Schockiert nach Tragödie im Burgenland
Flüchtlingskrise dominiert Wiener Westbalkan-Konferenz
publiziert: Donnerstag, 27. Aug 2015 / 14:50 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 27. Aug 2015 / 21:30 Uhr

Wien - Die Flüchtlingskrise in Europa und die Tragödie auf der österreichischen Autobahn mit bis zu 50 toten Flüchtlingen haben die Konferenz zur EU-Integration der Westbalkan-Staaten in Wien dominiert. Die genaue Zahl der verwesten Körper wird am Freitag erwartet.

6 Meldungen im Zusammenhang
Am Donnerstagvormittag hatte die österreichische Polizei an der Autobahn 4 im Burgenland südöstlich von Wien einen am Strassenrand abgestellten Kühllastwagen sichergestellt. Er war nach ersten Erkenntnissen der Ermittler in der Nacht aus Ungarn gekommen.

Im Laderaum fanden die Beamten mehrere Dutzend Leichen. Klarheit über die genaue Zahl der teilweise bereits verwesten Opfer erhoffen sich die Behörden bis Freitagvormittag. Landespolizeichef Hans Peter Doskozil sprach von mindestens 20 oder auch 40 bis 50 Toten. Der Fundort befindet sich in der Nähe der ungarischen Grenze.

Merkel und Faymann fordern einheitliche EU-Politik

Die Teilnehmer der Konferenz in Wien zeigten sich erschüttert über das Unglück. Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel wollen ein gemeinsames Vorgehen in der Flüchtlingskrise in der EU forcieren, gemeinsam mit Frankreich, Italien und Griechenland.

Merkel mahnte in Richtung EU-Partner, die sich bisher zögerlich oder gar ablehnend zeigten, Flüchtlinge zu übernehmen. "Die Welt schaut auf uns. Österreich und Deutschland und viele andere sind dazu bereit, und wir werden darüber mit Nachdruck reden", sagte sie.

Merkel sprach sich für eine faire Verteilung von Flüchtlingen aus und sah eine direkte Verbindung zwischen geplanten Registrierungszentren in Italien und Griechenland, von denen aus Flüchtlinge verteilt werden sollen, mit Quoten.

Sie will vor allem Asylanträge von Personen mit hoher Aufnahmechance, wie etwa Syrer, und Anträge von Personen mit äusserst geringer Aufnahmechance, wie Bürger des Westbalkans, schnell bearbeitet wissen.

Faymann forderte einmal mehr eine "faire Verteilung mit verpflichtenden Quoten". Die Schlepperkriminalität verurteilte er scharf.

Beim Arbeitsessen der Konferenzteilnehmer wurde im Beisein von Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer eine Schweigeminute für die umgekommenen Flüchtlinge auf der Autobahn A4 abgehalten.

Statt Beschuldigungen echte Zusammenarbeit

Die EU-Kommission habe verbindliche Aufnahme-Quoten schon im Mai vorgeschlagen, es liege an den Mitgliedsstaaten, solche zu beschliessen, sagte die Aussenbeauftragte Federica Mogherini in Wien.

Die Dublin-Regelungen funktionieren aus ihrer Sicht in der aktuellen Situation nicht. Sie werde in Kürze auch eine Liste sicherer Herkunftsstaaten vorlegen, die für alle EU-Länder gelten solle, kündigte Mogherini an.

Der Westbalkan ist zu einer Durchgangsroute für Flüchtlinge aus der Nahost-Region geworden, die von Griechenland weiter über Mazedonien und Serbien nach Ungarn und schliesslich in Zielländer wie Deutschland, Österreich oder andere west- und nordeuropäische Staaten wollen.

Aber auch zahlreiche Bürger der Westbalkan-Staaten selbst, insbesondere des Kosovo, aber auch Serbiens wollen in der EU Asyl erhalten. Die sechs Erweiterungsländer bekräftigten, dass sie sich selbst als sichere Staaten sehen.

Der Flüchtlingsansturm auf Europa hielt unterdessen an. Laut ungarischer Polizei kamen allein am Mittwoch 3241 Einwanderer über die Grenze zu Serbien ins Land - so viele wie noch nie an einem Tag.

Hilfspaket von 600 Millionen Euro

Wichtigster Beschluss der Konferenz in Wien ist ein 600 Millionen-Euro-Paket für zehn grenzübergreifende Infrastrukturprojekte für Albanien, Montenegro, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Mazedonien. Unter anderem geht es um eine Autobahn vom serbischen Nis über die kosovarische Hauptstadt Pristina bis zur albanischen Küstenstadt Durres. Weiter wird die Eisenbahnstrecke zwischen Belgrad und Sarajevo modernisiert.

Beschlossen wurde auf der Konferenz auch die Errichtung zweier Zentren in Tirana und Belgrad, die den Jugendaustausch innerhalb der Region und mit den EU-Staaten fördern sollen.

(bert/sda)

Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Mit dem letzten Geld auf Seelenverkäufer für etwas Grundsicherung in der Flüchtlingsunterkunft?
Etschmayer Gutmenschen sind verachtenswert, Weltverbesserer sind gefährlich, die Schwachen müssen bekämpft, die Schwächsten ... mehr lesen
Budapest - In Ungarns Hauptstadt Budapest hat die Polizei am Montag Flüchtlinge nicht länger von der Weiterreise nach Österreich und Deutschland abgehalten. Hunderte seit Tagen an ... mehr lesen
Eisenstadt - Eine Flüchtlingstragödie ... mehr lesen 2
Weitere Artikel im Zusammenhang
Die EU will gegen Schlepperbanden auf See vorgehen.
Brüssel - Die EU-Aussen- und Verteidigungsminister haben grünes Licht für die Vorbereitung eines EU-Marineeinsatzes gegen kriminelle Schlepperbanden im Mittelmeer gegeben. Sie billigten am Montag ... mehr lesen
Der...
Grenzschutz wird noch immer überschätzt. Es reicht, wenn man aufhören würde, jeden Hergelaufenen hier zu versorgen.
Es gibt nirgendwo die Verpflichtung, dass ein Staat jeden Menschen, der ihn betritt versorgen müsse.
Touristen können nach wie vor gerne herkommen.
Aber wer hier kriminell wird, kommt ins Gefängnis und wird anschliessend abgeschoben.
Alles ganz einfach so, wie es seit langem im Gesetz steht.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Noch 51 Prozent befürworten einen Verbleib in der EU.
Noch 51 Prozent befürworten einen Verbleib in ...
Befürworter holen auf  London - Die Gegner eines Verbleibs Grossbritanniens in der EU holen einer neue Umfrage zufolge auf. In einer am Montag vorab verbreiteten Erhebung für den «Daily Telegraph» behaupten die Befürworter eines Verbleibs in der EU mit 51 gegen 46 Prozent zwar eine Mehrheit. mehr lesen 
Deutschland - Die Linke  Magdeburg - Ein unbekannter Mann hat die Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht auf dem Parteitag in Magdeburg mit einer Schokoladentorte beworfen. Zu der Aktion bekannte sich eine antifaschistische Initiative «Torten für Menschenfeinde». mehr lesen  
G7-Gipfel in Japan  Ise-Shima - Die G7-Staaten haben die Flüchtlingskrise als «globale Herausforderung» anerkannt und weltweites Wirtschaftswachstum als «dringende ... mehr lesen   1
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 9°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Basel 11°C 24°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 12°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Bern 9°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
Luzern 10°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Genf 12°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
Lugano 12°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten