässiger Präsident Haitis.
Wie das jamaikanische Fernsehen berichtete, wurde er nach seiner Ankunft auf dem Flughafen von Kingston per Helikopter an einen nicht näher genannten Ort auf der Karibikinsel gebracht. Die neue Regierung in Port-au-Prince reagierte verärgert auf die Aufnahme Aristides.

Premierminister Gérard Latortue teilte mit, dass der zu Konsutationen zurückgerufene Botschafter Haitis vorerst nicht nach Kingston zurückkehren werde.

Aristide, der am 29. Februar auf internationalen Druck zurückgetreten und in die Zentralafrikanische Republik geflogen war, bezeichnet sich weiter als rechtmässiger Präsident Haitis.

Latortue und US-Diplomaten befürchten, dass er von Jamaika aus seine Anhänger aufwiegeln und Haiti weiter destabilisieren werde. Jamaika ist nur 200 Kilometer von Haiti entfernt.

Jamaikas Premierminister Percival J. Patterson hat versichert, dass er Aristide ausschliesslich aus humanitären Gründen einreisen lasse, bevor ein endgültiges Exilland ausserhalb der Region für ihn gefunden werde.

Aristide wolle unter anderem mit seinen in den USA lebenden Töchtern zusammentreffen. Er müsse sich jeglicher politischer Betätigung enthalten.

In Haiti wurde Radioberichten zufolge am Sonntagabend erstmals ein amerikanischer Soldat bei einem Schusswechsel in einem Armenviertel verletzt. In der Karibikrepublik sind inzwischen mehr als 2500 ausländische Soldaten einer internationalen Friedenstruppe stationiert.

Mehr als die Hälfte von ihnen kommt aus den USA. Bei Zusammenstössen mit US-Einheiten waren in der vergangenen Woche sechs Haitianer erschossen worden.

(bert/sda)

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