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Federer in der Rolle des Aussenseiters
publiziert: Freitag, 3. Jun 2011 / 10:13 Uhr
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Roger Federer.
Roger Federer.

Roger Federer trifft heute zum 23. Mal auf Novak Djokovic. Trotz eines bislang makellosen Parcours geht der Schweizer als Aussenseiter in den French-Open-Halbfinal.

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Roger FedererRoger Federer
Das Duell hatte sich bereits bei der Auslosung abgezeichnet. Daran, dass Djokovic den Halbfinal erreichen würde, zweifelte kaum jemand. Der Serbe steht bei 43 Siegen in Folge, gewann in diesem Jahr bereits sieben Turniere, schlug Rafael Nadal in Madrid und Rom zweimal auf Sand und liess auch in Paris bislang nichts anbrennen.

Einzig Juan Martin Del Potro konnte dem Weltranglisten-Zweiten bislang einen Satz abnehmen. Der Argentinier, 2009 US-Open-Sieger, zeigte sich beeindruckt vom Spiel von Djokovic: «Er hat keine Schwächen. Er macht alles sehr gut, er bewegt sich hervorragend, retourniert stark und sein Aufschlag ist deutlich besser geworden.»

Alle bisherigen Gegner von Djokovic sind sich einig. Der zweimalige Australian-Open-Champion ist so stark wie noch nie. Er macht kaum Fehler und trifft scheinbar immer die richtige Wahl. «Man hat kaum Zeit, sich zu organisieren. Er ist konstant, hat keine Schwächephasen», so Richard Gasquet, der Djokovic im Achtelfinal unterlag. Für Del Potro ist klar: «Er ist bereit, die Nummer 1 zu werden.» Bereits heute könnte es soweit sein. Gewinnt Djokovic gegen Federer, wird er am Montag die seit 2004 andauernde Ära Federer/Nadal beenden und sich an die Spitze des ATP-Rankings setzen.

Für Djokovic steht so einiges auf dem Spiel. Die Weltranglisten-Führung, die Fortsetzung seiner Siegesserie mit den Rekorden von John McEnroe (42 Erfolge in Serie zu Jahresbeginn) und Guillermo Vilas (46 Siege saisonübergreifend) im Blickfeld und nicht zuletzt der erstmalige Finalvorstoss in Roland Garros. Bezüglich Grand-Slam-Erfolgen hinkt Djokovic schliesslich noch deutlich hinter seinen ärgsten Konkurrenten zurück. Djokovic hat zwei, Nadal neun und Federer 16 Major-Titel.

«Das Gefühl für die Schläge ist da»

Federer kann gelassener ins Duell gehen. Die Weltrangliste ist derzeit nicht von übergeordnetem Interesse für ihn, Nebenschauplätze gibt es keine und selbst die Favoritenrolle gehört für einmal dem anderen. Doch der wichtigste Punkt: Er hat bei seinen fünf Auftritten am Bois de Boulogne überzeugt und damit die zwiespältigen Resultate der vergangenen Wochen vergessen gemacht. Der dreifache French-Open-Sieger Mats Wilander behauptete in der Sportzeitung «L'Equipe» sogar, Federer zeige sein bestes Sandtennis überhaupt.

Federer wollte das nicht bestätigen, meinte aber: «Ich habe noch keinen Satz abgegeben, das heisst, ich habe vieles richtig gemacht. Ich bin mit meinem Spiel zufrieden, vor allem mit dem Service und dem Return. Das Gefühl für die Schläge ist da. Auch beim Return bin ich nicht gestresst. Es scheint mir, als hätte ich eine Extrasekunde, um den Ball zurückzuschlagen.»

Die Extrasekunde wird Federer gegen Djokovic gut brauchen können. «Er spielt fantastisch. Ich weiss, dass ich mein bestes Tennis zeigen muss», so Federer. Der 16-fache Grand-Slam-Sieger hat die letzten drei Duelle gegen Djokovic verloren, ist aber immerhin der letzte Spieler, der den derzeitigen Tour-Dominator bezwingen konnte, im letzten November beim ATP-Finale in London.

Die Gelassenheit eines Seriensiegers

Auf Sand standen sich die beiden nur dreimal gegenüber. Federer, der in der Gesamtbilanz 13:9 führt, verlor auf der roten Unterlage 2009 in Rom, gewann aber 2008 und 2006 in Monte Carlo. Diese Begegnungen liegen eine Weile zurück. Federer und sein Umfeld hatten nun aber zwei Tage Zeit, sich eine Taktik zurechtzulegen, wobei klar ist, dass «beide versuchen werden, aggressiv zu spielen».

Djokovic konnte sich sogar seit Sonntag auf das wahrscheinliche Duell einstellen, weil sein Viertelfinal-Gegner Fabio Fognini Forfait geben musste. Dass die lange, unfreiwillige Ruhepause Djokovic aus dem Konzept gebracht hat, glaubt Federer nicht. Er befand sich 2007 in Wimbledon in einer ähnlichen Lage, als Tommy Haas nicht zum Achtelfinal antreten konnte: «Bei einem Grand-Slam-Turnier ist man froh, wenn man mal nicht spielen muss.»

Um den Spielausfall zu kompensieren, trainierte Djokovic in den letzten Tagen ein wenig intensiver und sorgte für Abwechslung. Am Mittwoch schlug er ein paar Bälle mit McEnroe. «Ich sehe das Ganze nicht als Problem, Ich habe in diesem Jahr schon so viele Partien bestritten», kommentierte der Belgrader die Situation mit der Gelassenheit eines Seriensiegers.

 

(fkl/Si)

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