Flugverkehr: freiwillig kompensieren trotz EU-ETS
publiziert: Donnerstag, 19. Jul 2012 / 16:58 Uhr
Gastautor René Estermann ist Geschäftsführer der Stiftung myclimate.
Gastautor René Estermann ist Geschäftsführer der Stiftung myclimate.

Seit dem 1.1.2012 ist der internationale Flugverkehr ins Europäische Emissionshandelssystem EU-ETS einbezogen. Ich begrüsse dies als weiteren kleinen - leider nur regionalen - Schritt hin zum Verursacherprinzip. Die freiwillige CO₂-Kompensation bleibt unabdingbar. Nötig beim Flugverkehr wäre ein globaler ETS-Ansatz mit ambitionierterem Emissionsziel und voller Kostenübernahme der Emissionen oder eine obligatorische CO₂-Kompensation.

1 Meldung im Zusammenhang
Die EU an- und wegfliegenden Fluggesellschaften sind seit diesem Jahr im sogenannten «EU ETS» einbezogen, dem Europäischen Emissionshandelssystem. Definiert wurde ein Emissionsziel (Cap) von 95% bis 2020, das heisst ein Reduktionsziel von 5% bezogen auf 2004-2006. Mehr als 80% ihrer Emissionsrechte erhalten die Fluggesellschaften kostenlos (sog. free allocation) zugeteilt - zu grosszügig aus meiner Sicht. Nur für die restlichen Emissionen bezahlen die Fluggesellschaften einen Preis für den Einkauf von Emissionsrechten aus dem europäischen Emissionshandel oder von Projekten in Entwicklungsländern (CDM). Noch offen ist der Einbezug des Flugverkehrs von und in die Schweiz ins EU-ETS oder äquivalente Massnahmen, wie zum Beispiel eine umfassende CO₂-Kompensation.

Tatsächliche Emissionsreduktionen

Die freiwillige CO₂-Kompensation ist von dieser Neuregelung nicht betroffen und weiterhin unerlässlich für alle, die ihre Klimagasemissionen vom Flug ausgleichen wollen. Dies zumindest solange bis ein globaler Ansatz mit Verursacherprinzip und/oder eine obligatorische CO₂-Kompensation eingeführt sind - natürlich im Gleichschritt mit Massnahmen bei den anderen Treibhausgasemittenten wie der fossilen Stromproduktion oder beim Treib- und Brennstoffverbrauch

Bei der freiwilligen CO₂-Kompensation mit myclimate werden die Flugemissionen, die eine Person verursacht, nachweislich über konkrete Einsparungen in einem hochwertigen Klimaschutzprojekt ausgeglichen. Mit unserer CO₂-Kompensation findet also tatsächlich und global gesehen eine zusätzliche Emissionsreduktion in einem nachhaltigen Klimaschutzprojekt statt und dies in vollem Umfang der Flugemissionen. Beim Einbezug der Fluggesellschaften in den europäischen Emissionshandel ist dies mindestens zur Zeit noch nicht der Fall. Aufgrund eines erfolgreichen politischen Lobbyings werden im EU-ETS zu viele Emissionsrechte immer noch kostenlos vergeben. Damit steckt für den Klimaschutz zu viel wirkungslose sogenannte «Hotair» im EU-ETS-System.

Kunden wollen CO₂-Kompensation im Produkt integriert

Bis anhin ist die CO₂-Kompensation für Reisende oft noch zu umständlich organisiert: Nach dem Kauf der Reise oder des Flugtickets muss man auf separaten Webseiten die CO₂-Kompensation selbst abwickeln. Das tun zwar immer mehr Leute, doch für die breite Masse ist das zu umständlich. Eine ins Flugticket oder Reisearrangement integrierte CO₂-Kompensation wird hingegen von vielen Reisenden bestens angenommen. Die Kunden begrüssen eine solche Vereinfachung.

Die Fluggesellschaften und viele Reiseveranstalter verhalten sich hinsichtlich der CO₂-Kompensation bisher leider zu passiv und defensiv. Da besteht beträchtliches Verbesserungspotential. Wenn beispielsweise nur 10% aller Swiss- und Lufthansa-Kunden kompensieren würden, könnte myclimate sofort fünf Mal mehr Klimaschutzprojekte unterstützen, als wir dies heute bereits tun. Und das würden wir sehr gerne, denn viele hervorragende Klimaschutzprojekte stehen in der Warteschlange bei uns, um realisiert zu werden. Wir können diese erst dann realisieren, wenn bedeutend mehr CO₂-Emissionen kompensiert werden bzw. uns bedeutend mehr Klimaschutzfördergelder zur Verfügung stehen.

Unzulänglichkeiten des europäischen Emissionshandels oder Unsicherheiten bezüglich der Berechnungen der vollen Klimawirksamkeit der Flugverkehrsemissionen sind höchstens schlechte Ausreden, schon heute das zu tun, was für den Klimaschutz bereits heute gut funktioniert und wirkt: CO₂-Kompensation in nachhaltigen Klimaschutzprojekten.

(Gastautor René Estermann/ETH-Klimablog)

?
Facebook
SMS
SMS
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Brüssel - Im internationalen Streit um den Emissionshandel für die Luftfahrt hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die ... mehr lesen
China, die USA, Indien und Russland hatten die Beteiligung am Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten abgelehnt.
Dr. Tobias Schmidt, ETH Zürich.
Dr. Tobias Schmidt, ETH Zürich.
Der Umbau des Energiesystems zu einem CO₂-armen Sektor bedingt enorme Investitionen, auch in Entwicklungs- und Schwellenländern. mehr lesen 
Tiefe Erneuerungsraten sind ein zentrales Hemmnis für einen energieeffizienten Gebäudebestand. Obwohl Technologien auf dem Markt erhältlich sind, scheint es, dass Hauseigentümer nur zögernd in Energieeffizienz investieren. ... mehr lesen
Doktorandin Céline Kind (früher: Ramseier), ETH Zürich.
Die grüne Revolution war sehr erfolgreich. Dank neuen Pflanzensorten und wachsendem Einsatz von Dünger und Pestiziden haben wir weltweit die Getreideernte in den letzten fünfzig Jahren fast verdreifacht. Die Wasserqualität hat allerdings gelitten: Dies zeigen Algenteppiche vor den Meeresküsten und Insektenvertilgungsmittel im Trinkwasser. mehr lesen  
Bernhard Wehrli ist Professor für Aquatische Chemie an der ETH Zürich und an der Eawag.
Wasserqualität: Gold glänzt nicht überall Die Krise der Wasserversorgung birgt weltweit die grössten sozialen Risiken. Eine aktuelle Studie des Weltwirtschaftsforums ...

Wissen aus erster Hand

Der ETH-Klimablog nimmt die aktuelle Debatte zum Klimawandel auf. Er bietet eine Plattform für die breite Öffentlichkeit wie auch für Fachleute. 20 Professorinnen und Professoren schreiben zu verschiedenen Wissensgebieten und thematisieren auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte. Prominente Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Studierende tragen mit eigenen Beiträgen zur Diskussion bei.

Lesen Sie weitere Beiträge und diskutieren Sie mit auf: www.klimablog.ethz.ch

Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MI DO FR SA SO MO
Zürich 20°C 29°C sonnig und wolkenlos leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Basel 16°C 29°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
St.Gallen 22°C 31°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Bern 18°C 33°C sonnig und wolkenlos leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Luzern 19°C 34°C leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Genf 18°C 33°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen
Lugano 22°C 31°C leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten