Experte: «Skyguide-Fluglotse war überlastet»
publiziert: Montag, 21. Mai 2007 / 10:39 Uhr / aktualisiert: Montag, 21. Mai 2007 / 14:49 Uhr

Bülach ZH - In der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 2002 hätte bei Skyguide in Zürich nicht nur ein Fluglotse am Radar arbeiten dürfen. Dies sagte ein Experte in Bülach am Strafprozess zum Flugzeugabsturz von Überlingen (D).

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Das Vorgehen von Skyguide, den Flugverkehr trotz eingeschränkter Kontrollsysteme nur mit einem Fluglotsen abwickeln zu lassen, sei nicht mit internationalen Richtlinien vereinbar, sagte der Sachverständige bei seiner Anhörung durch das Bezirksgericht Bülach. Nicht allein die Zahl der zu führenden Flugzeuge sei entscheidend für die Arbeitsbelastung der Flugverkehrsleiter. Zur Überbeanspruchung hätten auch die ungenügenden Arbeitsinstrumente - wie das nicht funktionierende Telefon - geführt.

Für einen Lotsen sei es zudem nicht möglich, gleichzeitig an zwei Arbeitsplätzen Kontrolldienst zu leisten, sagte der Experte weiter. Der Lotse war unter anderem dadurch überlastet, dass er zusätzlich zur Kontrolle der Überflüge einen unerwarteten Anflug auf den Flugplatz Friedrichshafen (D) leiten musste.

Ist Pilot zu Recht gestiegen?

Nach Ansicht eines anderen Experten hatte der Pilot der Tupolew, die 2002 bei Überlingen mit einer DHL-Boeing kollidierte, zu Recht eine Anweisung des Warnsystems an Bord nicht befolgt.

Der Sachverständige widerspricht damit der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Diese vertrat in ihrem Bericht die Ansicht, der Pilot hätte die Anweisung des bordeigenen Systems («Steigen») gegenüber der Aufforderung des Zürcher Fluglotsen («Sinken») vorziehen müssen. Allerdings sprach die BFU auch von teilweise widersprüchlichen Regelungen zum Warngerät (TCAS).

Angehörige verurteilen Skyguide

Eine Gruppe von Angehörigen der Opfer der Flugzeug-Katastrophe von Überlingen haben in Bülach den Strafprozess gegen Skyguide-Mitarbeiter mitverfolgt. Sie hätten das Bedürfnis, die Ursachen der Tragödie zu verstehen, sagten sie.«Skyguide ist am Tod unserer Kinder und Verwandten schuld» und «Der Tod unserer Kinder ist die Schande für die Schweiz» stand auf Transparenten, die die Opfer-Angehörigen vor dem Prozesslokal aufhielten. Weiter präsentierten sie Fotos der Opfer.

Sie wollten an das grosse Leid erinnern und daran, dass für sie die Schweizer Flugsicherung die Verantwortung trage, sagte Urs Saal, Anwalt der Opfer-Angehörigen, die noch keine Vereinbarung über Entschädigungen abgeschlossen haben.

«Wünsche Gespräch»

«Es würde uns helfen, wenn wir die verantwortlichen Leute verstehen könnten», sagte ein Mann, der seine Kinder beim Unglück verloren hat. Man wünsche ein Gespräch mit jemandem von Skyguide, ob Management- oder Personalvertreter.

Er habe keinen Hass gegen jemanden. «Wichtig ist uns, dass wir einander verstehen können», sagte er. «Mein persönliches Leid wird bleiben, niemand kann mir meine Kinder zurückgeben.» Es gehe ihnen auch darum, dass die richtigen Konsequenzen gezogen werden, damkit sich eine solche Tragödie nicht wiederholen könne.

(ht/sda)

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