Die Schlüsselszene spielten sich nach knapp zwei Stunden ab. Beim Stand von 4:4 im dritten Satz kam Roger Federer wieder einmal zu einer Breakmöglichkeit. Vor dem zweiten Aufschlag sprach der französische Schiedsrichter Maria überraschend eine Verwarnung gegen Cilic aus -- wegen Zeitüberschreitung. Der 22-jährige Kroate konnte das nicht umgehend wegstecken und produzierte beim Breakball einen Doppelfehler.
In der Folge gab Federer das Heft nicht mehr aus der Hand. Er servierte den dritten Satz mit 6:4 nach Hause, und im nächsten Durchgang realisierte er ein frühes Break zum 2:1. Mit einem weiteren Break zum 5:2 schaffte mehr als die Vorentscheidung. Nach zwei Stunden und 40 Minuten beendete Federer schliesslich die Partie mit seinem 35. Aufschlagwinner (6 Asse, 29 Servicewinner) beim ersten Matchball.
Spielbeschleunigung durch Offizielle
Aber die Verwarnung unmittelbar vor einem zweiten Aufschlag beim Breakball gab zu reden. Schon früher im Turnier hatte Federer festgestellt, dass "sie (die Offiziellen) versuchen, den Spielfluss zu beschleunigen". Die strengere Interpretation der Zeitregeln beginnt schon beim Einspielen, bei dem die fünf Minuten nicht mehr überschritten werden. Andererseits blieben die "chronischen Langsamspieler" wie Rafael Nadal und zuweilen Novak Djokovic bislang von Verwarnungen wegen Zeitüberschreitens verschont.
Vor der Verwarnung gegen Cilic und dem daraus resultiertenden 5:4 für Federer im dritten Satz schien jeder Ausgang möglich. Federer hatte stark begonnen, im zweiten Satz dann aber auch stark nachgelassen. Marin Cilic schlug fast so gut auf wie Federer und hielt auch in den Grundlinienduellen passabel mit. Beim Stand von 2:1 bot sich Cilic die Möglichkeit (nach zwei Rahmenbällen und einem Doppelfehler Federers) auch im dritten Satz mit einem Aufschlagdurchbruch in Führung zu gehen. Im mentalen Bereich hielt der Kroate aber nicht mit Federer mit: Schon vorher, bei 1:1 im ersten Satz und bei 2:1 im zweiten Satz, hatte Cilic fahrlässig mindestens zwei Breakmöglichkeiten vergeben.
In den Achtelfinals trifft Roger Federer am Montag entweder auf den Argentinier Juan Monaco (ATP 36) oder den Deutschen Tommy Haas (ATP 475).
Wawrinka angeschlagen
Derweil Federer den Weg in die nächste Runde fand, befand sich Stanislas Wawrinka bereits auf der Rückreise in die Schweiz. Der 26-jährige Waadtländer, der am Freitagabend nach viereinhalb Stunden das Tiebreak des fünften Satzes gegen Donald Young verloren hatte, beschönigte nach dem Ausscheiden seine letzten Leistungen. Wawrinka: "Ich fühlte mich nicht gut. Wegen Oberschenkelproblemen konnte ich mich auf dem Platz nicht so gut bewegen, wie ich mir das gewünscht hätte. Die Beine bereiteten mir auch beim Aufschlag Probleme. Phasenweise konzentrierte ich mich mehr auf die Verletzung als auf das Spiel."
Schon nach dem Startspiel gegen Maximo Gonzalez hatte Wawrinka Probleme mit den Oberschenkeln deklariert. Nach zwei Tagen Pause fühlte er sich zwar besser, "aber eben noch bei weitem nicht hundertprozentig fit". Wawrinka wird sich Anfang nächste Woche in der Schweiz untersuchen lassen. Er geht aber davon aus, dass er beim Davis Cup in Sydney gegen Australien (16.-18. September) wird mittun können.
Schon 14x w.o.
Nicht nur Stanislas Wawrinka schlug sich am US Open mit Problemen herum. Bereits 14 Partien endeten an den ersten fünfeinhalb Spieltagen mit der Aufgabe eines Spielers. Diese Marke entspricht einem Grand-Slam-Rekord; bislang gab es im Wimbledonturnier von 2008 mit 12 nicht beendeten Spielen die meisten w.o.-Resultate. In dieser Statistik nicht mitgerechnet sind jene Spieler (wie z.B. Robin Söderling), die aus unterschiedlichen Gründen gar nicht zu ihrem Erstrundenspiel angetreten sind. Die meisten Aufgaben resultierten aus Verletzungen. Zweimal gab jemand wegen Krämpfen auf, ausserdem gab es je ein Forfait wegen einer Lebensmittelvergiftung und einem Hitzestau.
(fest/Si)