Nachrichtenlose Vermögen
Ex-Präsident des Jüdischen Weltkongresses Edgar Bronfman gestorben
publiziert: Sonntag, 22. Dez 2013 / 17:21 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 22. Dez 2013 / 17:47 Uhr
Edgar Bronfman.
Edgar Bronfman.

Der langjährige Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Edgar Bronfman, ist im Alter von 84 Jahren in seinem Haus in New York gestorben. Dies berichtete die New York Times am Sonntag. Bronfman wurde in den Neunzigerjahren in der Schweiz bekannt wegen seiner Rolle im Streit um nachrichtenlose Vermögen.

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Bronfman wurde 1929 im kanadischen Montreal geboren, als Sohn jüdischer Immigranten aus Osteuropa. Der Milliardär und Geschäftsmann übernahm die kanadische Spirituosenfirma Seagram, welche sein Vater 1924 gegründet hatte.

Unter Bronfmans Leitung expandierte der Konzern noch in andere Bereiche, etwa Film (Metro-Goldwyn-Mayer MGM) und Chemie (DuPont). Das Unternehmen wurde unter seinem Sohn zum reinen Medienunternehmen umgebaut, zusammengestrichen und 2000 von Vivendi geschluckt.

Das von Ludwig Mies van der Rohe entworfene Seagram Building an der New Yorker Park Avenue heisst allerdings noch heute so und gehört zu den architektonischen Höhepunkten der Stadt.

Von 1981 bis 2007 stand Bronfman dem Jüdischen Weltkongress (WJC) vor und bestritt bis zu 15 Prozent des Budgets aus der eigenen Tasche. 2007 trat er zurück, nachdem seinem Generalsekretär Israel Singer langjährige Veruntreuung vorgeworfen worden war.

Zentrale Figur im Bankenstreit der 90er-Jahre

Als WJC-Präsident war Bronfman eine der zentralen Persönlichkeiten im Konflikt mit den Schweizer Banken um ihre Rolle im Umgang mit nachrichtenlosen Vermögen von Holocaust-Opfern. 1995 war Bronfman von Israels Regierung und jüdischen Organisationen mit den Verhandlungen über die Entschädigung von Opfern des Holocaust und deren Nachkommen beauftragt worden.

In dieser Funktion hielt er sich mit vehementer Kritik an der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht zurück. So warf er den Schweizer Grossbanken vor, damals die Vermögen von Opfern des Holocaust entgegengenommen, sie aber den rechtmässigen Erben nicht mehr zurückgegeben zu haben.

Für Irritation sorgte er vor allem, als er der Schweiz mit dem «totalen Krieg» drohte, falls die Schweizer Banken zur Beilegung des Konflikts nicht in die Zahlung von drei Milliarden Dollar einwilligten. Sammelklagen und Unterstützung durch die US-Regierung sorgten für den Druck auf die Schweiz.

Bloch: Nicht nur kompromisslos

Im Kontext dieses Konfliktes habe er aber trotzdem «einen Schritt auf die Schweiz zugemacht», erinnert sich Rolf Bloch, der damalige Präsident des Schweizerisch Israelitischen Gemeindebundes (SIG).

Zu Beginn des Streits sei Bronfman der Ansicht gewesen, dass die Schweiz «etwas zu verbergen habe», dass sie nicht zur Kooperation bereit war. Später sei ihm klar geworden, dass in der Schweiz andere Gesetze gelten als in den USA, sagte Bloch gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Nach einem schwierigen Start hätten schliesslich beide Seiten ein gewisses Verständnis für die Position der Gegenseite aufbringen können, sagte Bloch. Während dieser Zeit sei jeder bis zu einem gewissen Grad «im Recht» gewesen. Es habe eine Annäherung gebraucht.

Nach zähen Verhandlungen wurde 1998 der Streit um die Nachrichtenlosen Vermögen mit einem Vergleich beigelegt. Die Grossbanken UBS und CS zahlten 1,25 Mrd. Dollar in einen Fonds, wofür alle Klagen in den USA fallen gelassen wurden.

Bergier-Bericht als Folge

Der Konflikt mit den jüdischen Organisationen, aber auch mit den USA, zwang die Schweiz zur Aufarbeitung ihrer Geschichte während des Zweiten Weltkrieges. Ende 1996 gab das Parlament Grünes Licht für die Einsetzung einer Expertengruppe unter Leitung des Historikers Jean-François Bergier.

Im März 2002 wurde dann der sogenannte Bergier-Bericht veröffentlicht, in dem die Rolle der Schweiz umfassend aufgearbeitet wurde. Der im März 2002 veröffentlichte Bericht mit dem Titel «Die Schweiz, der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg» leuchtete diese Epoche aus.

(fest/sda)

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