Nach nur einer halben Stunde Schlaf stellte sich Marcel Fischer zum Interview, strahlend und frisch, als ob er eben von einer Jogging-Runde zurückgekommen wäre. Ein Gespräch mit dem Olympiasieger.

Marcel Fischer: Ich legte mich etwa um vier Uhr ins Bett, doch blieb ich die ganze Zeit wach. Geschlafen habe ich von halb zehn bis zehn. Gedanken drehten sich in meinem Kopf, der Olympiasieg, die Entbehrungen, die ich auf mich nehmen musste, die Probleme, die ich in diesem Jahr hatte...
... in dem wenig auf einen Olympiasieg hindeutete.
Fischer: Das ganze Jahr war eine Katastrophe, fast nur Rückschläge, angefangen mit der WM in Havanna, wo wir die Olympia-Qualifikation verpassten, dann die Schulter-Operation. Ich wusste nicht einmal, ob ich überhaupt in die Qualifikationsturniere eingreifen kann. Dann wurde ich als Nummer 3 der Welt ins Zonenturnier verwiesen, da nur ersten zwei für Athen einen Fixplatz bekamen. Das Risiko, ein Jahr mit dem Studium zu verlieren, privat fast keine Zeit zu haben. Da war ich mehrmals am Ende und wusste nicht, wie es weitergehen soll.
Und jetzt sind Sie Olympiasieger.
Fischer: Das ist einmalig. So etwas erlebe ich wahrscheinlich in dieser Intensität nie mehr. Allmählich beginne ich zu realisieren, was passiert ist. Mir gingen all die Namen durch den Kopf, die auch schon Olympiasieger waren. Das waren alles "Riesen"-Fechter, die ich als Junior bewundert habe. Jetzt gehöre ich selber dazu. Es ist ein Wahnsinn.
Sie sagten nach ihrem Triumph, Sie würden auch als Olympiasieger der selbe Marcel Fischer bleiben. Aber das Attribut Olympiasieger wird wohl immer mit Ihrem Namen verbunden bleiben.
Fischer: Das ist sicher eine angenehme Erscheinung, doch hoffe ich, dass das Umfeld unverändert bleibt. Ich hatte bis jetzt ein Super-Leben, an dem wird wohl auch der Olympiasieg nichts ändern wird. Es ist einfach schön, für den gewaltigen Aufwand und die vielen Verzichte eine Belohnung erhalten zu haben. Es ist eine Entschädigung für den Schweiss, denn ich bin einer, der nicht so gerne trainiert.
Als Olympiasieger im Skirennsport oder Tennis wären Sie jetzt ein gemachter Mann. Stellt sich auch für einen Olympiasieger im Fechten die Frage nach der Vermarktung?
Fischer: Dieser Aspekt ist sekundär. Ich habe den Sport immer betrieben, weil ich primär Freude daran hatte. Ich liebe diesen Sport unabhängig vom Geld. Und mache mir überhaupt keine Gedanken darüber.
Fechten gilt als Randsportart und steht höchstens alle vier Jahre im Mittelpunkt. Welche Impulse wird diese Goldmedaille nach ihrer Einschätzung auslösen?
Fischer: Ich hoffe, dass sie etwas auslöst, vor allem bei den Jungen. Und auch in meinem Umfeld und bei meinen Fechtkollegen im Hinblick auf Peking, dass sie dadurch motiviert werden, weiterhin alles zu geben.
Also denken Sie bereits an 2008?
Fischer: Dort den Titel verteidigen zu können wäre etwas Spezielles. Doch im Moment bin ich ja noch nicht qualifiziert, und wir wissen ja nicht, ob Degenfechten der Männer dann überhaupt im olympischen Programm figuriert. (Wegen der Teilnehmer-Kontingentierung wird alternierend eine Sparte ausgewechselt. Für Athen wurde Frauen-Florett gestrichen, die Red.)
Geniessen Sie von jetzt an Olympia als Zuschauer?
Fischer:Ich weiss noch nicht, wie lange ich in Athen bleiben werde. In Sydney blieb ich die ganze Zeit und ging Sportarten anschauen, die ich überhaupt nicht gekannt habe. Vor allem in meiner Lieblingssportart Tennis, die ich früher selber betrieben habe, möchte ich noch einige Spiele anschauen, obwohl Roger Federer leider ausgeschieden ist. Von seiner Niederlage bin ich zwischen Halbfinal und Final in Kenntnis gesetzt worden, nachdem ich mich erkundigt hatte.
Nochmals zurück zum Turnier. Was waren letztlich die entscheidenden Faktoren: Technik, Taktik, die mentale Stärke? Wettkampfglück benötigten Sie ja überhaupt nicht.
Fischer: Ich habe mir das selber überlegt und gestaunt, dass man Olympiasieger werden oder eine Medaille gewinnen kann ohne ein 15:14 (Fischer gewann die beiden entscheidenden Gefechte klar 15:9!, die Red.). Am engsten war es gegen den Venezolaner Fernandez mit 15:13 im Viertelfinal, aber eigentlich hatte ich auch ihn im Griff. Halbfinal und Final verliefen traumhaft, da bot ich sicher auch taktisch gute Leistungen. Ich fühlte mich gut und hätte am liebsten permanent angegriffen. Aber der Trainer mahnte mich, auf Abwarten zu fechten. Das war vielleicht für die Zuschauer nicht sonderlich attraktiv, aber für mich gut.
Das heikelste Gefecht war das erste gegen den ägyptischen Aussenseiter Ahmed Nahib, den Sie gar nicht gekannt haben.
Fischer: Das war das schwierigste. Der Kampf war knapper, als das Resultat ausdrückt, ich lag ja noch 6:8 zurück. Es war eine harzige Sache. Ich fühlte mich unsicher, ganz anders als in den übrigen Matches.
Und im Final wären Sie lieber gegen den Russen Pavel Kolobkow als gegen Chinesen Wang Fei angetreten, obwohl dieser der Olympiasieger 2000 war.
Fischer: Den Russen hatte ich zuletzt zweimal geschlagen, an Wang Fei hatte ich aber negative Erinnerungen: Beim letzten Teamwettkampf fing ich gegen ihn eine Minus-vier-Bilanz ein. Und auch vor dem Weltcup-Turnier in Vancouver, als ich mit ihm trainiert hatte, sah ich alt aus. Ich wollte auch in Athen noch mit ihm trainieren. Er hat aber abgesagt...
- JasonBond aus Strengelbach 3582
Ukraine F1 Rennen in Bahrain, EM in Ukraine, ESC in Azerbaijan. Alles ... Sa, 28.04.12 17:26 - jorian aus Gretzenbach 826
abseitsregel http://de.wikipedia.org/wiki/Abseits wurde der schiri bezahlt??? So, 15.04.12 19:02 - Heidi aus Oberburg 705
Sorry aber könnte man in solchen Fällen schon im Titel schreiben, um welche ... Fr, 13.04.12 22:54 - bingo aus Urdorf 1
Einsatz Morant Dass dieser Kick-Boxer Morant mit 2 Spielsperren bestraft wird ist die ... So, 08.04.12 23:47 - PatriciaAussems aus Montzen/B 55
Pech? Es wäre interessant zu erfahren ,was R.Stämpfli dazu sagen würde. So, 01.04.12 17:59 - JasonBond aus Strengelbach 3582
Da habe ich auch gestaunt das man Dosé nimmt. Gibt es denn so wenige Führungskräfte, dass man ... Do, 29.03.12 15:35 - BigBrother aus Arisdorf 1246
(un)überlegte Handlung ? Die Ratten verlassen das sinkende Schiff... Das Engagement von Sutter ... Do, 29.03.12 14:56 - JasonBond aus Strengelbach 3582
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