Fluglotsen-Fall wird neu aufgerollt
publiziert: Samstag, 25. Nov 2006 / 12:40 Uhr

Zürich - Das Zürcher Obergericht muss im Fall der Tötung eines Fluglotsen nochmals über die Bücher.

Der Täter erachtete den Fluglotsen als Hauptschuldigen des Flugzeugunglücks.
Der Täter erachtete den Fluglotsen als Hauptschuldigen des Flugzeugunglücks.
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Das Kassationsgericht hat eine Beschwerde des Verurteilten teilweise gutgeheissen: Das Strafmass von acht Jahren Zuchthaus muss neu beurteilt werden.

Am 26. Oktober 2005 hatte das Obergericht den heute 50-jährigen Russen wegen vorsätzlicher Tötung zu einer achtjährigen Zuchthausstrafe verurteilt.

Die Tat erfolgte als Folge des Flugzeug-Crashs vom 1. Juli 2002 bei Überlingen D, bei dem der Russe seine Familie verloren hatte. In seinen Augen trug der damals Diensttuende Skyguide-Fluglotse die Hauptschuld an dem Unglück.

Innerer Widerspruch

Beide Parteien fochten das Urteil an. Das Kassationsgericht hat nun seinen Entscheid zur Beschwerde des Verurteilten veröffentlicht.

Es stösst zwar nicht die Qualifikation der Tat als vorsätzliche Tötung um, weist das Gericht aber an, das Strafmass neu zu beurteilen.

Gemäss Kassationsgericht ist die obergerichtliche Feststellung, der Angeklagte habe eine «latente, unterschwellige Bereitschaft» gehabt, den Lotsen zu töten, nicht haltbar. Es gebe dabei einen inneren Widerspruch.

Ankläger gefolgt

Eine Tatbereitschaft impliziere einen Willen und damit ein Bewusstsein. War bei dem Beschwerdeführer ein solches Bewusstsein nur latent vorhanden, konnte er aktuell keine solche Bereitschaft haben.

Im Prozess vor dem Obergericht hatte der Verteidiger des Angeklagten für eine dreijährige Gefängnisstrafe plädiert. Die Tat wollte er als Totschlag qualifiziert wissen. Der Staatsanwalt dagegen hatte die Tötung des Fluglotsen als vorsätzlich - hart an der Grenze zum Mord - gesehen und 12 Jahre Zuchthaus gefordert.

Das Gericht folgte in der Tatqualifikation dem Ankläger. Es hielt aber dem Angeklagten eine in mittlerem bis hohem Grad verminderte Zurechnugsfähigkeit zum Zeitpunkt der Tat zugute.

(rr/sda)

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