Zürich empfängt den FC Basel zum wichtigsten Rendez-vous der ASL-Saison. Klare Vorteile besitzt keine Equipe -- aber beide haben eine spezielle Vorgeschichte. Beste Unterhaltung ist im Klassiker programmiert.

Sollte der FCB indes kontern, ist in den letzten beiden Runden (FCZ in Bellinzona und gegen GC/Basel in Zürich gegen GC und gegen YB) Hochspannung garantiert und ein finaler Umschwung nicht mehr auszuschliessen.
Verbale Rencontres
Über den vorgezogenen «Final» der Axpo Super League wird in Zürich und Basel seit Tagen debattiert. Die Affiche verspricht Spektakel und garantiert Emotionen. Seit 2004 dominieren die beiden Grossklubs die nationale Szene. Nur in Bern wirtschaften sie ebenfalls über der 20-Millionen-Marke. Die Titelträger stammen aber ausschliesslich aus Basel oder Zürich. Zwischen dem Rhein und der Limmat fallen die Würfel.
Der FCZ löste am 13. Mai 2006 beim FCB eine monumentale Depression aus. Mit einem höchst bitteren 1:2 nach einer Serie von 59 Heimspielen ohne Niederlage stürzte der Liga-Gigant in der 93. Minute mit Getöse vom Podium. Von jenem Tiefschlag erholten sich die Bebbi erst in der letzten Saison. Nun droht der nächste Rückschlag. Und wieder könnte Zürich der Urheber der FCB-Probleme sein.
Noch mag sich am Rheinknie selbstredend niemand mit dem schlechtesten aller möglichen Fälle befassen, der nicht nur aus Sicht der grossen rot-blauen Fan-Gemeinde einer schweren Enttäuschung gleichkäme. «Mit dem Szenario, dass die Meisterschaft am Sonntagabend entschieden sein könnte, befasse ich mich nicht», liess Christian Gross den Reporter einer Zürcher TV-Anstalt trotzig wissen.
Nervoität in Zürich?
Den unebenen Zürcher Weg zum 5:3 in Vaduz legten ein paar FCB-Vertreter als Zeichen der steigenden Nervosität aus. «Der FCZ hat doch auch zwei Gesichter. Zürich spürt den Druck nun auch», nahm Marco Streller eine Fernanalyse vor. Die (einsame) Sturmspitze der Bebbi belebt das Geschäft gerne mit ein paar würzigen Aussagen. Sein Selbstbewusstsein hat aber auch statistischen Hintergrund. Seit dem 26. November 2006 und zehn Pflichtspielen hat Basel gegen Zürich nicht mehr verloren.
So sehr die FCB-Exponenten die mögliche Entscheidung (am Sonntag) ausblenden, so sehr vermeiden die Hauptdarsteller des Leaders das Wort «Basel-Komplex». «Wir müssen uns nur auf unsere Aufgabe konzentrieren. Die Vergangenheit zählt nichts. Und es bringt auch gar nichts, uns zu überlegen, was wäre, wenn das passiert oder dann das», betonte FCZ-Trainer Bernard Challandes und schob nach: «Was heisst nervös vor Basel? Wir arbeiten ja das ganze Jahr über für ein solch wunderbares Spiel.»
Abwehrchef Hannu Tihinen nimmt die (harmlosen) Basler Sprüche nicht sonderlich ernst: «Wir kennen unser Niveau in Zürich ja. Mir ist es doch egal, was in Basel gesprochen wird.» Der finnische Patron rechnet aber mit einem sehr «harten und aggressiven» Spiel. Von einer generellen Verkrampfung gegen die physisch beste Equipe des Landes mag er nichts wissen: «In den letzten drei Spielen waren wir nahe dran. Es fehlte wenig. Am Sonntag wäre das Ende der Serie fällig.»
Volles Stadion, aber kein Pokal
Der Rahmen wird dem speziellen Anlass gerecht. Erstmals seit dem Einzug ins neue Letzigrundstadion im Herbst 2007 sind alle Tickets vergriffen. Aus Sicherheitsgründen gelangten «nur» knapp 23'500 Karten in den Verkauf. Der Run auf die begehrten Plätze ist so gross wie in besten Favre-Zeiten, als der FCZ regelrecht bestürmt worden war.
Ancillo Canepa freut sich über den Boom. Die aktuelle Top-Lage gibt seiner Strategie der Geduld Recht. Als Challandes und seine Equipe in der letzten Saison einen Fehltritt an den nächsten reihte, stärkte der Präsident seinem Personal den Rücken. Während den monatelangen Turbulenzen verlor die Führungscrew das Augenmass nicht.
Zwei Tage vor dem Klassiker im ausverkauften Stadion verfolgte Canepa umringt von Medien-Vertretern das vorletzte Training der Meisterkandidaten. Prognosen stellte er keine, nur in einer Angelegenheit sprach er ein präsdiales Machtwort: «Der Meisterpokal wird am Sonntag nicht im Letzigrund stehen. Das habe ich verboten.» Nicht nur Canepa weiss seit 2006: Überheblichkeit kommt vor dem Fall.
(Sven Schoch/Si)
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