Familiendrama: Streit um Gutachten
publiziert: Dienstag, 30. Mrz 2004 / 20:38 Uhr

Luzern - Im Familiendrama von Escholzmatt LU ist ein Streit um eine psychiatrische Stellungnahme entbrannt. Laut dem Psychiatriezentrum des Kantonsspitals Luzern handelt es sich dabei nicht um ein Gutachten. Die Strafbehörden halten dies für irrelevant.

Das Psychiatriezentrum des Kantonsspitals Luzern habe kein Gutachten verfasst.
Das Psychiatriezentrum des Kantonsspitals Luzern habe kein Gutachten verfasst.
Über den 43-jährigen Mann, der am Montagabend in Escholzmatt LU drei Personen tötete und sich anschliessend selbst richtete, sei - entgegen der Darstellung der Strafuntersuchungsbehörde - nie ein psychiatrisches Gutachten verfasst worden, teilte das Psychiatriezentrum des Kantonsspitals Luzern mit.

Nach Darstellung der Untersuchungsbehörde wurde dem Täter, der im vergangenen Herbst inhaftiert war, in einem Gutachten bescheinigt, dass er nicht fremdgefährlich sei. Danach wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen. Nach Darstellung des Spitals handelte es sich bei der entsprechenden Einschätzung des Psychiaters nicht um ein Gutachten.

Bei einer Begutachtung erhalte der psychiatrische Gutachter eine klare Fragestellung von den Untersuchungsbehörden oder von dem Gericht, hält das Spital fest. Zusätzlich habe er Akteneinsicht. Bei einem Gutachten werde ein Patient mehrmals untersucht, der Psychiater hole Fremdauskünfte ein und mache bei Bedarf verschiedene testpsychologische Untersuchungen. All dies habe im fraglichen Fall nicht stattgefunden.

Für die Strafuntersuchungsbehörden spielt dies keine Rolle. Es sei bloss eine Frage der Terminologie, sagte der deren Sprecher Simon Kopp auf Anfrage. Entscheidend sei der Inhalt.

Die Behörden hätten kein Gutachten in Auftrag gegeben, weil die Anworten auf ihre Fragen nach Suizidalität und Fremdgefährdung beantwortet worden seien. Wenn der Psychiater der Auffassung gewesen wäre, es brauche ein umfassendes Gutachten, so hätte er dies sagen müssen, erklärte Kopp.

Der Täter hatte am Montagabend seine von ihm getrennte Frau, seinen Bruder und seine Schwägerin erschossen hat. Zudem gab er Schüsse auf den Sozialvorsteher von Escholzmatt ab. Dieser wurde schwer verletzt.

(bert/sda)

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