Keine Luxusbehandlungen mehr
Fall «Carlos»: Zürich zieht Konsequenzen
publiziert: Freitag, 6. Sep 2013 / 15:45 Uhr / aktualisiert: Freitag, 6. Sep 2013 / 19:21 Uhr
Der Zürcher Regierungsrat Martin Graf zieht die Reissleine. (Archivbild)
Der Zürcher Regierungsrat Martin Graf zieht die Reissleine. (Archivbild)

Zürich - Der Fall «Carlos» hat Auswirkungen auf die Behandlung von jugendlichen Straftätern im Kanton Zürich: Luxusbehandlungen sollen künftig nicht mehr möglich sein, wie Justizdirektor Martin Graf (Grüne) am Freitag vor den Medien sagte. Kosten von bis zu 29'000 Franken pro Monat seien zu hoch.

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Schluss machen will Graf auch mit dem Erfüllen von Sonderwünschen. Wichtig sei zudem, dass die Jugendlichen selber etwas leisteten. Bei "Carlos" sorgte für öffentlichen Unmut, dass er keine Stelle antreten wollte, weil ihm sonst die Zeit fürs Thaibox-Training fehle.

Kampfsport wie etwa Thaiboxen soll im weiteren nur noch nach psychiatrischen Abklärungen und in Ausnahmefällen erlaubt werden. Graf verlangt von der Jugendanwaltschaft künftig auch, dass allfälliges Kampfsporttraining von der Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich abgesegnet wird.

Im Kanton Zürich sind gegenwärtig 130 Jugendliche stationär untergebracht, davon rund zwei Dutzend Intensivtäter. In zwei dieser Fälle besteht ein Sondersetting - einer davon ist "Carlos". Ausgestaltung und Kosten des zweiten Falles werden überprüft.

Offen ist momentan, wie es mit dem als "Carlos" bekannt gewordenen 17-Jährigen weitergeht. Die Jugendanwaltschaft klärt die weiteren Schritte ab. "Carlos" sitzt bis auf Weiteres im Gefängnis Limmattal ZH, nachdem er "zu seinem eigenen Schutz" inhaftiert worden war. Sein Anwalt gelangte deswegen ans Bundesgericht.

"Tragischer Einzelfall"

Justizdirektor Graf äusserte Verständnis für die Empörung über den Fall "Carlos". "Ich verstehe, dass die Volksseele kocht", sagte er vor den Medien. "Auch ich reagierte ähnlich."

Er könne versichern, dass "Carlos" ein unschöner, tragischer Einzelfall sei. Er werfe aber berechtigte Fragen auf. Wichtig sei nun, dass man mit Verstand und kühlem Kopf agiere. "Polemik bringt uns nicht weiter."

Gürber nicht mehr für "Carlos" verantwortlich

Konsequenzen hat der Fall "Carlos" auch für den leitenden Zürcher Jugendanwalt Hansueli Gürber. Er hat das Dossier abgeben müssen. Seit vergangenem Freitag ist ein anderer Jugendanwalt für den 17-jährigen Straftäter verantwortlich.

Kritik muss Gürber auch wegen seines eigenmächtigen Handelns im Zusammenhang mit der Sendung "Reporter" von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) einstecken. Die Oberjugendanwaltschaft ging davon aus, dass das SRF lediglich ein Porträt über Gürber als Person drehe.

Dass dann der im Film "Carlos" genannte Jugendliche zu einer weiteren Hauptfigur wurde, sei nicht mit der Oberjugendanwaltschaft abgesprochen gewesen, sagte Oberjugendanwalt Marcel Riesen.

Den Film in der ausgestrahlten Fassung hätte die Behörde aber nicht bewilligt, wie Riesen betonte. Zahlreiche Details des Vollzugs seien gezeigt worden, "Carlos" sei zudem nur wenig anonymisiert gewesen.

(fajd/sda)

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