Federer ist der Grösste - 15. Grand-Slam-Titel
publiziert: Sonntag, 5. Jul 2009 / 08:55 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 5. Jul 2009 / 22:10 Uhr

Roger Federer eroberte in extremis den Wimbledontitel und die Nummer 1 zurück. Er gewann den dramatischen Final gegen Andy Roddick 5:7, 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 3:6, 16:14.

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Die Entscheidung fiel erst nach vier Stunden und 16 Minuten, als der phantastisch auftrumpfende Andy Roddick am Ende seiner Kräfte angelangt war. Im 37. Anlauf gelang es Roger Federer endlich, seinem Widersacher erstmals den Aufschlag abzunehmen. Federer nützte den ersten Matchball.

Aber Federer beendete die Partie nicht wie so oft mit einem Geniestreich. Der Basler schaffte das Break nur, weil Roddicks Beine nicht mehr mitspielten. Bei den sechs Punkten, die Federer in diesem 77. Game des Nachmittags gewann (Rekord für einen Final!), unterliefen Roddick sechs vermeidbare Fehler, weil er nicht mehr richtig zum Ball stand.

Der hochstehende, packende Final hätte ein schöneres Ende verdient. Denn sowohl Federer wie Roddick boten grossartiges Tennis. Die ersten 80 Minuten befand sich Andy Roddick im Vorteil. Dann kontrollierte Federer eine Stunde lang die Partie.

Nach zweieinhalb Stunden bekam aber wieder Roddick Oberwasser. Der fünfte Satz dauerte über anderthalb Stunden (95 Minuten). Lange schien jeder Ausgang möglich. Andy Roddick besass beim Stand von 8:8 zwei Breakmöglichkeiten hintereinander, die in dieser Phase fast den Wert von Matchbällen hatte.

«Traurig für Roddick»

Gerade dieses Auf und Ab erhöhte bei Federer die Befriedigung - und bei Roddick den Frust. Federer: «Die Zufriedenheit ist noch grösser, weil ich die Kontrolle über das Spiel eigentlich nie hatte. Aber für Roddick ist es natürlich traurig. Er war zweimal nur einen Schlag vom Wimbledonsieg entfernt, denn ich glaube nicht, dass ich im fünften Satz noch zu einem Re-Break fähig gewesen wäre.»

Seine allergrösste Chance vergab Roddick im zweiten Satz - nach 80 Minuten. Er führte mit einem Satz (7:5) und im Tiebreak des zweiten bei eigenem Aufschlag 6:2. Wie im Vorjahr gegen Rafael Nadal schien Federer unweigerlich mit 0:2 Sätzen in Rückstand zu geraten.

Doch dann ereignete sich Unerwartetes. Federer gewann sechs Ballwechsel hintereinander und schaffte den nicht mehr erwarteten Satzausgleich. Ohne dieses kleine sportliche Wunder hätte Federer seinen sechsten Wimbledontitel und den 15. Grand-Slam-Titel wohl auf später verschieben müssen. Federer: «Dieses gewonnene Tiebreak war mit Sicherheit der Schlüssel zum Sieg.»

Was passierte bei 6:2 im Tiebreak? Roddick: «Ich nützte meine Chance nicht. Aber das ist halt Roger Federer...» Bei 6:2 brachte Roddick noch den ersten Aufschlag ins Feld, spielte den Punkt aber zu aggressiv und wurde ausgekontert. Dann verkürzte Federer mit zwei ersten Aufschlägen auf 5:6. Beim vierten Satzball befand sich Roddick am Netz in bester Abschlussposition, zögerte aber, weil er unschlüssig war, ob Federers Passierball im Aus landen würde, und verfehlte schliesslich mit dem Flugball das Feld um Meter. Zwei Ballwechsel später hatte Federer den Satzausgleich geschafft.

Federer: 50 Asse

Dank der Tiebreakstärke fiel nicht weiter ins Gewicht, dass Federer an diesem Tag viereinviertel Stunden lang Roddick nicht breaken konnte. Federer schien zu Beginn des Spiels Roddicks Aufschlag noch «lesen» zu können, später wurde der Schweizer von Roddicks Aufschlag aber dominiert. Auch den dritten Durchgang musste sich der Basler so im Tiebreak (mit 7:5) holen.

Federer boten sich durchaus Möglichkeiten, früher zu einem Break zu kommen. Vier Breakbälle besass er bei 5:5 im ersten Satz. Dreimal landete der Ball so knapp auf oder hinter der Linie, dass das Video-Replay entscheiden musste. Und das tat es stets zu Gunsten Roddicks. Zwei weitere Breakbälle besass Federer bei 3:2 im dritten Satz und bei 1:0 im fünften.

Schon vor einem Jahr im Final gegen Rafael Nadal war Federer in fünf langen Sätzen bloss ein Break gelungen. Damals verlor er im längsten Wimbledonfinal aller Zeiten nach 4:48 Stunden dem Spanier mit 7:9 im fünften Satz. Diesmal dauerte die Partie eine halbe Stunde weniger lang, obwohl 15 Games mehr gespielt wurden (77, Rekord für einen Wimbledonfinal).

Federer reichte es zum Happy-end, weil er so gut servierte wie vielleicht noch nie. Federer gelangen 50 Asse (persönlicher Rekord) und 39 weitere Servicewinner. Federer schlug ebenso effizient auf wie Roddick (27 Asse und 71 Servicewinner). «Wenn er nicht so gut aufschlagen hätte, würde ich jetzt in besserer Stimmung hier sitzen», so Roddick bei seiner Analyse.

Sampras sah zu

Hochstimmung genoss dagegen Roger Federer. «Ein Tag zum Geniessen» sei das. Roddick habe so gut gespielt wie noch nie gegen ihn, «trotzdem fand ich den Weg zum Sieg». Mit 15 Grand-Slam-Titeln hält Federer nun den wichtigsten Tennisrekord alleine. Pete Sampras, mit dem er sich die Bestmarke zuvor teilte, verfolgte die Partie in der «Royal Box» neben Manolo Santana, Rod Laver und Björn Borg. Sampras besuchte erstmals seit dem Rücktritt Wimbledon.

Bei 2:1 im ersten Satz betrat er die Tribüne und erhielt vom fachkundigen Publikum sofort eine verdiente standing ovation. Sampras war auch der erste Gratulant, als Federer nach der Siegerehrung den Centre Court verliess. Federer entschuldigte sich beim Amerikaner dafür, dass er seinen Rekord nach lediglich sieben Jahren geschlagen hat. Federer benötigte für seine 15 Majortitel bloss sechs Jahre; Sampras erspielte seine 14 Titel zwischen 1990 und 2002.

Als Nebenerscheinung eroberte Federer von Nadal auch die Nummer 1 in der Weltrangliste zurück, die er letzten August nach 237 Wochen an den Spanier verloren hatte. Vor fünf Wochen betrut Nadals Vorsprung noch sagenhafte 4490 Punkte. Federers Perspektive, die Nummer 1 für den Rest der Saison erfolgreich verteidigen zu können, stehen gut. Wegen der Baisse im letzten Sommer hat der Schweizer Superstar in den kommenden Wochen deutlich weniger Punkte zu verteidigen als die Rivalen Nadal, Murray und Djokovic.

Vorerst bezieht Federer aber Ferien. Roger und die hochschwangere Mirka werden kaum wie üblich nach Wimbledon nach Dubai verreisen, sondern in der Schweiz die Ankunft des ersten Kindes erwarten. Ab 10. August folgen dann in Nordamerika die Turniere von Montreal, Cincinnati und (nach einer Woche Pause) das US Open in New York, für die Federer derzeit alle gemeldet ist.

(Rolf Bichsel, London/Si)

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