FCB ringt um Fassung
publiziert: Freitag, 26. Aug 2005 / 08:25 Uhr / aktualisiert: Freitag, 26. Aug 2005 / 09:02 Uhr

Einen Spieler-Absprung vor dem «wichtigsten Erfolg in der Vereinsgeschichte» hatte beim FCB niemand einkalkuliert - auch Trainer Christian Gross nicht.

Ein nachdenklicher Christian Gross an der Seitenlinie.
Ein nachdenklicher Christian Gross an der Seitenlinie.
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Nach der gescheiterten Champions-League-Qualifikation gegen Werder Bremen bezeichnete Gross den beispiellosen Transfer seines besten Stürmers Christian Gimenez mit gutem Grund als "exzessivste Form des heutigen Fussball- Business".

Was sich von Montag bis Mittwoch hinter den Kulissen des Schweizer Titelhalters abgespielt hat, liesse sich auch als Pervetierung des internationalen Transfermarktes umschreiben.

Anfang Woche liess Gimenez seinen Coach wissen, dass er im Falle einer UEFA-Cup-Qualifikation von Olympique Marseille am Dienstag tags darauf nicht für den FCB einlaufen werde. Nachdem OM den Vorstoss in den Europacup sichergestellt hatte, nahm das Unheil seinen Lauf. "Als ich das Resultat (5:1 gegen La Coruña) sah, wusste ich, dass er nicht spielen wird", erklärte Gross.

Nicht alle reagierten ruhig

Derweil die beiden Klubs in Bremen hinter verschlossenen (Hotel-)Türen die letzten Details regelten, frühstückte Gimenez am Mittwochmorgen noch mit seinen mehrheitlich ahnungslosen Spielerkollegen.

Nach einem Footing bestritt das Pokerface sogar das Abschlusstraining. Erst nach der Mittagsruhe stellte Gross die Mannschaft vor vollendete Tatsachen. Nicht alle reagierten gleich ruhig. Zeit zur grossen Aufregung blieb indes keine, der Anpfiff zur kursweisenden Partie gegen Werder stand in wenigen Stunden bevor.

Gimenez reiste alleine zurück

Gimenez weilte zu jenem Zeitpunkt, in welchem Gross alle Kadermitglieder in Kenntnis setzte, nicht mehr im Spielerhotel. "Ich habe ihm nahe gelegt, persönlich für die Rückreise zu sorgen", formulierte es Gross diplomatisch.

Eine Konfrontation mit dem Rest der Mannschaft mochte der Trainer tunlichst vermeiden; wohl der Sorge wegen, die mentale Vorbereitung auf den vermeintlichen Saisonhöhepunkt nicht noch erheblicher zu beeinträchtigen.

Das Verhalten des argentinischen Stürmers, welcher der Lohnerhöhung in Marseille rücksichtslos alles unterordnete, war trotz aller Beschönigungen der (vermutlich geschockten) Basler Delegation ein Störfaktor sondergleichen.

Ausgerechnet im grell erleuchteten Vorzimmer zur europäischen Eliteklasse wurde der Schweizer Nobel-Klub von Gimenez blossgestellt. Im Bremer Weserstadion schüttelten jedenfalls nicht nur die Schweizer Kommentatoren den Kopf.

Machtverschiebung

Seit dem Bosman-Urteil 1995 haben sich die Machtverhältnisse verschoben. Das bekam nun der Schweizer Branchenleader in aller Schärfe zu spüren. Nicht der Verein diktiert die Regeln, sondern der Spieler bestimmt die Stossrichtung. Verträge sichern den Klubs im besten Fall eine Transfersumme.

Mehr nicht. Wenn ein Spieler wie Gimenez den Spieleinsatz verweigert, bleibt einem Verein der Grössenordnung Basels kaum etwas anderes übrig, als einzulenken - egal zu welchem Zeitpunkt.

Der Schein in der Fussball-Welt trügt mehr denn je. Die nicht neue Einschätzung wird nach der Affäre um Gimenez speziell im Raum Basel die Mehrheit der rot-blauen Gemeinde teilen. Wieviel Prozent der von einem argentinischen Egomanen verursachte Skandal zum Scheitern in Bremen beigetragen hat, ist schwierig zu eruieren und hinterher nicht mehr erheblich. Wesentlich gravierender könnte hingegen die Signalwirkung des falschen Gimenez-Solo sein.

Welcher FCB-Profi wird als Nächster zur Unzeit ins benachbarte Ausland abspringen? Wie ist unter solchen Umständen eine vernünftige Planung möglich? Wie wird Gigi Oeri diesen Vertrauensmissbrauch verdauen? Welche Schlüsse zieht der ehrgeizige Gross aus dem Affront des Jahres? Ein Nachbeben in der Winterpause ist nicht ausgeschlossen.

(bsk/Si)

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