Riesige Aufregung
Flut an Studien bei Abstimmung über zweite Gotthardröhre
publiziert: Montag, 8. Feb 2016 / 14:02 Uhr
Die Gotthardröhre spaltet die Gemüter.
Die Gotthardröhre spaltet die Gemüter.

Bern - Selten hat eine politische Debatte eine solche Zahlenflut ausgelöst wie die Abstimmung über den Bau einer zweiten Gotthardröhre. Im Wochenrhythmus führen Gegner wie Befürworter die Meinungen von Experten ins Feld. Am Montag war die Reihe an der Alpen-Initiative.

4 Meldungen im Zusammenhang
Der Verein brachte erneut den neuen Gotthard-Basistunnel ins Spiel, der im Dezember in Betrieb genommen wird. Mit der NEAT könnten mehr Güter auf der Schiene durch die Alpen transportiert werden als man heute insgesamt auf Strasse und Schiene verfrachte, sagten Vertreter der Alpen-Initiative am Montag vor den Medien in Bern.

Die Tunnelgegner stützen sich dabei auf eine Studie von Heinz Pulfer, Experte für internationale Bauplanung. Darin kommt er zum Schluss, dass mit der NEAT rund 50 Millionen Tonnen Güter pro Jahr auf der Schiene durch die Alpen transportiert werden könnten. Damit wäre es möglich, während der Sanierung des Strassentunnels eine kurze Rollende Landstrasse zwischen Uri und Tessin einzurichten.

Stimmbürger nicht überfordert

Es ist nicht das erste Mal, dass die Alpen-Initiative ihre Argumente mit einer Studie untermauert. Bereits im November rechnete der Verein vor, dass die Schweiz ihre Klimaziele nur mit weniger Lastwagen erreichen könne. Aus Sicht der Alpen-Initiative wäre ein zweiter Strassentunnel durch den Gotthard deshalb abzulehnen.

Mathias Reynard, Vorstandsmitglied der Alpen-Initiative und Walliser SP-Nationalrat, verteidigt die Studien. Er glaubt nicht, dass damit die Stimmberechtigten überfordert würden. Die Alpen-Initiative wolle mit den Studien lediglich das Potenzial für die Verlagerung von Gütern von der Strasse auf die Schiene aufzeigen.

Viele Bauexperten

Doch nicht nur die Gegner setzen auf die Wissenschaft. Auch die Befürworter bringen Studien und Gutachten ins Spiel. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Sicherheit. So würde laut einer Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) die Zahl der Unfälle mit Verletzten im Gotthard von heute elf auf fünf pro Jahr sinken.

In die Diskussion schaltete sich am Samstag auch Verkehrsministerin Doris Leuthard ein. «Ich staune schon, dass jetzt jeder Bauexperte ist und noch eine Idee äussert», sagte die Bundesrätin in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung». Es gebe viele Berichte und es sei immer die Frage, was man wo herauslese.

Sollte das Stimmvolk eine zweite Gotthardröhre ablehnen, kommt für Verkehrsministerin Doris Leuthard als Alternative nur die Sanierung des bestehenden Tunnels mit einer Verladelösung in Frage. «Alle Vorschläge, die jetzt wieder gemacht werden, haben wir bereits studiert. Was soll in einigen Jahren komplett anders sein?»

Ungewisse Zukunft

Dass sich Studien widersprechen, musste der Bundesrat aber selbst erfahren. In seiner Botschaft ans Parlament im Jahr 2013 hiess es, dass ohne Sanierung des Gotthardtunnels die Sicherheit ab 2025 nicht mehr vollumfänglich gewährleistet werden könne.

Ein Ende 2015 veröffentlichtes Gutachten im Auftrag des Bundes zeigt nun aber, dass der Tunnel bis 2035 sicher betrieben werden könnte. Die dafür nötigen Arbeiten könnten während der üblichen Nachtsperren durchgeführt werden.

(pep/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Die jetzige Planung der zweiten Röhre ist von Bürokraten und Politikern gemacht und berücksichtigt ausschliesslich das ... mehr lesen
 
Die Gegner der Abstimmung rechnen mit einem massiv erhöhten Schwerverkehrsaufkommen. (Symbolbild)
Bern - Nach Ansicht der Gegner ist ein zweiter Strassentunnel durch den Gotthard ... mehr lesen
Bern - In die Debatte um einen zweiten Gotthard-Tunnel mischt sich nun auch Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger ein. Für den ... mehr lesen 2
Leuenberger glaubt nicht daran, dass beide Röhren künftig nur einspurig befahren werden. (Archivbild)
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 19
Zwischen Bodensee und Säntis ist eine Landesausstellung geplant.
Zwischen Bodensee und Säntis ist eine Landesausstellung geplant.
Abstimmung am 5. Juni  Bern - Neben den fünf eidgenössischen Abstimmungsfragen entscheiden am 5. Juni die Stimmberechtigten über zahlreiche kantonale Vorlagen. In den Kantonen St. Gallen und Thurgau wird über das Schicksal der Expo2027 befunden. mehr lesen 
Laut Umfrage  Zürich - Die Zustimmung für die Pro-Service-public-Initiative schmilzt laut einer Umfrage. Doch die Befürworter der Vorlage behalten trotz ... mehr lesen
Mehr Bürger als noch im April lehnen die Pro-Service-public-Initiative ab.
Künftig mindestens 500'000.-- und die ganze Schweiz inklusive: SwissPass, der schon bald mal GACH heissen könnte.
Etschmayer Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von ... mehr lesen  
Wahlen 2015  Bern/Lausanne - Die SVP hat ihr gutes Resultat bei den Wahlen 2015 einer soliden Wählerbasis und der ... mehr lesen  
Migration, Asyl und Flüchtlinge galten bei der Wählerschaft als wichtigstes Problem. (Symbolbild)
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 8°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 11°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
St. Gallen 10°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 8°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 11°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Genf 10°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 14°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten