Fernsehen aus der Hutschachtel
publiziert: Mittwoch, 29. Sep 2004 / 08:07 Uhr

London - Aus Keksdosen, Stopfnadeln und Hutschachteln bastelte er sein erstes Fernsehgerät: John Logie Baird. Der Schotte verhalf am 30. September 1929 der British Broadcasting Corporation (BBC) zur ersten öffentlichen TV-Übertragung.

Baird, 1888 als Sohn eines Geistlichen geboren, tüftelt schon als Junge aus Leidenschaft: mit einem Motor sorgt er für Strom im Haus seiner Eltern, später studiert er Ingenieurswesen in Glasgow.

Ab 1922 widmet er sich der Entwicklung des "mechanischen" Fernsehens und präsentiert vier Jahre später auf seinem Dachboden einem Publikum von etwa 50 Forschern eine der ersten Fernsehübertragungen weltweit.

Das System

Für seinen "Televisor" benutzt er eine so genannte Nipkow-Scheibe: eine Scheibe mit einem Spiralmuster aus Löchern, die sich auf einer Achse dreht. Hinter die Scheibe stellt Baird einen Sensor mit einem chemischen Element, das photovoltaische Eigenschaften besitzt.

Damit wird das Licht, das zum Beispiel von einer Vase reflektiert wird, in elektrische Signale umgewandelt. Diese Signale werden mit einem Kabel zu einer Glühbirne geleitet, und damit wieder zu Licht verwandelt.

Dank einer zweiten Nipkow-Scheibe, die sich synchron zur ersten dreht und sich vor der Glühbirne befindet, lässt sich das Abbild der Vase auf einer Leinwand oder einem Bildschirm zeigen.

Der Durchbruch

Auch wenn Bairds "Televisor" noch stumm ist, das Forscherteam ist begeistert und Baird überglücklich. Denn bisher hat der Schotte auf seiner Suche nach finanzieller Hilfe nur Spott geerntet. In seinen Erinnerungen vermerkt er, dass Sponsoren auf seine Projekte zumeist reagierten, als hätte er ihnen "ein Bordell" angeboten.

Die Vorführung auf dem Dachboden verhilft ihm zum Durchbruch: Die BBC beauftragt Baird damit, seinen "Televisor" als kommerziell verwertbares Produkt auf den Markt zu bringen. Am 30. September 1929 startet die britische Anstalt ihre erste öffentliche Fernsehübertragung nach Bairds mechanischem System.

Kein Ruhm

Doch der gebührende Ruhm wird ihm nicht zu Teil. Auch ausserhalb von Grossbritannien beschäftigen sich Forscher mit der Entwicklung des Fernsehens. Zum Beispiel der deutsche August Karolus, der seine Erfindung zeitgleich mit Baird präsentieren kann.

Schliesslich ist es ein amerikanischer Entwickler, der sich auf dem Markt durchsetzt: 1936 übernimmt die BBC das vollelektronische System aus den USA und beginnt von nun an, regelmässig zu senden.

Schrulliger Schotte

Baird ist heute nur noch Technik-Nostalgikern ein Begriff, dabei hatte er weit mehr zu bieten als die Erfindung des "Urfernseh-Geräts": Er entwickelte sogar ein Modell, das Bilder in Farbe zeigte, und war der erste, dem die Übertragung von Ultrakurz-Wellen gelang.

Vor lauter Tüftelei vergass er ständig, sich zu rasieren, und auch sein Sinn für Sparsamkeit war recht ausgeprägt. So machte er seiner späteren Frau, einer Pianistin, einen Heiratsantrag am Telefon: "Hör mal, Margaret, dieses Gespräch kostet mich 10 Pfund die Minute. Also bitte entscheide dich schnell!"

(Hindeja Farah/dpa)

 
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