FC St. Gallen steigt ein Jahr nach dem Abstieg wieder auf
publiziert: Montag, 18. Mai 2009 / 22:41 Uhr

Die Fussball-Region Ostschweiz jubelt. Fortissimo ist der FC St. Gallen ein Jahr nach dem bitteren Abstieg wieder in die Axpo Super League zurückgekehrt. Der älteste Schweizer Fussballverein ist nach einer Saison in der Challenge League wieder dort, wo er hingehört.

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Der Zürcher Jung-Trainer Uli Forte (35) hat es verstanden, den ultimativen Promotionsauftrag des Vereins zu erfüllen. Mit einem für Challenge-League-Verhältnisse hohen Budget von sechs Millionen Franken und mit einer neuen Mannschaft ohne Stars hielt der grosse Aufstiegsfavorit dem immensen Erwartungsdruck stand.

«Der sofortige Wiederaufstieg ist aus sportlichen und wirtschaftlichen Gründen enorm wichtig», sagte Klubpräsident Michael Hüppi. «Wenn der FC St. Gallen längerfristig in der zweiten Liga hätte bleiben müssen, wären wir in arge Schwierigkeiten gekommen und hätten den Betrieb auf Sparflamme zurückstellen müssen.»

Die Personalie Forte

Der St. Galler Rechtsanwalt hat es mit einer neuen, fachlich kompetenten Führungscrew verstanden, fatale und kostspielige Irrtümer aus der Vorsaison zu korrigieren, entstandene Gräben (fast) wieder zuzuschütten und geschwundenes Vertrauen in die Klubleitung zurück zu gewinnen.

Wichtigste Personalie war die Wahl des dynamischen Uli Forte zum Cheftrainer. Der mehrsprachige assimilierte Italiener, der Betriebswissenschaft an der Uni Zürich studierte, hat es verstanden, eine zerrüttete und verunsicherte Mannschaft wieder aufzurichten und ihr ein neues Gesicht zu geben.

«Spieler mit Ostschweizer Wurzeln»

«Wir haben wichtige Transfers getätigt, die ausnahmslos die Erwartungen erfüllten», bilanzierte Forte, der vertraglich noch ein Jahr an St. Gallen gebunden ist. «Meine Philosophie hiess, back to the roots, zurück zu den Tugenden des FC St. Gallen. Wir verpflichteten junge, hungrige Spieler mit Ostschweizer Wurzeln und solche, die bereits Spuren in dieser fussballbegeisterten Region hinterlassen haben.»

Forte nahm Adrian Winter, Sebastian Kollar und Lukas Schenkel sowie seinen Assistenten Roman Wild von Wil mit, gab Marco Hämmerli (Ex-Wil und -Thun) eine zweite Chance und verpflichtete Moreno Merenda (20 Saisontore), die Leihgabe Moustapha Dabo und den Chilenen Mario Caceres für die Torproduktion.

Die Abgänge von Francisco Aguirre, Marcos Gelabert, Marc Schneider, Jürgen Gjasula, David Marazzi, Davide Callà, Stefano Razzetti, Vidak Bratic, Adrian Fernandez und Guy Feutchine konnten so verkraftet werden. Sie hatten keine Lust mehr, für einen zweitklassigen Verein zu spielen oder zogen lukrativere Angebote vor.

Der gereifte Torgarant

«Moreno Merenda war einer unserer ersten Transfers. Er besitzt Erfahrung und hat unsere Hoffnungen mit vielen Toren erfüllt. Er ist ein Spieler mit Herz, der sich mit einem Klub identifiziert. Auf solche Leistungsträger konnte ich bauen und mich auf bewährte Kräfte wie Daniel Lopar, Marc Zellweger, Juan Pablo Garat und Philipp Muntwiler stützen.»

«Unsere Homogenität, unser starkes Kollektiv mit einem breiten Kader und unser fantastisches Publikum waren die wesentlichsten Erfolgsfaktoren für den sofortigen Wiederaufstieg», führte Forte an.

Dabei war St. Gallen nicht frei von Rückschlägen und Ausfällen. Das Cup-Out gegen Sion schmerzte, weil es vermeidbar war. Alex und Bernt Haas waren permanent verletzt, Jiri Koubsky ebenfalls oft indisponibel, und die in der Winterpause zugezogenen Thomas Knöpfel und Pa Modou Jagne taten verletzungsbedingt kaum einen Kick.

Die drittstärkste Kulisse

In der Vorrunde trat der FC St. Gallen souverän auf. Nur in Thun (2:4) verlor er, gegen Wil (0:0) büsste man das einzige Mal Punkte in der neuen AFG-Arena ein. Mit einem Zuschauerschnitt von über 13'000 konnte sich der FCSG auf die drittbeste Kulisse in der ganzen Schweiz hinter Basel und YB stützen.

«In der Rückrunde verzeichneten wir einen etwas harzigen Start», konstatierte Forte. «Es brauchte mehr Arbeit und Elan, um wieder in Schuss zu kommen. Erst die 4:1-Auswärtssiege in Nyon und Genf und das Nachlassen von Lugano lösten die Verkrampfung.»

Vier Verstärkungen notwendig

Die Verträge von sieben Spielern (Zellweger, Garat, Weller, Dabo, Jagne, Bellon und Lang) laufen aus. Das Gros hofft Forte zu halten. Zusätzlich wünscht er vier Verstärkungen. «Wir benötigen einen Topspieler in jeder Linie, vor allem einen Spielgestalter, der deutsch spricht, und einen Goalgetter.»

Doch finanziell ist der FC St.Gallen nicht auf Rosen gebettet. Es plagt ihn eine Schuldenlast von 800'000 Franken. «Die Lizenz für die Super League werden wir nach dem Rekurs und dem Beleg eines wichtigen Darlehensvertrages erhalten. Die Betriebskosten werden aber nur um eine auf sieben Millionen Franken erhöht werden», verrät Präsident Hüppi.

«Investitionen in neue Spieler werden fremdfinanziert. Zusagen liegen vor, und die restlichen Schulden hoffen wir bis zum Beginn der neuen Saison zu tilgen. Die Aktion '800 Ostschweizer zahlen je 1000 Franken für ihren Klub' ist gut angelaufen. Wir sind zuversichtlich, dass wir schuldenfrei in die neue Saison in der höchsten Spielklasse starten können.»

(Peter Wyrsch/Si)

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