Feuer, Fussball und Faschisten
publiziert: Donnerstag, 14. Apr 2005 / 08:25 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 14. Apr 2005 / 13:44 Uhr

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Was sich am Dienstag im Mailänder 'Stadio Giuseppe Meazza' abgespielt hat, ist bloss ein weiteres Kapitel in der beschämenden Saga "Fussballverrücktheit". Nicht im Sinne von deliriumähnlichen Spielszenen, wo das Publikum auf den Rängen vor Herzklopfen nicht auf den Beinen stehen kann und schreit, singt, johlt, nein. Vorgestern zeigte sich die animalischste aller Eigenschaften des Menschen.

Im Vorfeld eines italienischen Derbys werden die Sicherheitsmassnahmen immer hochgeschraubt. Gewöhnlich werden schon etliche Stunden vor Anpfiff "tafferugli" (Krawalle) gemeldet - damit hat sich die italienische Öffentlichkeit abgefunden. Aber ab und an arten diese Krawalle zu regelrechten Strassenschlachten aus. Es sind noch keine zwei Jahre vergangen, seit dem Sergio Ercolano im Stadion von Avellino zu Tode stürzte. Auch hier handelte es sich übrigens um ein Derby, gegen den Erzrivalen Napoli.

Danach wurde das Thema Stadiongewalt in den italienischen Medien stark fokussiert, Innenminister Beppe Pisanu sagte: "Das Mass ist voll." Passiert ist nichts. Die wöchentlichen Gewaltszenen gingen munter weiter. Weder die FIFA noch der italienische Fussballverband wollte es wahr haben, dass es Leute gibt, die in ein Fussballstadion treten, um vorsätzlich Gewalt gegen irgendjemanden anzuwenden. Dass viele ungeachtet der Mannschaften, die auf dem Feld stehen, einfach nur Lust haben, die Gegner auszuschimpfen und wenn möglich zu verprügeln.

Hier muss man aber eine Unterscheidung machen. Das Ausschimpfen ist Teil der italienischen Fussballkultur. Ironische Transparente und Chöre nennt man "sfottò", wie etwa jenes, das Juve-Fans in Turin an ihr Ex-Idol Zinedine Zidane richteten: "scusa Zidane, ma l'amore è cieco". (Entschuldige Zidane, aber die Liebe ist blind/tschechisch. Wobei blind und tschechisch auf Italienisch gleich geschrieben werden. Gemeint war damit natürlich Pavel Nedved).

Dies aber nur zur Verteidigung der wahren Fans. Gerade Juventus Turin kennt sich mit Tragödien im Stadion aus. Vor 20 Jahren geschah das Massaker von Brüssel. 39 Menschen (vorwiegend Italiener) wurden zu Tode erdrückt beim Champions League Finalspiel zwischen Juventus und Liverpool im Heysel-Stadion. Vor einer Woche trafen die zwei Mannschaften wieder aufeinander und es wurde von beiden Seiten rührend an das Ereignis erinnert. Nur Gesten, leider.

Denn am vergangenen Wochenende sah man im Römer 'Stadio Olimpico' wieder mal, was Fussballrealität ist: Beim Spiel Lazio - Livorno wurden im Lazio-Sektor faschistische Chöre angestimmt und Nazi-Fahnen geschwenkt. Man sah am Schluss sogar klar das selbstredende Transparent "Roma è fascista". Lazio-Präsident Claudio Lotito wurde gar mit "Duce, Duce" begrüsst. Lazio- oder Livorno-Fahnen suchte man vergeblich.

Sind Fussballstadien zu politischen Arenen mutiert? Oder zu Spielwiesen für frustrierte Schläger und Faschos?

Sicher gibt es auch Sicherheitsleute, die gnadenlos den Knüppel sprechen lassen, wenn sich etwas in den Rängen bewegt. Aber was in der vorgestrigen Partie geschah, wurde nicht provoziert. Es sei denn, das gute Spiel von AC Milan gilt als Provokation. Die Frustration eskalierte dermassen, dass jemand, vielleicht unwissentlich, Milan-Torwart Dida 10 Zentimeter neben dem Gesicht mit einer Feuerpetarde traf.

Dafür muss jetzt Inter geradestehen. Einige Petardenwerfer werden wahrscheinlich Stadionverbot erhalten, was aber nichts bringen wird. Denn wo Schweineköpfe und ganze Motorroller reingeschmuggelt werden können, kommen auch Feuerwerkskörper rein.

(von Maurizio Minetti/news.ch)

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