Feiglinge gegen Malala
publiziert: Freitag, 19. Okt 2012 / 12:08 Uhr
Malala Yousafazai: Dieses Mädchen macht den Taliban Angst...
Malala Yousafazai: Dieses Mädchen macht den Taliban Angst...

Wenn «Gotteskrieger» eine 15jährige umzubringen versuchen, so ist das kein Ausdruck religiösen Eifers sondern menschlicher Impotenz. Dass in der Folge Zehntausende in Pakistan demonstrierten, erstaunte nicht nur hier so manchen. Doch es zeigt vor allem eines: Diese Leute brauchen Unterstützung beim Kampf gegen die Fundamentalisten.

11 Meldungen im Zusammenhang
Man kann es sich ja so saumässig einfach machen: Die muslimischen Staaten werden alle ausschliessliche von Fundamentalisten bevölkert und solchen, welche die Fundies unterstützen. Machen wir uns also vom Acker und lassen die ihre eigene Suppe versalzen.

Dass die Sache wesentlich differenzierter zu betrachten ist, zeigt auf plakative Weise der Fall der pakistanischen Schülerin und unfreiwilligen Jungpolitikerin Malala Yousafazai. Das heute 15-Jährige Mädchen wurde am 9. Oktober in ihrem Schulbus von Taliban in Kopf und Hals angeschossen. Die «Gotteskrieger» - der Autor würde sie eher als arschfeige Pissköpfe bezeichnen - versagten allerdings bei ihrer Mission, ein Mädchen umzubringen und Malala überlebt bisher schwer verletzt und wird derzeit in London in einer Spezialklinik behandelt. Doch die Taliban haben bereits versprochen, das Mädchen doch noch zu töten, wenn es jetzt überleben sollte.

Das Verbrechen des Mädchens? Sie hatte sich öffentlich (unter anderem auf einem Blog) für die Schulbildung für Frauen und Mädchen in Pakistan - und indirekt in allen islamischen Ländern - eingesetzt. Diese war in Malalas heimatlichem Swat-Tal während der dortigen Machtausübung der Steinzeit-Islamisten der Taliban verboten gewesen. So wurde denn ein Mädchen zum grossen Feind der pathetischen «Gotteskrieger», denen echte Argumente immer viel schneller als die Kugeln ausgehen.

Was nach dem Mordanschlag passierte, hat die Talibarsch wohl ziemlich überrascht: In riesigen Demonstrationen gingen Zehntausende auf die Strasse und Demonstrierten in Pakistan gegen den Terror und für Malala und Schulbildung. Ja, genau dort, dort wo es ja «nur Fanatiker» gibt.

Das Feindbilddenken funktioniert auf allen Seiten gleich und der Westen verpasst es - aktuell auch im Syrien-Konflikt - die Fundamentalisten als das zu sehen, was sie sind: Machtinstrumente von ultrareligiösen Regimes wie von Saudi-Arabien und dem Iran, mit denen diese ihre Einflusssphäre auszuweiten trachten. Das Rezept ist dabei immer dasselbe: Zuckerbrot und Peitsche. Humanitäre Hilfe in Form von Nahrungsmitteln (finanziert mit Petrodollars) und Gewalt gegen all jene, die sich gegen die für rigide Machtausübung idealen Strukturen und Willkürgesetze stellen, die mit den Islamisten zusammen Einzug halten.

Während der kürzlichen Idiotenvideo-Ausschreitungen in Pakistan twitterten manche Pakistanis auf die Vorwürfe aus dem Westen hin, warum den keine gemässigten gegen die Radikalen auf die Strasse gingen zurück, dass sie sich aus Angst daheim versteckten und sich sicher nicht von diesen Idioten umbringen lassen würden. Doch nun ist es soweit und auch andernorts wird islamistische Willkür nicht mehr einfach so hin genommen: Proteste gegen restriktive Gesetze zeigen auf, dass es Opposition und Dissent gibt.

Doch genau so wie Saudis und andere Golf-Erbdiktaturen ihre Version des Islams mit viel Geld und wenig Skrupeln mehr oder weniger Gewaltsam in der Welt zu verbreiten suchen, so sollte auch der Westen jene Unterstützen, die für Meinungsfreiheit, Menschenrechte und Gleichbehandlung eintreten und gleichzeitig auch die humanitäre Hilfe nicht vergessen. Lippenbekenntnisse sind in Krisen nichts wert: Wasser, Essen und Notunterkünfte hingegen retten Leben.

Der Anschlag auf Malala hat die Taliban in weiten Teilen der islamischen Welt diskreditiert und die fast weinerlichen Reaktionen der Taliban-Sprecher, in denen sie sich zu rechtfertigen versuchen, zeigen, dass ihnen dies Schaden zugefügt hat. Doch es reicht nicht, sich auf die Dummheit dieser verblödeten Killer zu verlassen, sondern es ist humanitäre Pflicht, jenen zu helfen, die vor Ort gegen diese Mörder einstehen. Bei uns ist zudem all jenen Schutz zu gewähren, die auf Grund religiöser Fanatiker flüchten und um ihr Leben fürchten müssen, und es ist mit aller Härte gegen Extremisten unter uns, die gegen die Freiheit kämpfen, vorzugehen.

Ansonsten geben wir nämliche denen Recht, die Mädchen erschiessen würden, nur weil diese zur Schule gehen wollen und sich trauen, dies auch zu sagen.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
New York - Die von islamisch-fundamentalistischen Taliban schwer verletzte pakistanische Schülerin Malala ... mehr lesen
Malala wurde im vergangenen Oktober in den Kopf geschossen.
Malala Yousafzai, ein grosses Vorbild. (Archivbild)
Islamabad - Einen Monat nach dem Mordanschlag auf die 15-jährige ... mehr lesen
Peshawar - Ein Selbstmordattentäter hat im Nordwesten Pakistans den Vorsitzenden eines örtlichen Friedenskomitees und fünf weitere Menschen mit in den Tod gerissen. Der Täter sprengte sich vor dem Auto von Fateh Khan in die Luft, als dieser eine Tankstelle in der Stadt Buner verliess. mehr lesen 
Islamabad - Zwei Wochen nach dem Mordversuch der Taliban an der Schülerin Malala Yousafzai hat Pakistan eine weitere Schülerin aus dem Swat-Tal unter Schutz gestellt. Wegen neuer Drohungen der Extremisten seien Sicherheitsvorkehrungen für die Jugendliche getroffen worden. mehr lesen 
FACES Schauspielerin Angelina Jolie bewundert Menschen, die für ihr Recht kämpfen - allen voran die 14-jährige Malala Yousafzai aus Pakistan. mehr lesen
Angelina Jolie (37) fühlt sich vom Mut Malala Yousafzais (14) inspiriert.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Islamabad/Moskau/London - Nach dem Anschlag auf die 14-jährige Malala Yousafzai hat die pakistanische Regierung 100 Millionen Rupien (970'000 Franken) Kopfgeld auf den Sprecher der Taliban ausgesetzt. Innenminister Rehman Malik verkündete die Belohnung für die Ergreifung von Ehsanullah Ehsan, am Dienstag bei einem Besuch im Swat-Tal. mehr lesen 
In keinem anderen Land wurden seit 2009 so viele Journalisten getötet, wie in Pakistan. (Symbolbild)
Karatschi/Wien - Nachdem vergangene Woche die 14-jährige Aktivistin Malala Yousafzai von Taliban niedergeschossen und ... mehr lesen
Islamabad - Die bei einem Taliban-Überfall schwer verletzte 14-jährige pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai ist zur weiteren medizinischen Versorgung nach Grossbritannien gebracht worden. Das teilte ein Sprecher des Militärs mit. mehr lesen 
Islamabad - Die bei einem Taliban-Überfall schwer verletzte 14-jährige pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai macht langsam Fortschritte bei der Genesung. Das Kind könne mittlerweile wieder seine Hände und Füsse bewegen, sagte ein Militärsprecher am Sonntag. mehr lesen 
Islamabad - Nach dem Mordanschlag der Taliban auf die 14-jährige pakistanische Friedenspreisträgerin Malala ... mehr lesen
Raja Pervez Ashraf
Peshawar - Die Taliban haben im Swat-Tal im unruhigen Nordwesten Pakistans eine junge Kinderrechtsaktivistin angegriffen, die durch Kritik an der radikalislamischen Bewegung zu Bekanntheit gelangt ist. Die Jugendliche wurde am Kopf verletzt; sie ist ausser Lebensgefahr. mehr lesen 
Wut und Angst trifft auf schwammiges Lavieren: «PEGIDA»-Protest in Dresden (15. 12. 2014)
Wut und Angst trifft auf schwammiges ...
Wutbürger, Proteste und die Politiker: Ein Absurdum sondergleichen entwickelt sich immer weiter auf den grossen Knall zu. Kann da jemand noch entschärfen? mehr lesen 
Die Türkei stellt die Achtung der Medienfreiheit infrage, die ein Kernprinzip der Demokratie ist, so die EU.
EU reagiert mit scharfer Kritik auf Festnahmen in der Türkei Brüssel - Als Reaktion auf die jüngsten Festnahmen von Journalisten in der Türkei hat die Europäische Union ... 1
«Pegida» bringt in Dresden 15'000 Menschen auf der Strasse Dresden - Trotz landesweiter Kritik verzeichnet das ... 1
In den USA tobt soeben der Streit, ob der Folter-Report des Senates publiziert werden dürfe, oder nicht. Es werden weltweite Unruhen befürchtet. Aber es fragt sich, ob ein ... mehr lesen  
Folter: Mal etwas härter hin langen macht nichts?
Polen wusste über CIA-Folter Bescheid Washington - Der Bericht des US-Senats über die CIA-Foltermethoden bringt Licht in die Rolle Polens in Washingtons ...
Ein Trikot, ein Name.
Typisch Schweiz Das Gnägi Der Military-Look ist wieder voll angesagt. In der Schweiz ist es das schon seit ...
Ein Glücksbringer, der sogar leuchtet.
Shopping Blink-Blink: Candy Skull Schlüsselanhänger Wer hat eigentlich gesagt, dass der Tod immer eine triste Sache sein muss? In Mexiko ist er farbenfroh und wird regelrecht zelebriert. Typisch dafür ist der ...
Hässige Weihnachten weil alles erledigt ist.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Barrikaden in Berlin, Mai 1929: Vom Crash zur Katastrophe war es kein langer Weg.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
Wut und Angst trifft auf schwammiges Lavieren: «PEGIDA»-Protest in Dresden (15. 12. 2014)
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Staats und Parteichef Xi Jinping (mit Ehefrau Peng Liyuan): Zieht das langfristige Träumen dem Tagespolitischen Albträumen vor.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Haus der Religionen: Prestigeprojekt mit dem Ziel die Verflechtung von Staat und Religion zu stärken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
Seite3.ch
wetter.ch
DO FR SA SO MO DI
Zürich 4°C 7°C bewölkt, Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Basel 5°C 7°C bedeckt, Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 6°C 8°C bewölkt, Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Bern 6°C 9°C bewölkt, Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 7°C 10°C bewölkt, Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Genf 7°C 10°C bedeckt, Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 4°C 10°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
mehr Wetter von über 6000 Orten