«Fliegen ist mein Leben»
publiziert: Sonntag, 1. Mrz 2009 / 00:02 Uhr

«Viele Leute gönnen mir diesen Titel. Ich spüre das», sagte Skisprung-Weltmeister Andreas Küttel am Tag nach seinem bislang grössten Triumph. Am Samstagabend durfte er auf dem Benese-Platz im Zentrum von Liberec seine Goldmedaille in Empfang nehmen.

Freut sich wie ein Schneekönig: Skisprung-Weltmeister Andreas Küttel.
Freut sich wie ein Schneekönig: Skisprung-Weltmeister Andreas Küttel.
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Der Einsiedler genoss den Tag nach seinen Triumph zusammen mit seinen Eltern und der Freundin Dorota. Er wirkte beim Medientermin in der Innenstadt in einem Café ausgeglichen und locker.

«Ich konnte nach dem anstrengenden Tag ausgezeichnet schlafen», erzählte der 29-Jährige. Am Wettkampftag sei er ohne Wecker bereits um 6 Uhr aufgestanden und erst nach einem Discobesuch tief in der Nacht wieder ins Bett gekommen.

«Das Stand-by für den zweiten Sprung hat mich am meisten Energie gekostet». Den Rummel nach seinem Erfolg konnte er dann gelassener nehmen. Auf die Siegerehrung im Stadion folgten noch die Medienkonferenzen, die Dopingkontrolle und anschliessend eine spontane Feier in der Unterkunft der Schweizer.

Zu Gast im Fernsehen, danach nach Hause

Die Heimreise wird Küttel am Sonntagnachmittag antreten und im Fernseh-Studio in Zürich einen Stopp einlegen. Am Abend ist der Weltmeister zu Gast im Sportpanorama. Auf Montagabend wollen die Einsiedler ihren Helden, der sich am Freitag in nur einem Sprung vor Martin Schmitt (De) und Anders Jacobsen (No) durchgesetzt hat, empfangen.

«Im Januar hätte ich auch nicht an den Weltmeister Küttel geglaubt», gestand der fünffache Weltcup-Sieger. Nach einer mässigen Vierschanzentournee zog er sich in Hinterzarten (De) zum Training zurück, um seine Materialabstimmung wieder zu finden. «Meine Erfahrung hat mir in dieser Phase viel geholfen», betonte Küttel. Er habe die Negativdrehung seiner Formspirale in eine positive Rotation umwandeln können. «Von da an ging es nur noch auswärts.»

Küttel als eigener Coach

Küttel ist ausgebildeter Turn- und Sportlehrer und hat sich schon oft überlegt, wie er als Trainer den Sportler Küttel coachen würde. Seine Antwort: «Andreas braucht für den Erfolg einerseits die Vorfreude auf den Wettkampf und andererseits das Selbstvertrauen aus guten Sprüngen.» Letzteres habe er sich mit einer starken Trainingseinheit nach dem Weltcup auf der Olympiaschanze von Vancouver 2010 geholt.

«Fliegen ist mein Leben», sagte der akkribische Arbeiter. Gleichzeitig könne er sich derzeit nicht vorstellen, noch länger als zwei Jahre zu springen. «Ich gebe im Training immer 100 Prozent, das ist meine Art.» Nur wenn er alles gegeben habe, könne er danach die Freiräume geniessen. Sonst würden sich seine Gedanken immer um die Frage drehen, ob er nicht noch mehr aus dem Tag hätte herausholen können.

Immer 100 Prozent

Und als Profi müsse man einfach 100 Prozent geben, sonst gehe der Anschluss an die Besten bald verloren. Er habe zwar ein ausgeprägteres Harmoniebedürfnis als Simon Ammann, «aber für den Wettkampf habe ich gelernt, den Schalter umzulegen.»

«Ich ordne meinem Sport alles unter», strich Küttel heraus und sieht deswegen schon ein Problem auf sich zukommen. «Ich habe mir für den nächsten Sommer vorgenommen, noch mehr in die Regeneration zu investieren. Als Weltmeister muss ich dann oft Nein sagen. Das wird schwierig werden.»

Ins Thema ´Abstand zum Skispringen gewinnen´ gehören auch seine eigenen vier Wände. Bloss wenige Gegenstände erinnern ihn in seiner Wohnung an seinen Beruf. Die meisten Pokale und Erinnerungsstücke lagern im Elternhaus.

(Hans Leuenberger, Liberec/Si)

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