«Facebook» für Wissenschaftler im Aufwind
publiziert: Montag, 8. Okt 2012 / 18:49 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 14. Nov 2012 / 11:34 Uhr
ResearchGate hilft Wissenschaftlern aus dem Elfenbeinturm.
ResearchGate hilft Wissenschaftlern aus dem Elfenbeinturm.

Berlin - Das Berliner Start-up ResearchGate macht sich als «Facebook der Wissenschaft» einen Namen und verändert die Art und Weise, wie Forscher miteinander kommunizieren.

Bereits zwei Mio. registrierte Nutzer teilen und bewerten auf der Plattform wissenschaftliche Arbeiten, die sie der Gemeinschaft kostenlos zur Verfügung stellen.

Prozesse beschleunigen

«Momentan muss man für wissenschaftliche Artikel in der Regel bezahlen. Da ich selber Wissenschaftler bin und die Welt der Wissenschaft verändern möchte, habe ich dieses Problem erkannt und eine kostenlose Alternative geschaffen. Es geht uns darum, Forschern ein System für Feedbacks und Kollaboration anzubieten und damit die wissenschaftlichen Prozesse zu beschleunigen», sagt ResearchGate-CEO Ijad Madisch.

Rund 65.000 Wissenschaftler aus Deutschland nutzen bereits die Möglichkeit, jeden Schritt einer Forschungsarbeit nachzuvollziehen. Die publizierten Arbeiten werden von interessierten Nutzern kommentiert und bewertet. Dabei zählt die Meinung eines anerkannten Professors mehr als die eines Unbekannten. Der «RG-Score» wurde vor zwei Monaten eingeführt und soll jungen Wissenschaftlern dabei helfen, ein grosses Publikum zu erreichen und von den Erfahrungen älterer Kollegen zu profitieren.

Bezahldienste angekündigt

Publikationen auf ResearchGate sind kostenlos und für alle registrierten Nutzer frei zugänglich. Damit man sich aber registrieren kann, muss man nachweisen, dass man ein Wissenschaftler ist. Darin sehen viele Forscher ein grosses Defizit und fordern einen freien Zugang auch für Nichtwissenschaftler. Zudem wird kritisiert, dass Investoren die Plattform mit Geld unterstützen und somit kein unabhängiges System ermöglicht wird.

«In unseren Geschäftsbedingungen steht ausdrücklich, dass wir die Daten über unsere Nutzer nicht an Dritte weiterverkaufen dürfen. Wir können noch einige Jahre von den Investitionen leben, die wir am Anfang erhalten haben. Danach werden wir versuchen, uns über Bezahldienste zu finanzieren. Wir können uns eine Jobbörse vorstellen oder einen Marktplatz für Labormaterialien, die wie unsere wissenschaftlichen Arbeiten von den Nutzern bewertet werden können», so Madisch.

Das Portal wurde im Mai 2008 von den Virologen Ijad Madisch und Sören Hofmayer gegründet. Einer der bekanntesten Kunden ist die Max-Planck-Gesellschaft, die mit Hilfe von ResearchGate ihr Wissen im Internet verknüpfen will. Im September 2010 stiegen mit Benchmark Capital, dem Finanzier von eBay, AOL und Twitter, sowie dem Facebook-Investor Accel Partners zwei Risikokapitalgeber aus dem Silicon Valley mit mehreren Millionen Dollar in das deutsche Start-up ein.

 

 

(fest/pte)

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